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12.03.2004

16:27 Uhr

Wende im Übernahmekampf

Novartis prüft Fusion mit Aventis

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis prüft eine Fusion mit dem deutsch-französischen Konkurrenten Aventis. Dies hat der Konzern nach eigenen Angaben vom Freitag auf Anfrage der französischen Börsenaufsicht AMF erklärt.

HB ZÜRICH. Laut Londoner Finanzkreisen hat Norvartis wegen der Finanzierung auch schon bei Banken vorgefühlt. Ein solcher Schulterschluss, der wohl finanziell attraktiv wäre, würde nach Ansicht von Analysten aber auch Risiken in sich bergen.

Novartis teilte am Freitag mit, „eine Kombination mit Aventis“ werde derzeit geprüft. Die überraschende Nachricht, mit der Novartis nach eigenen Angaben einer Forderung der französischen Marktaufsicht AMF nachkam, bringt den Basler näher an die Rolle eines „Weisser Ritters“ im Übernahmekampf zwischen Aventis und der ebenfalls französischen Sanofi-Synthelabo heran. Novartis und Aventis würden hinter Pfizer den zweitgrössten Pharmakonzern der Welt bilden.

In Londoner Finanzkreisen hiess es am Freitag zudem, Novartis führe mit verschiedenen Banken Gespräche über Kredite für eine Aventis-Übernahme. Die Gespräche seien noch in einem frühen Stadium. Angesichts eines „Triple-A“-Kreditratings sollte Novartis aber keine Probleme haben, eine Finanzierung zusammenzubringen.

Bei Novartis hatte es in der Aventis-Frage bisher immer geheissen, man wolle sich alle Optionen offen halten. Einen Übernahmeversuch gegen den Willen von Aventis hatte Novartis-Chef Daniel Vasella kürzlich ausgeschlossen. Er liess aber erkennen, dass Novartis die Frage genau prüfe. Und er liess offen, was Novartis tun würde, falls dem Konzern aus der neutralen Schweiz die Rolle des „Weissen Ritter“ angetragen würde.

Börsenkreise gingen davon aus, dass Novartis für jede Aventis-Aktie 0,9 eigene Titel zuzüglich einer Barzahlung von 35 Euro anbieten könnte. Der Übernahmepreis von etwa 67 Euro läge höher als die derzeit 58,25 Euro, die Sanofi-Synthelabo in ihrem ebenfalls aus eigenen Aktien und einer Barkomponente bestehenden Offerte geboten hat.

Laut der Brokergesellschaft Keppler Equities könnte Novartis durch eine Aventis-Übernahme jährlich 3,2 Milliarden Euro einsparen, da sich die Geschäftsfelder der beiden sowohl in USA als auch in Europa überschneiden. Das ist doppelt so viel wie eine Übernahme des Konzerns durch Sanofi bringen würde. Entsprechend kann Novartis auch mehr zahlen. Eine ähnliche Rechnung machte kürzlich die Schweizer Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch.

Doch jenseits der rein finanziellen Gesichtspunkte muss Vasella aber auch weitere Faktoren wie etwa die politische Komponente in Betracht ziehen. Die französische Regierung möchte aus Aventis und Sanofi einen schlagkräftigen und vor allem französischen Pharmakonzern schmieden. Ferner müsste Novartis wohl auch Pläne für eine Übernahme in den USA, dem ertragsstärksten Pharmamarkt der Welt, auf Eis legen. Auch ein von Vasella im wieder ins Spiel gebrachter Schulterschluss mit Roche wäre vorderhand kaum mehr zu bewältigen.

Synergien würden eine Kombination von Aventis und Novartis dagegen auch bei einer Reihe von Herz- und Krebsmedikamenten und im Impfstoffbereich bringen. Mit gravierenden Einwände der Wettbewerbshüter ist Analysten zufolge ebenfalls nicht zu rechnen.

An der Börse notierten die Novartis-Aktien gegen 15:40 Uhr 0,6 Prozent niedriger bei 53,95 sfr, nachdem sie zunächst bis auf 52,55 sfr gesunken waren. Aventis, die zunächst nur leicht fester eröffnet hatten, zogen auf 64,50 Euro an und notierten damit 3,3 Prozent höher als am Vortag.

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