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12.09.2012

17:20 Uhr

Wegen China-Konkurrenz

Maschinenbauer Voith kappt Hunderte Stellen

Die Solarbranche ist bekannt dafür, unter Billigkonkurrenz aus China zu leiden. Doch auch für den Papiermaschinenhersteller Voith ist der Wettbewerb zu scharf. Das Unternehmen reagiert mit einem deutlichen Stellenabbau.

Voith produziert auch Schiffsantriebe. Schwer zu kämpfen hat aber das Geschäft mit Papiermaschinen. dpa

Voith produziert auch Schiffsantriebe. Schwer zu kämpfen hat aber das Geschäft mit Papiermaschinen.

StuttgartWegen des hohen Konkurrenzdrucks durch asiatische Papiermaschinenhersteller streicht der weltweite Marktführer Voith in Deutschland und Österreich 670 Jobs. Auf diesen Arbeitsplatzabbau hätten sich Unternehmen und Betriebsrat nach mehrmonatigen Verhandlungen geeinigt, teilte der im schwäbischen Heidenheim ansässige Konzern am Mittwoch mit. Dauerhafte Umsatzrückgänge bei Papiermaschinen für die grafische Industrie machten den Stellenabbau unvermeidlich. Ursprünglich wollte Voith an den Standorten Heidenheim, Ravensburg, Krefeld und im österreichischen St. Pölten 710 Stellen streichen, rückte davon jedoch in den Verhandlungen ein Stück weit ab. Auf betriebsbedingte Kündigungen solle möglichst verzichtet werden, diese würden jedoch frühestens ab Ende kommenden Jahres wirksam, teilte Voith mit.

Damit steht bei dem 1867 gegründeten Konzern zum zweiten Mal binnen vier Jahren ein Stellenabbau in Deutschland an. Voith habe angesichts der günstiger produzierenden asiatischen Wettbewerber ein "Preisproblem", hatte Voith-Chef Hubert Lienhard Ende Mai den Stellenabbau begründet. "Mit einem Export aus Deutschland nach China können wir dort nicht am Wettbewerb teilnehmen", sagte der Manager. Voith müsse bei der Maschinenmontage in Deutschland und Österreich abspecken und in China eine komplett neue Maschine für asiatische Kunden zur Herstellung von Papier für Verpackungen, Aufklebern und Hygiene-Artikeln entwickeln. Andernfalls riskiere das Unternehmen vom Markt verdrängt zu werden.

Weltweit arbeiten gut 40.000 Mitarbeiter für Voith. Der Umsatz des im Familienbesitz befindlichen Konzerns belief sich zuletzt auf 5,6 Milliarden Euro. Neben Papiermaschinen baut Voith auch Wasserkraftwerke sowie Schiffsantriebe und erbringt Industrie-Dienstleistungen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Alfred

