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03.01.2010

08:00 Uhr

Wandlungsfähigkeit

Sparen, umbauen, reisen und erfinden

VonChristoph Hardt

Die Krise hat die Veränderungsbereitschaft der Unternehmen herausgefordert wie noch nie. Der Wandel wird 2010 in hohem Tempo weitergehen. Viele nutzen das Diktat der Sparsamkeit, um sich ganz neu zu erfinden – was sich bei einer kleinen Deutschland-Reise unter Beweis stellt.

Ein Biologe von Bayer überprüft die Verträglichkeit eines Wirkstoffes an einer Zitronenpflanze. Der Konzern hat die dritthöchste Forschungsquote Bayern. Unternehmen müssen sich unter dem Eindruck der Krise schnell wandeln. dpa

Ein Biologe von Bayer überprüft die Verträglichkeit eines Wirkstoffes an einer Zitronenpflanze. Der Konzern hat die dritthöchste Forschungsquote Bayern. Unternehmen müssen sich unter dem Eindruck der Krise schnell wandeln.

DÜSSELDORF. Es ist kein Ruhmesblatt für die Relevanz gängiger Managementtheorien, dass der beliebteste Spruch deutscher Unternehmenslenker auch 446 Tage nach der Pleite von Lehman Brothers lautet: „Wir fahren auf Sicht“.

Dabei gehört es zu den Konstanten von Wirtschaftskrisen, dass sie Veränderungsprozesse beschleunigen. In der zweiten großen Anpassungswelle seit der Jahrtausendwende erleben wir eine noch nie da gewesene Beschleunigung dieser Prozesse. Umso mehr sind die Unternehmen 2010 gefordert, Konsequenzen aus dem Geschehen zu ziehen. Der Zusammenbruch der Umsätze liegt hinter uns, ebenso die „Cash-is-King“-Periode, die mit einem drastischen Abbau der Lagerbestände einherging. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die Unternehmen die richtigen Konsequenzen aus der Krise gezogen und sich für die Zeit des Wiederaufstiegs gut positioniert haben.

Forschung als Rezept zur Genesung

Für Burkhard Schwenker jedenfalls, den Chef von Roland Berger, ist sonnenklar, dass sich Grundlegendes verändert hat. Führung nach Kennzahlen, so sein Credo, habe die große Zeit hinter sich: „Künftig werden Unternehmen wieder mehr auf ihre Produkte und Kunden fokussieren und sich dadurch zu unterscheiden suchen. Deshalb glaube ich, dass Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebsfunktionen wieder wichtiger werden“, hat Schwenker kürzlich der Wochenzeitung „Die Zeit“ gesagt.

Versuchen wir es mit den guten Beispielen, begeben wir uns auf eine Reise zu Unternehmen, die versucht haben, das Beste aus schwierigen Situationen zu machen.

Der erste Ausflug führt 32 Kilometer von der Handelsblatt-Zentrale in Düsseldorf rheinaufwärts in den Chemiepark Leverkusen, in die Zentrale der Bayer AG. Dort, im äußersten Ostflügel von Helmut Jahns schwungvoller Glasellipse, ist das Büro von Werner Wenning. Der Bayer-CEO, zuletzt hoch dekoriert, hinterlässt seinem Nachfolger Marijn Dekkers ein wohlgeordnetes Haus – vor allem, weil er in der Krise die Forschungsausgaben des Pharma- und Chemiekonzerns auf den Rekordwert von 2,9 Milliarden Euro erhöht hat.

„Bayer existiert seit 146 Jahren“, erzählte Wenning dem Handelsblatt, kurz bevor er seinen Nachfolger vorstellte. Er fuhr fort: „Wir haben eine lange erfolgreiche Vergangenheit – und eine aussichtsreiche Zukunft. Weil wir in der Lage sind, uns auf die sich verändernden Marktbedingungen einzustellen und über Innovationen zu wachsen. Mir geht es nicht um kurzfristige Optimierung. Es wäre doch so einfach, ein paar Hundert Millionen aus der Forschung zu nehmen und damit in diesem Jahr das Ergebnis zu verbessern. Das aber wollen wir nicht, das wäre viel zu kurz gedacht. Uns geht es um die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens.“

Nachhaltigkeit, das Wort klingt sehr deutsch, die älteste Quelle zur Nachhaltigkeit ist eine Forstordnung des Bistums Speyer aus dem Jahr 1442. Während Bayer 567 Jahre später versucht hat, im Rahmen diverser Reformprogramme die Fixkosten der operativen Bereiche und der Zentrale unter Kontrolle zu behalten, investiert der Konzern weltweit in Forschung und Entwicklung und bringt es inzwischen – gemessen am Umsatz – auf die dritthöchste Forschungsquote aller deutschen Unternehmen.

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