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21.03.2013

09:42 Uhr

Wenig Kautschuknachfrage

Lanxess leidet unter der Autokrise

Wenn die Autobranche kränkelt, tut das auch Lanxess weh: Der Chemiekonzern rechnet im ersten Quartal mit einem schwachen Ergebnis. Trotzdem dürfen Aktionäre auf eine satte Dividende hoffen.

Hoffen auf das zweite Halbjahr: Lanxess hofft, dass die Nachfrage dann wieder anzieht. dpa

Hoffen auf das zweite Halbjahr: Lanxess hofft, dass die Nachfrage dann wieder anzieht.

DüsseldorfDie anhaltende Autokrise in Europa zehrt am Gewinn des Chemiekonzerns Lanxess. Wegen der geringen Nachfrage aus der Reifen- und Automobilindustrie dürfte sich der operative Gewinn praktisch halbieren und bei 160 bis 180 Millionen Euro liegen, teilte der Dax-Konzern überraschend am Donnerstag mit. Anleger zeigten sich von dem Ausblick enttäuscht, der Kurs brach um rund sieben Prozent ein.

Seine Aktionäre will der Konzern trotz der harten Zeiten dennoch belohnen. Ihnen stellte Unternehmenschef Axel Heitmann in Aussicht, die Dividende für 2012 um 18 Prozent auf 1,00 Euro je Aktie aufzustocken. Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, der in Reifen und Dichtungen verwendet wird. Aktuell machen die Geschäfte mit der Reifen- und Autoindustrie etwa 40 Prozent des gesamten Konzernumsatzes aus.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

„2013 wird uns das Leben nicht leichter machen. Eine grundlegende Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds ist bislang noch nicht festzustellen“, sagte Heitmann. Das schwache erste Quartal dämpft auch die Erwartungen für das Gesamtjahr. Die Rheinländer rechnen derzeit nicht damit, 2013 beim bereinigten operativen Gewinn an den Vorjahreswert von 1,2 Milliarden Euro heranzukommen. Heitmann kündigte an, dass Lanxess stark auf seine Kosten achten und seine Anlagen eng auf die Entwicklung der Nachfrage ausrichten werde.

Bei vielen Unternehmen hat die Talfahrt der europäischen Automärkte ihre Spuren hinterlassen. Der Reifenhersteller Continental stellte für das erste Quartal einen Umsatzrückgang von bis zu drei Prozent in Aussicht. Der auf Dichtungen, Hitzeschilde und Kunststoffteile spezialisierte Autozulieferer Elring-Klinger verfehlte sein Gewinnziel 2012 deutlich und schockte die Börse unlängst mit einer unerwartet schwachen Geschäftsprognose. Lanxess hatte bereits angekündigt, wegen der flauen Nachfrage seine Anlage für Butyl-Kautschuk in Belgien sowie seine Produktion von EPDM-Kautschuk in Texas zeitweise herunterzufahren.

China und Brasilien: Lanxess nimmt neue Märkte ins Visier

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Die Konjunkturaussichten in Europa sind trübe – deswegen sucht Lanxess neue Märkte. Der Spezialchemiekonzern will etwa nach Asien expandieren. Der Standort Deutschland soll darunter aber nicht leiden.

Ganz schwarz will Lanxess-Chef Heitmann aber nicht sehen. „Die Zeiten mögen im Moment stürmisch sein“, sagte der Konzernlenker. Mit der Ausrichtung auf die Schwellenländer sowie auf große globale Trends sei der Konzern aber unverändert optimistisch. So gehe das Unternehmen davon aus, dass die Nachfrage im zweiten Halbjahr wieder anziehe. Auch an seinen mittelfristigen Ergebniszielen hielt der Konzern fest: 2014 soll das bereinigte Ebitda bei 1,4 Milliarden Euro liegen und dann 2018 auf 1,8 Milliarden Euro zulegen.

Für das laufende Jahr stellte Lanxess zudem Investitionen von 650 bis 700 Millionen Euro in Aussicht. Seine Forschungs- und Entwicklungsausgaben will das Unternehmen ausgehend von den 192 Millionen Euro des Vorjahres um gut zehn Prozent erhöhen. Für den geplante Umzug der Konzernzentrale von Leverkusen nach Köln gab das Unternehmen nun einen konkreten Termin an. Am 3. September soll die neue Zentrale am Rhein-Ufer eingeweiht werden. Dann wird sich das Unternehmen, das Anfang 2005 vom Bayer-Konzern abgespalten wurde, auch beim Sitz der Firmenzentrale von seinem ehemaligen Mutterkonzern ganz abgenabelt haben.

Von

rtr

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