20.09.2012, 13:56 Uhr

Im Gegensatz zur überbordenden Sozialpolitik und Europa- und Europolitik fristet die "Industriepolitik" bei uns
ein Schattendasein.
Was den deutschen Wirtschaftserfolg im Augenblick ausmacht, ist die Tatsache, daß wir technische
Produkte und Dienstleistungen anbieten KÖNNEN, die nach-
gefragt werden! Hier findet eine Wertschöpfung statt, die
den bisherigen Wohlstand, den Sozialstaat ermöglicht und
die Euro-Schuldenkrise mehrheitlich "trägt".
Basis sind die vielen Firmen mit engagierten Mitarbeitern,
die im permanenten Wettbewerb am Weltmarkt bestehen kön-
nen. Diese Firmen sind natürlich begehrt, vor allem von Volkswirtschaften, die aufstreben aber nicht das tech-
nische Know-How haben.
Parallel ist heute zu lesen, daß der Kunststoff-Maschinen-
bauer Krauss Maffei kurz vor der Übernahme durch eine
chinesische Firma steht. Krauss Maffei und die DEMAG bildeten bei Mannesmann das Rückgrad für den weltweit
größten Kunststoffmachinenbauer- bis der inkompetente
Mannesmannvorstand von Vodaphone vorgeführt wurde.
Die Firma Hoechst wurde ziemlich unfreundlich von einem
französischen Unternehmen übernommen.
Wo findet außerhalb von Tageszeitungen eine ernsthafte
Diskussion und Aufklärung über die Industrie- und Firmen-
entwicklung statt?
Stattdessen Neiddebatten, Armutsberichte, Mindestlöhne,
Rentnerarmut, Frauenquote, Eurorettung usw.
Die Basis jeder prosperierenden Gesellschaft ist Wert-
schöpfung und nochmals Wertschöpfung bei Produkten und
Dienstleistungen in Gewerbe und Industrie.
Die Besitzverhältnisse spielen dabei eine wichtige Rolle!
Ich will keine Verbote, aber eine große Transparenz,
offene Diskussionen gepaart mit kommerzieller Cleverness,
Politiker mit wirtschafts- und industriepolitischem Engagement wären der Wichtigkeit dieses Themas angebracht.

Branchenentwicklungen

25.09.2012, 06:07 Uhr

Politiker kümmern sich um industriepolitische Dinge nur begrenzt. Politiker möchten alle 4 Jahre wiedergewählt werden und bedienen entsprechende Emotionen, die sich auf das Stimmempfinden von Wählern (Bürger) richten. Das ist für Politiker stärker entscheidend.

Industriepolitik hieße auch in manchen Branchen Schutzzölle auszusrechen, wenn diese unter einen gewissen Größenlevel fallen, um noch in einer Mindestgröße existieren zu können. Solche Schutzzölle sind momentan aber nicht mehrheitpolitisch erwünscht, da andere Branchen dann befürchten im Weltmarkt behindert zu werden. Also spielen sich die Brancheninteressen auch gegenseitig aus. Das Problem bleibt aber aktuell, da Branche für Branche sich immer stärker der Globalisierung stellen muss.

Lediglich Unternehmen wie APPLE haben diee Probleme nicht. Apple hat von jeher nur dort produziert, wo es am billigsten ist. Bei Elektronik, Schuhindustrie und Textilindustrie ist der Überlebenskampf vieler lokaler europäischer Wettbewerber schon lange verloren. Hier gab es wenig Schutzzölle. Unternehmen rutschten unter die "Mindestgöße" und mussten aufhören zu existieren. Lediglich ein paar Überlebenskünstler wie z.B. TRIGEMA (Textil) sind hier noch existent.

Globlisierung ist halt kein Streichelzoo und Deutschland wird auch Probleme haben, sein Exportniveau zu halten. Lohndumping ist aber keine Lösung, da es in z.B. Deutschland auch starke Einbrüche in der Rentenfinanzierung und im Konsumverhalten auslöst. Deutschland wird noch weiter mit einbrechenden Exportquoten und Lohndumping zu kämpfen haben. Auch greifen zunehmend die ehemaligen Vorteile des deutschen dualen Bildungssystems nicht mehr, da "nur eine Hauptausbildung" im Lebensalter häufig ins Lohndumping abrutscht und einfach niht mehr ausreihend ist für das komplexe Arbeitsleben der Zukunft. Hier hat Deutschland auch noch keine Antwort gefunden. Junge Menschen sind aber gut beraten, sich um eine Weiterentwicklung schon zeitig zu kümmern.

FRELON

28.09.2012, 20:32 Uhr

wir Deutsche werfen unser Know-How was wir in mehr als 60Jahren harter Arbeit erworben haben und hunderte Millionen gekostet hat weg.China brauch nur noch nach unseren Vorlagen mit billigen Löhnen alles nachbauen.Alle wollen nur noch das schnelle Geld,Menschen zählen da nicht mehr,nicht hier und in China schon gar nicht.

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