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11.01.2005

07:36 Uhr

Weltgrößte Wassersportmesse „Boot“ beginnt am Samstag in Düsseldorf

Europas Bootsbauer profitieren vom Export

Für Wassersportfans lautet die Zahl der Superlative sechs: Halle sechs. Dort nämlich warten ab kommenden Samstag rund 60 Super- und Megajachten auf die Besucher der diesjährigen „Boot“.

hut DÜSSELDORF.Die größte Yacht misst 31 Meter und kommt dieses Mal aus der Regensburger Kaiserwerft. 60 Quadratmeter groß ist allein der Salon unter dem Deck der „Perfect Harmony“. Das Schiff kostet bis zu sechs Mill. Euro – je nach Ausstattung.

Doch nicht nur Superjachten faszinieren die Deutschen. Auch Einsteigermodelle bis zu 7,5 Metern Länge liegen im Trend. „Die kleinen Schiffe waren 2004 am meisten gefragt“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft, Jürgen Tracht. Das mittlere Preissegment zu Preisen zwischen 50 000 und 150 000 Euro hat es dagegen schwer – ein nicht seltenes Phänomen in Zeiten schwacher Konjunktur. „Es fehlt der Bootsfahrer- Mittelstand“, sagt Günter Schmidt, Vertriebsleiter von Sunseeker Europe. Der Luxusyacht-Hersteller konnte mit „etwas über 100“ Edelschiffen im Jahr 2004 seinen Vorjahresumsatz auf 100 Mill. Euro halten. Eine Steigerung sei wegen begrenzter Produktionskapazitäten nicht möglich gewesen.

Der fränkische Seglerspezialist Bavaria Yachtbau setzt dagegen gerade auf das mittlere Preissegment mit Bootslängen zwischen zehn und 15 Metern. „Einsteigermodelle sind zwar wichtig, um Kunden zu gewinnen, aber nicht unser Kerngeschäft“, sagte Vertriebschef Mike Reuer. Die Mainfranken erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 200 Mill. Euro und konnten den Absatz ihrer Motor- und Segelboote um zehn Prozent steigern. Insgesamt hat die Branche im vergangenen Jahr 1,7 Mrd. Euro umgesetzt. Damit stieg der Umsatz der 2 500 Unternehmen um 1,5 Prozent.

Tragende Säule der Branche ist die Auslandsnachfrage. Im ersten Halbjahr 2004 verdoppelten sich die Ausfuhren – unter anderem wegen des Verkaufs dreier Megajachten – auf 458 Mill. Euro. Vor allem deutsche Segelboothersteller leben vom Export: Sie verkaufen bis zu 90 Prozent ihre Schiffe ins Ausland. Hauptabnehmer ist nach wie vor der Mittelmeerraum, darunter auch Kroatien und Rumänien. Sunseeker sieht Wachstumschancen in Russland und im mittleren Osten. Langfristig sei auch China interessant, sagte Vertriebsleiter Schmidt.

In Europa läuft das Geschäft mit Zuwachsraten von fünf bis sechs Prozent inzwischen besser. Den Umsatz in der gesamten europäischen Wassersportwirtschaft – dazu gehören unter anderem auch Tauchen, Angeln und Schwimmen – mit ihren 20 000 Unternehmen lag nach Aussage von Verbandschef Tracht im vergangenen Jahr bei 13 Mrd. Euro. Für dieses Jahr hofft er auf ein Umsatzplus von vier Prozent.

Trotz Konjunkturflaute liege Wassersport im Trend und werde auch künftig wachsen, prophezeit Tracht. Fast drei Viertel der rund 2 500 Hersteller, Importeure, Dienstleister und Händler der Yachtbranche rechneten in den kommenden drei Jahren mit einer guten oder besseren Konjunktur. „An den Ausgaben für Freizeit und Hobby sparen die Bundesbürger offenbar am wenigsten“, sagte Tracht. Die Auftragsbücher der Hersteller sind gut gefüllt. Kunden müssen nach wie vor mit Lieferzeiten rechnen.

Appetit holen können sie sich auf der 36. „Boot“ in Düsseldorf vom 15. bis 23. Januar. 1 650 Ausstellern aus 54 Ländern präsentieren auf 23 4000 Quadratmetern 1 850 Boote für jeden Geschmack – von der Superjacht bis zum Schlauchboot. Allein 30 Premieren stehen an. Fast die Hälfte der Aussteller kommt aus dem Ausland, vor allem aus den Niederlanden, gefolgt von Italien, Frankreich und Großbritannien. Auch Schnorchel-, Tauch- und Surffans kommen nicht zu kurz.

Reisen steht auch dieses Mal im Mittelpunkt. In zwei Hallen können sich Besucher zu neuen Segeltörns inspirieren lassen. Die Fluggesellschaft LTU, die auf der Messe ihren 50. Geburtstag feiert, bietet Show, Unterhaltung, Kulinarisches sowie Infos zu Veranstaltern in einer eigenen Halle. Erstmals können sich auch Sportangler in einer eigenen Halle über News und Trends rund ums Fischen informieren. Allein 3,3 Millionen Anhänger findet der Sport nach einer Studie mittlerweile in Deutschland.

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