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18.07.2012

16:08 Uhr

Webasto

Krise verhagelt Geschäft von Cabrio-Zulieferer

Die dunkler werdenden Wolken am Konjunkturhimmel bekommen nun auch Autozulieferer zu spüren. Der Marktführer für Cabriodächer Webasto klagt jetzt über zurückgehende Aufträge.

VW-Cabrio Eos: Der Markt mit Luxusgütern geht zurück. ap

VW-Cabrio Eos: Der Markt mit Luxusgütern geht zurück.

MünchenDie weltweite Konjunkturdelle wird jetzt auch bei Luxusautos sichtbar. Die Nachfrage nach Cabriodächern sei ein Drittel geringer als erwartet, teilte der Autozulieferer Webasto am Mittwoch in München mit. Viel mehr aber macht dem Weltmarktführer bei Schiebedächern und Standheizungen der Einbruch der Autoverkäufe in Italien, Spanien und Frankreich zu schaffen. Nach einem Umsatzzuwachs von neun Prozent im ersten Halbjahr rechnet er für den Rest Jahres mit keinem Wachstum mehr.

„China ist kein Cabriomarkt, und in Europa und den USA gibt es große Kaufzurückhaltung“, sagte Vorstand Holger Engelmann, der 2013 den langjährigen Vorstandschef Franz-Josef Kortüm ablösen soll. Cabrios seien meist Zweit- oder Drittwagen, und in unsicheren Zeiten leisteten sich weniger Menschen einen solchen Luxus.

Die Krise in Südeuropa und Frankreich und die Krise der dort stark vertretenen Automarken spürten auch die Zulieferer. Aber die Nachfrage in China wachse, und davon profitiert Webasto besonders mit seinem wichtigsten Geschäftsbereich. Weltweit werde inzwischen jedes fünfte Auto mit Schiebedach gekauft. „In China haben wir aber die höchste Ausstattungsquote mit Schiebedach“, sagte Engelmann. Die Hälfte seines gesamten Umsatzes mit Schiebe-, Panorama- und Cabriodächern macht das Familienunternehmen inzwischen in Asien.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz in China um 19 Prozent, während er in Europa um zwei Prozent sank. In der Volksrepublik, wo Webasto bereits sechs Fabriken hat, seien vier weitere Werke im Bau, sagte Engelmann. Die Zulieferer müssten den Autoherstellern folgen, die neue Standorte aufbauten.

Im laufenden Jahr rechnet Kortüm mit einem Umsatzanstieg von 2,3 auf 2,4 Milliarden Euro und einem Gewinnrückgang von 150 auf annähernd 100 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern. Der Wettbewerbs- und Preisdruck, vor allem aber Rekordinvestitionen in neue Fabriken und Technologien belasteten das Ergebnis, erklärte Kortüm. Webasto habe einen Auftragsbestand von 8,5 Milliarden Euro und müsse seine Kapazitäten ausbauen.

Um sich für mögliche Kooperationen oder Gemeinschaftsunternehmen mit anderen Zulieferern besser aufzustellen, führt die Familienholding das Dachgeschäft und das kleinere Geschäft mit Heizungen und Kühlanlagen jetzt in zwei getrennten europäischen Aktiengesellschaften (SE). Bei den Autoherstellern seien solche Kooperationen gang und gäbe, und das werde auch bei den Zulieferern kommen, sagte Kortüm.
Kortüm soll nach 18 Jahren an der Spitze des Autozulieferers im Januar 2013 in den Aufsichtsrat wechseln. Das Unternehmen sei schuldenfrei, er hinterlasse seinem Nachfolger Engelmann ein gut bestelltes Haus, sagte Kortüm. Webasto beliefert Dutzende Auto-, Bus- und Lastwagenhersteller. Die drei größten Kunden seien Hyundai, Renault-Nissan und Volkswagen, sagte Engelmann.

Von

dpa

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