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20.11.2015

01:39 Uhr

Wegen VW-Abgasskandal

Bosch im Visier von US-Behörden

Die Abgasaffäre des Autobauers Volkswagen könnte auch dem Zulieferer Bosch zum Verhängnis werden: US-Staatsanwälte prüfen, ob der Stuttgarter Konzern von den Manipulationen gewusst hat.

Das Bosch-Logo an einem Gebäude des Unternehmens: Die USA untersucht, ob der Zulieferer von den VW-Manipulationen wusste. dpa

Bosch Forschungscampus

Das Bosch-Logo an einem Gebäude des Unternehmens: Die USA untersucht, ob der Zulieferer von den VW-Manipulationen wusste.

Washington/New YorkWegen der Volkswagen-Abgasaffäre steht auch der Zulieferer Robert Bosch im Visier der US-Ermittler. Laut Handelsblatt-Informationen prüfen Staatsanwälte im Justizministerium in Washington, ob der Konzern an den jahrelangen VW-Schummeleien beteiligt gewesen ist. Zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur Reuters darüber berichtet.

Bislang gibt es allerdings keine Belege dafür, dass Bosch über die Schummeleien von VW informiert war. Die Schwaben haben zwar die Software geliefert, konfiguriert wurde sie indes bei VW, wie es in informierten Kreisen heißt. Erst bei Volkswagen seien die Datensätze eingespeist worden, mit denen die Autos erkennen konnten, dass sie sich auf einem Teststand befanden.

VW hat zugegeben, in Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt zu haben, mit der Abgastests umgangen wurden, um eine Zulassung der Autos zu bekommen. Der Skandal hat den Wolfsburger Konzern in eine tiefe Krise gestürzt.

Von Bosch kommen wichtige Bauteile in dem Diesel-Motor, der in sechs betroffenen Volkswagen-Modellen und in einem betroffenen Audi-Modell genutzt wird. Rechtsexperten zufolge ist eine entscheidende Frage, ob der Zulieferer gewusst hat, dass seine Technologie für Manipulationen eingesetzt wird. „Wenn man weiß, dass ein Vergehen begangen wird, und man aktiv dazu beiträgt, dass es zu dem Vergehen kommt, sitzt man in der Patsche“, erläuterte der auf Umweltrecht spezialisierte Anwalt Daniel Riesel von der Kanzlei Sive, Paget & Riesel.

„Zeichen der Wiedergutmachung“

VW verschickt Gutscheine

„Zeichen der Wiedergutmachung“: VW verschickt Gutscheine

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Volkswagen muss die von dem Abgasskandal betroffenen Diesel-Fahrzeuge in den USA womöglich teilweise zurückzukaufen. Die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb, Mary Nichols, sagte in einem Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe), es sei „ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigstens einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss“. Denn Erfahrungen mit anderen Herstellern hätten gezeigt, dass ein Nachrüsten der Fahrzeuge oft nicht so gut funktioniere wie geplant.

Der Autobauer muss der kalifornischen Behörde bis diesen Freitag einen Plan für technische Lösungen vorlegen, um den Abgasbetrug zu beenden. Nichols fordert ein Umweltkonzept, das die zusätzlichen Emissionen der Fahrzeuge ausgleicht. „Ganzseitige Anzeigen in der Zeitung zu schalten und den Kunden 1000 Dollar anzubieten, ist ja nett. Aber das ist noch nicht einmal ansatzweise genug, um das Ausmaß des Schadens zu thematisieren“, sagte sie. In den USA bietet VW den von Manipulationen betroffenen Kunden als Zeichen der Wiedergutmachung Einkaufsgutscheine im Wert von je 1000 Dollar an.

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