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08.03.2013

16:07 Uhr

Weltpremiere des Qoros

Der Chinese, der keiner sein will

VonLukas Bay

Ein Modell und eine Kampfansage: Die chinesische Automarke Qoros feiert in Genf ihre Weltpremiere und nimmt auch Europa ins Visier. Doch die führenden Köpfe des Angreifers aus Asien sind deutsch.

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Neues aus dem Land der Mitte - Qoros 3

Video: Neues aus dem Land der Mitte - Qoros 3

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GenfDiesmal soll alles anders werden. Mit Qoros schickt sich zum dritten Mal eine chinesische Marke an, den Weltmarkt zu erobern. Es sind aber die ersten Chinesen, die keine Chinesen sein wollen.

„Unser Team besteht aus über 25 Nationen, wir sind eine internationale Marke“, sagt Daniel Backman, ein Schwede, der bei Qoros für die Produktstrategie verantwortlich ist. Vorher war der Automobilmanager bei Volvo. Die Produktphilosophie hat Backman mitgebracht. „Wir werden nicht die günstigsten am Markt sein“, sagt er. Stattdessen wolle man über die Qualität konkurrieren. Wird Backman nach den Hauptkonkurrenten gefragt, nennt er Volkswagen, Toyota und Kia. „Wir haben den Vorteil, dass wir unsere Entwicklung frei von Tradition und Vorgeschichte auf einem weißen Blatt Papier gestalten können“, sagt Qoros-Vizechef Volker Steinwascher, der zuvor das VW-Geschäft in Nordamerika geleitet hat.

Zumindest finanziell können die Chinesen mithalten. Hinter Qoros stehen Chery Automobile, der größte unabhängige Automobilhersteller Chinas, und die Industrieholding Israel Corporation. Für den ersten internationalen Auftritt hat sich die Qoros ausgerechnet den Autosalon in Genf ausgesucht. Eine Kampfansage an die europäische Konkurrenz.

Nach Genf haben die Chinesen das Ergebnis ihrer zweijährigen Entwicklungsarbeit unter der Leitung des ehemaligen BMW-M-Technologiechefs Klaus Schmidt mitgebracht: Die Kompaktlimousine Qoros 3 Sedan. In der zweiten Jahreshälfte 2013 soll das Modell in China auf den Markt kommen, dann in Europa.

Alle sechs Monate soll ein weiteres Modell folgen: Mit den Konzeptmodellen Qoros 3 Cross Hybrid und der Kombilimousine 3 Estate liefern die Chinesen in Genf bereits einen Ausblick auf das, was noch kommen soll. Dass es sich um asiatische Fabrikate handelt, ist eigentlich nur an den chinesischen Lettern am Heck zu erkennen.

Größte ausländische Autohersteller in China

Platz 10

BMW - 326.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Und BMW dringt in die Top Ten vor: Im Vorjahresvergleich legt der Absatz um beachtliche 40 Prozent zu. Auf den Plätzen folgen Suzuki, Daimler und Mazda.

Platz 9

Ford - 427.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner machen Boden gut, was sie ebenfalls dem Inselstreit zu verdanken haben. Im Vorjahresvergleich bleibt ein sattes Plus von 31 Prozent.

(Anm. d. Red.: Erfasst wurden nur Pkw-Verkäufe)

Platz 8

Peugeot-Citroën - 442.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen. Der Absatz legt um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Platz 7

Kia - 512.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 18 Prozent gehören sie mittlerweile zu den erfolgreichen Volumenherstellern in China.

Platz 6

Honda - 603.000 verkaufte Fahrzeuge

Honda muss ebenfalls Einbußen hinnehmen - wie die anderen japanischen Hersteller in China ebenfalls. Im Vorjahresvergleich steht ein Minus von drei Prozent.

Platz 5

Toyota - 841.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner müssen sich mit Rang fünf begnügen, vor allem im September hatte es einen herben Rückschlag der Verkaufszahlen auf gerade einmal 50.000 Stück gegeben. Im Gesamtjahr bleibt ein Absatzminus von fünf Prozent.

(Anm. d. Red.: Angabe laut Reuters)

Platz 4

Hyundai - 847.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner verdrängen Toyota auf Rang fünf und sind indirekter Nutznießer des Inselstreits. Die Hyundai-Verkäufe legten 2012 um zwölf Prozent zu.

Platz 3

Nissan - 1,18 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der Streit um eine Inselgruppe zwischen China und Japan hat die Absatzzahlen der Japaner deutlich in die Knie gedrückt. Im Gesamtjahr gab es für Nissan ein Minus von fünf Prozent.

Platz 2

Volkswagen - 2,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Wolfsburger können das größte Wachstum der Massenhersteller in der Volksrepublik vorweisen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Volkswagen-Verkäufe um 24 Prozent zugelegt.

Platz 1

General Motors - 2,84 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner verteidigen hauchdünn die Spitzenposition in China. Im Jahresvergleich hat GM um elf Prozent zugelegt.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

Das Design stammt aus der Feder des ehemaligen Mini-Chefdesigners Gert-Volker Hildebrandt, die Fahrzeugentwickler kommen vom renommierter österreichischen Zulieferer Magna. Selbst die meisten Bauteile stammen von den europäischen Spezialisten ZF, Continental und Bosch, die verbauten 1,6-Liter-Benzinmotoren mit einer Leistung von 126 PS kommen allerdings weiterhin aus China.

Kommentare (5)

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beobachter

08.03.2013, 17:13 Uhr

das hat man von dacia auch gedacht.

otto

08.03.2013, 18:12 Uhr

Schön - mit fleissiger Entwicklungshilfe aus Deutschland.

Die Blaupausen gab's Gratis für unsere chinesischen Freunde dazu.

Ist schon bewundernswert, wieviele Länder Deutschland als 'Freunde' so hat, bzw. sich Länder zur Freundschaft annektiert. Deutschland sammelt seit letzter Zeit Freunde wie auf facebook - auch dort sind ja alle Freunde echte und gute Freunde.

Ich dachte immer, nur Menschen können Freunde haben - und Länder haben Interessen.

Account gelöscht!

09.03.2013, 08:37 Uhr

Leider haben Sie Recht. Es müssen Gesetze her die solche Technologietransfers rigaros verbieten - unter Androhung von langen Haftstrafen, Entzug der Staatsbürgerschaft und Anklage wegen Spionage. In 20 Jahren haben wir den Salat und unsere eigenen Autoindustrie liegt darnieder wegen so ein paar Vaterlandsverrätern die ihr gesamtes IN DEUTSCHLAND AUF KOSTEN DES STEUERZAHLERS erworbenes und erlerntes Wissen ins Ausland transferiert haben.

Auch war es ein Fehler wie man heute sehen kann, das viele große Dax Konzerne immer mehr Wert legten auf Englisch als Umgangsprache. Im Zeitalter des Hacking macht sowas die Wirtschaftsspionage natürlich leichter. In deutschen Betrieben sollte nur Deutsch gesprochen werden. Die Chinesen sind wesentlich sicherer vor Hackingangriffen da e Angreifer einfach deutlich schwerer haben wenn alles auf Chinesisch steht. Dagegen ist englisch ein KInderspiel, selbst jeder indische Wanderarbeiter spricht englisch. Solche Entscheidungen würden Spionage und Technologietransfers nicht gänzlich verhindern können, aber zumindest könnten Sie selbige behindern und erschweren.

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