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19.03.2014

12:51 Uhr

Wegen Massenrückruf in USA

Toyota schließt Rekord-Vergleich

Mehr als eine Milliarde Dollar soll der japanische Autohersteller Toyota offenbar in Zusammenhang mit einem Massenrückruf in den USA zahlen. Der weltgrößte Autohersteller vermeidet damit noch höhere Schadenersatzklagen.

Dieses Foto der Utah Highway Patrol aus dem Jahr 2010 zeigt einen verunglückten Toyota Camry. Bei dem Unfall hatte sich angeblich die Fußmatte unter dem Gaspedal verklemmt. ap

Dieses Foto der Utah Highway Patrol aus dem Jahr 2010 zeigt einen verunglückten Toyota Camry. Bei dem Unfall hatte sich angeblich die Fußmatte unter dem Gaspedal verklemmt.

WashingtonWas Pleiten, Pech und Pannen anbelangt, ist es keine gute Woche für das Image der Autobranche: GM-Chefin Barra entschuldigte sich am Dienstag öffentlich, Porsche tauscht die Motoren eines ganzen Modelljahrgangs aus und Toyota schließt wohl einen Rekord-Vergleich über 1,2 Milliarden US-Dollar (720 Millionen Euro) in Zusammenhang mit einem Massenrückruf und einer Pannenserie vor vier Jahren.

Der japanische Weltmarktführer wolle so eine Anklage vermeiden, berichtete der Fernsehsender CNN am Dienstag unter Berufung auf mit der Vereinbarung vertraute Personen. "Das ist eine große Zahl, und doch ist Toyota ein Unternehmen, das diese leicht verdauen und weitermachen kann," kommentierte Analyst Karl Brauer vom Auto-Experten Kelley Blue Book die Nachricht.

Eine Bestätigung stand am Mittwoch noch aus. Das Justizministerium lud jedoch für den Morgen (Ortszeit, 14.30 Uhr deutscher Zeit) zu einer Pressekonferenz mit dem Justiz- und Verkehrsminister sowie dem Generalstaatsanwalt von Manhattan ein.

Bei Toyota sorgten angeblich klemmende Gaspedale und rutschende Fußmatten dafür, dass allein zwischen 2009 und 2011 mehr als zehn Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten mussten. Auch wenn sich viele dieser Vorfälle später als Fehlbedienungen und individuelle Fahrfehler herausstellten, so ging die US-Staatsanwaltschaft doch dem Vorwurf nach, der Autobauer habe die US-Behörden nicht richtig informiert, als die ersten Beschwerden laut wurden.

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Eine Zündung, die während der Fahrt ausgehen kann, wird zur ernsten Gefahr für das Image von General Motors. Die Probleme sind offenbar intern schon seit 2001 bekannt. Warum hat GM so lange für den Rückruf gebraucht?

Mit dem Rückruf der Opel-Mutter General Motors von 1,6 Millionen Fahrzeugen bringen unterschiedliche Quellen zwischen mehreren Dutzend und 300 Todesopfern in Zusammenhang. Und vom mindestens 137.000 Euro teuren Porsche 911 GT3 gingen mindestens zwei Exemplare in Flammen auf.

Werden unsere Autos immer gefährlicher, statt besser und sicherer, wie uns die Hersteller Glauben machen wollen?

Einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach zufolge wurden 2013 auf dem Referenzmarkt USA 20,5 Millionen Pkw zurück gerufen, 2012 waren es noch 15,5 Millionen. Nach Ansicht der Wissenschaftler entwickeln sich die Rückrufe zu einem zunehmenden Risikofaktor der globalen Hersteller.

Fünf Haupt-Fehlerquellen

Insbesondere hohe Wachstumsziele können die Hersteller dazu verleiten, die Qualitätsanforderungen zu vernachlässigen, so die Studie. Fünf Hauptfaktoren für die wachsenden Qualitätsprobleme machte das CAM aus. Zum einen hat die zunehmende Komplexität der Fahrzeuge – mit Sicherheitssystemen, motortechnischen Optimierungen und Komfortmerkmalen - Einfluss auf die Fehleranfälligkeit. Außerdem seien in den vergangenen Jahren Entwicklungs- und Produktzyklen aufgrund des hohen Wettbewerbs deutlich verkürzt worden.

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Über Rückrufaktionen können normalerweise weder Autohersteller noch ihre Kunden lachen. In einigen Fällen aber doch.

Da aufgrund von Kosten-, Zeit- und Innovationsvorteilen immer mehr Aufgaben auf die Zulieferer übertragen werden, sieht die Analyse den Bedarf an unternehmerübergreifendem Qualitätsmanagement sowie die Gefahr, dass der Kostendruck sich auf die Produktqualität durchschlägt. Als letzten Punkt bennenen die Wissenschaftler die Gleichteil- beziehungsweise Baukastenstrategie, durch die die Gefahr besonders großer und damit kostenintensiver Rückrufaktionen entsteht.

Die Studie führt das Beispiel des koreanischen Konzerns Hyundai-Kia an, die nach Auswertung der Wissenschaftler im vergangenen Jahr die höchste Rückrufquote in den USA hatten. Aufgrund von Bremslichtmängeln mussten gleich 20 Modelle mit insgesamt 2,7 Millionen Pkw in die Werkstätten. Die zweithöchste Rückrufquote verzeichneten die Experten 2013 auf dem US-Markt bei Fiat-Chrysler, danach folgten Toyota, BMW und Honda.

General Motors will das jüngste Image-Debakel durch den Rückruf von Millionen Autos nach einer tödlichen Unfallserie nun mit lückenloser Aufklärung und einem neuen Sicherheitschef in den Griff bekommen. Konzernchefin Mary Barra versprach, bei der internen Untersuchung werde es keine "heiligen Kühe" geben. Sie räumte bei einer Pressekonferenz am Dienstag ein, dass der Rückruf zu spät gestartet worden sei.

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