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11.05.2012

07:41 Uhr

Warnung vor Stilllegung

Alte Kraftwerke sollen Energiezufuhr sichern

VonKlaus Stratmann

ExklusivDie Kapazitäten der Stromerzeugung in Deutschland werden knapp. Die Energiebranche warnt deshalb, ältere Kraftwerke stillzulegen. Sogar Umweltschützer sind in diesem Punkt offenbar auf der Seite der Unternehmen.

Kohlekraftwerk bei Großkrotzenburg in Hessen. dpa

Kohlekraftwerk bei Großkrotzenburg in Hessen.

DüsseldorfDie Energiebranche warnt angesichts knapper Stromerzeugungskapazitäten vor einer Stilllegung älterer Kraftwerke. Da mit Verzögerungen bei der Inbetriebnahme neuer Anlagen zu rechnen sei, „sollte die Politik bereits verfügte Stilllegungen älterer Kraftwerke noch einmal überprüfen“, sagte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dem Handelsblatt. Umweltschützer stimmen ihr zu. Auch die Bundesnetzagentur hatte kürzlich angesichts drohender Engpässe empfohlen, Altanlagen einsatzbereit zu halten.

Tatsächlich stehen viele ältere Kraftwerke vor dem Aus. Dafür gibt es verschiedene Gründe. So verbinden Behörden die Genehmigung neuer Anlagen häufig mit der Auflage, ineffizientere ältere Anlagen stillzulegen. Der BDEW geht davon aus, dass allein aus diesem Grunde in den kommenden Jahren 5,4 Gigawatt (GW) Kapazität vom Netz gehen. Das entspricht fünf Großkraftwerken.

Weitere sechs GW stehen vor einer Stilllegung, weil die Kraftwerke den sich verschärfenden Immissionsschutzgesetzen nicht mehr gerecht werden. Da mit der Energiewende das Aus für sämtliche Kernkraftwerke bis 2022 beschlossene Sache ist, sind Engpässe absehbar.

„Der vergangene Winter hat gezeigt, dass die Erzeugungskapazitäten in einigen Regionen knapp sind“, sagte Müller. Der Kraftwerksbestand sollte daher möglichst gesichert werden. Besonders prekär sei die Lage in Bayern und Baden-Württemberg, sagte sie. „Deshalb können wir es uns gerade dort kaum leisten, alte Anlagen ohne eine erneute Analyse der Situation einfach stillzulegen.“

Umweltschützer, die den Weiterbetriebe alter Kraftwerke mit niedrigem Wirkungsgrad und hohen CO2-Emissionen grundsätzlich kritisch sehen, teilen angesichts der akuten Engpässe Müllers Forderung. „Die Lage ist angespannt. Es ist daher sinnvoll, auch alte Kraftwerke am Netz zu halten“, sagte Felix Matthes vom Öko-Institut dem Handelsblatt. Da die alten Anlagen nur für wenige Stunden in Engpasssituationen ans Netz gehen müssten, sei der Emissionsaspekt nicht relevant. „Wir werden uns um die alten Anlagen kümmern müssen. Sie dürfen nicht einfach abgemeldet werden. Das ist das größte Flexibilitätspotenzial, das wir derzeit haben“, sagte er.

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Kommentare (7)

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vandale

11.05.2012, 08:09 Uhr

Die Problematik besteht nicht ausschliesslich darin, dass man die Kernkraftwerke aus religiösen Gründen, man denke an den Glaube an dämonische Atomstrahlen, stilllegt und damit 20000MW Grundlaststrom vom Netz nimmt, sondern auch in den "Erneuerbaren Energien". Diese speisen gem. EEG vorrangig ihren wertlosen, umweltschädlichen Zufallsstrom entsprechend der Launen des Wetters ein. Dadurch vermindert sich die Vollaststundenanzahl der fossilen Kraftwerke. Fossile Kraftwerke müssen häufig in unwirtschaftlicher Teillast gefahren werden, oder zahlreiche Lastwechsel im Lastfolgebetrieb vollziehen.
Diese Kosten werden jedoch nicht über das EEG weitergegeben, sondern bleiben bei den Kraftwerksbetreibern. Mehrere Kraftwerksbetreiber haben sich dahingehend geäussert, dass sich neue fossile Kraftwerke nicht mehr rechnen, haben teils die Planungen solcher Kraftwerke eingestellt. Für die Betreiber alter Kraftwerke dürfte die Situation ähnlich schwierig sein als die Kraftwerke nur wenige 100 Betriebsstunden im Jahr genutzt werden. Spätestens wenn grössere Reperaturen anfallen, oder neue Auflagen zur Erneuerung zwingen wird man diese Kraftwerke stillzulegen suchen.

Die Konsequenz wird eine Bereitstellungsprämie für fossile Kraftwerke sein, die man irgendwo im Strompreis unterbringen wird.

Vandale

Egon

11.05.2012, 09:29 Uhr

Wenn die Deutschen mal ein wenig nachdenken würden, hätte man in jeder Stadt ein eigenes kleines Kraftwerk, oder mehrere. Wie z.b:

http://ecat.com/

dw-seneca

11.05.2012, 09:43 Uhr

Bei unserer Energiewirtschaft läßt sich wie mit einer Lupe die Idotien von Planwirtschaft und Subventionen erkennen. E10 als Paradebeispiel, wie Planwirtschaft "funktioniert" und beim EEG stellt man fest, daß jedeSubvention neue Subventionen initiiert, bis das Produkt so teuer ist, daß es sich keiner mehr leisten kann.

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