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13.07.2012

10:41 Uhr

„Wende nicht möglich“

Opel-Chef Stracke scheiterte an miesen Absatzzahlen

Der Kapitän muss in höchster Seenot von Bord: Karl-Friedrich Stracke ist nicht mehr Opel-Chef. Grund waren offenbar die schlimmen Absatzzahlen im ersten Halbjahr. Das Chaos bei Opel ist perfekt.

Opel-Chef tritt überraschend zurück

Video: Opel-Chef tritt überraschend zurück

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Frankfurt/Rüsselsheim/BerlinDie Gerüchte verdichten sich, dass der bisheriger Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke wegen der schlechten Absatzzahlen im ersten Halbjahr zurücktreten musste. Der Verkauf des Autoherstellers ist laut einem Medienbericht seit Jahresbeginn massiv zurückgegangen. Wie die "Bild-Zeitung" unter Berufung auf Firmenkreise berichtet, sank der Absatz im ersten Halbjahr 2012 um rund acht Prozent.

Ein Grund sei die Krise in Südeuropa, die zu deutlichen Verkaufseinbußen geführt habe. Das Management der Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) habe auch angesichts dieser Zahlen nicht mehr daran geglaubt, mit Karl-Friedrich Stracke an der Opel-Spitze die Wende zu schaffen, zitierte die Zeitung mit den Vorgängen vertraute Personen.

Der Opel-Chef war gestern überraschend von seiner Position als Opel-Vorstandsvorsitzender und Präsident von General Motors Europe zurückgetreten. Das teilte die Adam Opel AG am Donnerstag ohne Angabe von Gründen mit. Das Führungschaos bei Opel ist damit perfekt.

„Ich verlasse diese Position im Wissen, dass Opel/Vauxhall in eine gute Zukunft steuert - und freue mich, für GM andere Aufgaben zu übernehmen“, wurde Stracke in einer knappen Mitteilung des Unternehmens zitiert. GM-Vize Stephen Girsky, der auch dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt, wird die Geschäfte von GM in Europa kommissarisch leiten. Girsky ist der fünfte Manager innerhalb der vergangenen zehn Jahre, der Opel führt.

Gründe für den überraschenden Chefwechsel nannte das Unternehmen nicht. Stracke (56), der auch den Posten als Präsident von GM Europe abgab, werde Sonderaufgaben für den Autokonzern übernehmen. Worum es dabei genau geht, blieb offen. Stracke soll künftig direkt an GM-Chef Dan Akerson berichten. Stracke war erst im Januar 2012 zum Präsidenten des GM-Europageschäfts ernannt worden.

„Die Arbeitnehmervertreter erwarten nun, dass schnellstmöglich ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, der die Adam Opel AG führt“, ließ Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mitteilen. Opel-Strategiechef Thomas Sedran hat laut der „Allgemeinen Zeitung Mainz“ die besten Chancen, neuer Vorstandsvorsitzender zu werden. Der 47-Jährige werde vom GM-Management geschätzt, hieß es laut Zeitung in Unternehmenskreisen. Der Manager ist im Opel-Vorstand derzeit für den Bereich Strategie zuständig.

Der stellvertretende Ministerpräsident von Hessen, der Justiz- und Europaminister des Landes Jörg-Uwe Hahn, reagierte auf den überraschenden Rücktritt mit scharfer Kritik an GM. „GM verzockt gerade das Vertrauen seiner Mitarbeiter, der Verbraucher und das Vertrauen der Politik“, sagte der FDP-Landeschef Handelsblatt Online. Er erhoffe sich nun „ein Ende der Zick-Zack-Taktik für Opel“ und endlich eine nachhaltige Unternehmensstrategie. „Diese zu entwickeln und das Unternehmen langfristig zu sichern, ist jetzt die wichtigste Aufgabe eines neuen Opel-Chefs.“

Das jahrelange Ringen von Opel

2001

Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten „Restrukturierungsprogramm Olympia“ die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.

2004

GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.

2005

Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen „Zukunftsvertrag“, der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.

2008

Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.

2009

Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.

2010

Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.

2011

Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.

2012

Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro. Das Europageschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.

Mit Blick auf den Rücktritt des Opel-Chefs sagte Hahn weiter, mit oder ohne Stracke sei allen klar gewesen, dass vor Opel schwere Zeiten stünden. „Ich mache dafür vor allem das amerikanische Management verantwortlich“, sagte der FDP-Politiker. Opel habe eine Chance verdient. „Die hessische Landesregierung erwartet, dass die Zusagen von Herrn Stracke gegenüber den Opelanern eingehalten werden.“

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet nun mit harten Einschnitten: "Jetzt kommt die knallharte Sanierung. Mitarbeiter werden rausgeschmissen, Werke geschlossen", sagte er. Sogar der komplette Rückzug aus Europa sei denkbar.

Ebenfalls unter Berufung auf Firmenkreise berichtet die "Bild-Zeitung" unterdessen von zwei Favoriten. Danach gelte neben Thomas Sedran auch der amtierende Opel-Produktionsvorstand Peter Thom als Kandidat für den Chefsessel. Über die Nachfolge könnte bereits zügig entscheiden werden.

Mit Girskys Benennung zum Präsidenten von GM Europe zeige der Autoriese laut Betriebsrat Schäfer-Klug, „dass das Europageschäft ein Eckpfeiler des Konzerns ist“. Es gelte nun, den Sanierungskurs bei Opel „im gegenseitigen Vertrauen fortzusetzen“, erklärte Schäfer-Klug.

Opels Chefkarussel schadet allen

Video: Opels Chefkarussel schadet allen

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Kommentare (7)

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kaufboykott

13.07.2012, 07:12 Uhr

warum sollte denn ein verbraucher ein langlebiges konsumgut kaufen,dessen herstellerdasein vom der eigenen mutterfirma in frage gestellt wird

anfängerfehler.

wahrscheinlich gewünscht

Blitzdieb

13.07.2012, 07:19 Uhr

Endlich eine Person mit Führungskraft!
An die Spitze von Opel muss eine starke Persönlichkeit, die die Produkte endlich entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit positioniert. Die technischen Innovationen und wirklich tollen Fahrzeuge müssen aus dem Schatten der schlechten Nachrichten herausfahren. GM muss endlich Zugeständnisse machen und die Märkte für Opel öffnen! Für die Zukunft muss es eine Führung geben, die Farbe bekennt. Herr Stracke war leider sehr bleich...

Account gelöscht!

13.07.2012, 07:50 Uhr

Träumen Sie weiter. GM subvensioniert seit über einem Jahrzehnt Arbeitsplätze in Europa. Vielleicht geht es auch noch 10 Jahre so weiter,via Kooperation PSA kann GM auch noch das Ingenieur-knowhow ersetzen. Schlimmstenfalls ist Produktion sowie Forschung und Entwicklung in Europa obsolet. Das wollen wir mal nicht hoffen, aber die Gewerkschaften werden mal wieder alles unternehmen, dammit Opel weiterhin schlechte Presse hat. Das ist doch nichts Neues und wer will den Geld ausgeben für ein Fahrzeug mit so einem sozialistischen Image, was nur Dank Gewerkschaften und US-Subventionierung vom Band läuft? (Klar die gibt es, aber mit diesen Kunden verdient Opel wieder kein Geld.)

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