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18.03.2012

14:05 Uhr

Wein

China hat Durst auf europäischen Wein

VonThomas Hanke

Weine aus Frankreich, speziell aus Bordeaux werden unter Chinesen immer beliebter. Die Volksrepublik verdrängt langsam Deutschland als wichtigsten Importeur - ein Novum.

Eine Frau holt eine Weinflasche vom Regal AFP

Eine Frau holt eine Weinflasche vom Regal

ParisFür alle deutschen Freunde der Bordeaux-Weine gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: China stillt seinen Durst auf europäische Weine immer mehr mit Produkten aus dieser Region Frankreichs. Das treibt nicht nur den Absatz, sondern auch die Preise. Während die Bordeaux-Winzer im Jahr 2000 noch so gut wie nichts in den Fernen Osten exportierten, ist die Volksrepublik mittlerweile der Menge nach der größte Absatzmarkt und hat die Bundesrepublik verdrängt. Dem Wert nach gerechnet ist sie der zweitgrößte Auslandsmarkt - hinter Hongkong. Zusammen genießen die beiden mehr als ein Drittel der exportierten Bordeaux-Weine. Den Export der dortigen Winzer hat das im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekord von 1,97 Milliarden Euro getrieben. Damit erreicht der Export von Bordeaux-Weinen rund die Hälfte des Wertes der französischen Autoausfuhren!

Nun aber endlich die gute Nachricht: Chinas Weinfreunde sind in der Masse nicht auf die Großen Gewächse bedacht, sondern mehr auf günstige Weine aus der relativ kleinen, aber produktionsstarken Appellation d'Origine Bordeaux. Von dort beziehen sie 65 Prozent, während die Anbaugebiete Médoc und Saint Emilion mit ihren Spitzenweinen nur einen deutlich kleineren Teil der Nachfrage ausmachen. Es gibt also noch Hoffnung für deutsche Bordeaux-Freunde ohne sehr großen Geldbeutel, von der neuen Wein-Supermacht in Fernost nicht auf Entzug gesetzt zu werden. Der starke Zuwachs auf den Auslandsmärkten hat es den Bordeaux-Winzern ermöglicht, den leichten Rückgang im Inland mehr als auszugleichen. Insgesamt setzten sie 5,45 Millionen Hektoliter oder 728 Millionen Flaschen ab, das brachte einen Umsatz von 3,9 Milliarden Euro. Die Statistiker des Rats der Bordeaux-Weine haben ausgerechnet, dass jede Sekunde 24 Flaschen Bordeaux verkauft werden, was dem Freund des dortigen Weins wahrscheinlich ebenso egal ist wie die Tatsache, dass es bei genauem Nachrechnen nur 23 Flaschen sind.

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