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11.04.2006

18:00 Uhr

Weitere Niederlage in Vioxx-Prozess

Noch ein Rückschlag für Merck

Der US-Konzern Merck & Co hat vor einem Gericht in New Jersey in einem Verfahren um schädliche Nebenwirkungen seines umstrittenen Schmerzmittels Vioxx eine weitere Niederlage einstecken müssen. Die Aktie des Pharmariesen drehte daraufhin ins Minus.

HB ATLANTIC CITY. Die Jury verhängte am Dienstag gegen das US-Unternehmen Strafzahlungen in Höhe von neun Mill. Dollar. Die Geschworenen in Atlantic City sahen es als erwiesen an, dass Merck wissentlich Informationen zu Vioxx vor der US-Gesundheitsbehörde FDA zurückgehalten hat. Das Verhalten von Merck rechtfertige die Verhängung von Strafzahlungen, gab die Jury bekannt. Merck kündigte an, dagegen Berufung einzulegen.

Die Merck-Aktie verlor im frühen US-Handel 0,50 Prozent auf 34,24 Dollar. „Ich bin überrascht, dass Investoren dies nicht mit mehr Pessimismus aufnehmen“, kommentierte Analyst Scott Henry von Oppenheimer & Co. Das Urteil sei zwar nur ein Punkt unter vielen, aber keinesfalls eine positive Entwicklung. „Die Strafzahlung wird die Anwälte von Klägern wieder motivieren“, fügte er hinzu.

Der Konzern hält das Urteil nicht für rechtmäßig: Merck habe einwandfrei gehandelt und der US-Medikamentenaufsicht FDA sämtliche angeforderten Informationen über Vioxx zukommen lassen, argumentierte der Anwalt Chuck Barell im Namen von Merck. Vor diesem Hintergrund hätte das Gericht laut dem in New Jersey geltenden Gesetz das Schmerzensgeld nicht anordnen dürfen, führte er aus.

Die Geschworenen hatten bereits vor knapp einer Woche in demselben Fall dem 77-jährigen Kläger John McDarby und seiner Ehefrau ein Schmerzensgeld von 4,5 Mill. Dollar zugesprochen. Strafzahlungen sind in New Jersey auf maximal das Fünffache des Schmerzensgeldes begrenzt. In diesem Fall wären es bis zu 22,5 Mill. Dollar gewesen. Der Kläger hatte Merck vorgeworfen, dass die Einnahme von Vioxx mitverantwortlich für seinen Herzinfarkt gewesen sei.

Erstmals war dabei auch der ehemalige Chef des Pharmariesen, Raymond Gilmartin, in einem Vioxx-Verfahren in den Zeugenstand getreten. Gilmartin, der Merck & Co während der Entwicklung und auch zum Zeitpunkt des Marktrückzugs von Vioxx leitete, hatte die Verheimlichung von Daten bestritten. Gilmartin war vom Chefposten bei Merck im Mai 2005 zurückgetreten, ursprünglich sollte er erst 2006 in den Ruhestand gehen.

Merck hatte Vioxx im September 2004 vom Markt genommen, nachdem eine Studie ein erhöhtes Risiko von Herzproblemen durch das Medikament bei Patienten aufgedeckt hatte, die das Mittel mindestens 18 Monate einnahmen. Kläger argumentieren, dass das Unternehmen über Jahre hinweg nicht ausreichend auf mögliche Risiken durch das Mittel hingewiesen habe. Merck hatte dagegen stets bestritten, Ärzte oder Aufsichtsbehörden über die Risiken des Mittels getäuscht zu haben. Im Jahr 2003 machte Merck mit dem Medikament einen Umsatz von mehr als 2,5 Mrd. Dollar. Die Anwälte des Klägers McDarby hatten in dem Verfahren argumentiert, Merck habe bei der Vermarktung von Vioxx immer die Profite vor die Patientensicherheit gestellt.

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