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22.04.2012

22:01 Uhr

Wen Jiabao auf Messe

China will Protektionismus „entschieden bekämpfen“

In Hannover hat Chinas Regierungschef Wen Jiabao zusammen mit Bundeskanzlerin Merkel die größte Industriemesse der Welt eröffnet. Wen versprach, dass sich sein Land in Zukunft weiter für ausländische Firmen öffnen werde.

Merkel und Wen eröffnen Hannover Messe

Video: Merkel und Wen eröffnen Hannover Messe

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HannoverBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Chinas Regierungschef Wen Jiabao haben am Sonntag die Hannover Messe 2012 eröffnet, deren Partnerland China ist. Wen hat sich dabei ausdrücklich zu einer weiteren wirtschaftlichen Öffnung seines Landes bekannt. „Ich möchte noch einmal bekräftigen, dass China kompromisslos an der Öffnung nach außen als grundlegender Staatspolitik festhält“, sagte Wen. Er sagte zu, dass die chinesische Regierung für ausländische Unternehmen den Marktzugang weiter erleichtern und das geistige Eigentum stärker schützen wolle. „Wir werden Protektionismus entschieden bekämpfen“, so der Regierungschef.

In China sollen alle „legal registrierten“ Unternehmen bei der Anerkennung von Patenten und öffentlichen Ausschreibungen gleich behandelt werden. Auch deutsche Firmen hatten immer wieder über Diskriminierung in China geklagt.

Wen pries zudem die wirtschaftliche Aufholjagd seines Landes. „Von den 500 wichtigsten Industriegütern stehen wir bei über 220 weltweit ganz vorne.“ Dennoch sei die Entwicklung des Landes nicht beendet, weil viele chinesische Produkte immer noch „für unteres Mittelfeld in der internationalen Industriekette“ stünden. Es gehe jetzt um einen Übergang von „made in China“ zu „created in China“.

Merkel sagte anschließend, China und Deutschland eine „das klare Bekenntnis zum Industrieland“. China habe durch sein starkes Wachstum „einen riesigen Beitrag geleistet“ zur Überwindung der Krise. „Wir tragen gemeinsam Verantwortung“, sagte Merkel. Die Kanzlerin verwies auf die inzwischen „sehr viel engere Zusammenarbeit“ mit dem bevölkerungsreichsten Land der Erde: „Wir haben die Partnerschaft auf ein strategisches Niveau angehoben.“ China habe durch die Ankurbelung der Binnenwirtschaft einen großen Beitrag dazu geleistet, dass Deutschland einigermaßen schnell aus Wirtschaftskrise gekommen sei, sagte Merkel.

Auch Wenn hob die Vorteile einer engen Kooperation der beiden Industrienationen hervor. Wenn China und Deutschland als die beiden wichtigsten Produktionsnationen der Welt enger zusammenarbeiteten, „werden wir sicher eine noch wichtigere Rolle bei Innovation und Entwicklung der weltweiten Industrie spielen“, sagte Wen.

China und EU handeln jeden Tag für mehr als eine Milliarde Euro

Gegenseitige Abhängigkeit

China und Europa sind voneinander abhängig. Das Reich der Mitte wird in diesem Jahr zum größten Exportmarkt der Europäer aufsteigen und damit die USA überholen. Umgekehrt ist die Europäische Union der größte Abnehmer chinesischer Ausfuhren. Beide Seiten handeln jeden Tag mit Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro.

Ausfuhren gestiegen

Nach einem Zuwachs von 37 Prozent 2010 stiegen die europäischen Ausfuhren nach China im vergangenen Jahr von Januar bis November um 21 Prozent auf 124 Milliarden Euro. Deutschland hat mit deutlichem Abstand und knapp der Hälfte der EU-Ausfuhren nach China den größten Anteil daran, gefolgt von Frankreich und Großbritannien. 60 Prozent der EU-Ausfuhren waren Maschinen und Fahrzeuge.

Während die 27 EU-Länder im Jahr 2010 rund 19,8 Millionen Autos produzierten, waren es in China nicht viel weniger: rund 18,3 Fahrzeuge.

Weltgrößte Devisenreserven

Die Importe aus China kletterten nach einem Anstieg von 31 Prozent 2010 im vergangenen Jahr bis November um weitere fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 244 Milliarden Euro. Seit Jahren gibt es ein großes europäisches Defizit im Handel mit China, das 2010 noch bei 168 Milliarden Euro lag. Aus diesem Überschuss sammelt China die Euros in seinen weltgrößten Devisenreserven im Wert von insgesamt 3,18 Billionen US-Dollar an. Rund ein Viertel sollen Euros sein.

Negative Leistungsbilanz

Während die Leistungsbilanz der 27 EU-Länder im vergangenen Jahr bei minus 24 Milliarden Euro lag, konnte China einen deutlich positiven Saldo von 258 Milliarden Euro verbuchen. Auch das BIP der Chinesen war 2011 mit 12.900 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie das BIP der EU (5100 Milliarden Euro).

Schlechter Marktzugang

Die Wirtschaftskooperation zwischen Europa und China ist rasant gewachsen. Doch beklagen europäische Unternehmen in China schlechten Marktzugang, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, mangelnde Transparenz und Rechtsunsicherheiten.

Urheberrechte verletzt

Schlechter Schutz des geistigen Eigentums ist unverändert ein großes Problem. Sieben von zehn in China tätigen europäischen Unternehmen wurden nach eigenen Angaben schon Opfer von Urheberrechtsverletzungen mit teils erheblichen Verlusten. Mehr als die Hälfte aller Raubkopien, die der Zoll in Europa sicherstellt, stammt aus China.

Zögerliche Investitionen

Die 27 EU-Staaten zählen mit 7,1 Milliarden Euro 2010 zu den fünf wichtigsten Investoren in China - neben Taiwan, Hongkong, USA und Japan. Rund 20 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in China stammen aus Europa. China investiert aber nur sehr zögerlich in Europa. Zwar stiegen die chinesischen Investitionen 2010 von 0,3 auf 0,9 Milliarden Euro, doch stammen nur 1,7 Prozent aller ausländischen Investitionen in Europa aus China.

Die Bundeskanzlerin bekannte sich zudem ausdrücklich zu einer deutschen Verantwortung, nicht nur Schulden abzubauen, sondern auch für Wachstum zu sorgen. „International erwartet man, dass Deutschland einen Beitrag zum Wachstum leistet“, sagte Merkel. Sparen und die Ankurbelung des Wachstums seien „zwei Säulen für das Portal zu einer guten zukunftsfähigen Entwicklung. Merkel sprach von einem „Balanceakt“, den Deutschland zu leisten habe. Die Regierung müsse das richtige Maß zwischen Sparen und Wirtschaftsankurbelung finden. „Beides muss uns gelingen, denn auf Deutschland ruht auch Verantwortung für eine vernünftige weltwirtschaftliche Entwicklung.“

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