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02.08.2012

18:02 Uhr

Wenig Neuzulassungen

Krise erfasst deutschen Automarkt

So wenig Neuzulassungen gab es nur im Jahr nach der Abwrackprämie: Der Autoabsatz in Deutschland brach im Juli ein. Als Rettung erwies sich zwar das Geschäft in den USA. Doch auch dort werden die Aussichten trüber.

So wenig Neuzulassungen wie im Juli gab es nur im Jahr nach der Abwrackprämie. dpa

So wenig Neuzulassungen wie im Juli gab es nur im Jahr nach der Abwrackprämie.

FrankfurtDeutschlands Autokäufer werden vorsichtiger und zögern angesichts der Krisenstimmung in Europa die Anschaffung neuer Fahrzeuge hinaus. Der lange Zeit robuste deutsche Automarkt ging daher im vergangenen Monat auf Talfahrt: Die Neuzulassungen schrumpften um knapp fünf Prozent auf knapp 248.000 Autos, wie das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg am Donnerstag mitteilte. Weniger Neuwagen verkauften vor allem die deutschen Oberklasse-Hersteller BMW und Mercedes-Benz. Importmarken wie Kia und Hyundai sowie Renault und deren Tochter Dacia verkauften hingegen mehr. Marktführer VW kam mit Einbußen von 1,5 Prozent glimpflich davon, um die verlustreiche Marke Opel machten die Käufer einen großen Bogen: Der Markanteil der Rüsselsheimer schrumpfte weiter auf 6,8 Prozent, VW kam auf 23,6 Prozent.
Die deutschen Oberklasse-Hersteller und VW können die Verkaufseinbußen auf Europas größtem Absatzmarkt jedoch locker ausbügeln, denn um ihre Autos reißen sich unter anderem die Amerikaner: Im Juli wurden jenseits des Atlantiks mit 101.000 Fahrzeugen 15 Prozent mehr Autos "Made in Germany" ausgeliefert. Der Export der deutschen Autoindustrie brummt, der Bestelleingang aus dem Ausland wächst. Daher rollten in den deutschen Autofabriken im Juli mit 457.700 Pkw fünf Prozent mehr Fahrzeuge von den Bändern. Weltweit steigt die Auto-Nachfrage, vor allem in Asien. Davon profitieren die deutschen Hersteller: Drei von vier Neuwagen gehen ins Ausland.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.


Bei den Autohändlern zwischen Flensburg und Alpen mehren sich hingegen die Sorgenfalten. "Es mehren sich die Anzeichen, dass insbesondere die privaten Käufer angesichts der Unsicherheit in Westeuropa zurückhaltender werden", sagte der Chef des Herstellerverbands VDA, Matthias Wissmann. Deutschland drohe seine Rolle als Stabilitätsanker in Europa zu verlieren.
Rings um Deutschland haben die Autokäufer wegen der Staatsschuldenkrise und der unsicheren Konjunktur bereits auf die Bremse getreten: In Europa wurden so wenig Neuwagen verkauft wie zuletzt 1994. In Spanien gab es in den vergangenen zwei Jahren nur einen Monat ohne Rückgang der Zulassungszahlen. Im Juli schrumpften sie angesichts der hohen Arbeitslosigkeit dort erneut um 17 Prozent, in Frankreich um sieben und in Italien um 21 Prozent - und das trotz rekordverdächtiger Preisnachlässe.

Kommentare (5)

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Privatier

02.08.2012, 19:17 Uhr

Welcher Privatmann kauft sich ein Luxusauto, bei dem er in drei Jahren über 50% Wertverlust hat, i.d.R sind das dann Summen >30000.- Euro.
Dafür gibt's zwei Kleinwagen.
Das ganze zahlt er dann aus seinem versteuerten Nettogehalt.
Die Folge ist, dass der Private sein Kfz wesentlich länger fährt.


Account gelöscht!

02.08.2012, 19:40 Uhr

Panzer scheinen im Moment beliebter als PKWs zu sein.

Vielleicht sollten sich die Hersteller überlegen ob dies nicht auch ein Markt für den privaten Bereich ist. Das Leben ist gefährlich geworden.

black

02.08.2012, 20:49 Uhr

Das sind höchstens die Deppen die sich für 249,- Euro im Monat ein Auto der oberen Mittelklasse anschaffen und sich wundern das nach drei Vertragsjahren die Karre nicht einmal zur Hälfte bezahlt ist. Wer rechnen kann ist klar im Vorteil.

Wenn man sich die Mühe macht die Finanzierungsangebote mal zu rechnen (auch das kleingedruckte); stellt fest: die Offerten sind doch eine Frechheit. Das fängt bei Vertragsbearbeitungskosten von stellenweise 450-600 Euro an, hört bei manchmal 800 - 1000 Euro Überführugskosten (geiles Wort ) auf und endet letztendlich damit, das man: ach ja...ds Auto von der Autobank ja nur mietet.

Der Rattenschwanz wird darin enden das auch der asiatische Markt irgendwann zugemacht wird ( Verkehrs- und Smogbelastung steigen und steigen; da steht man auch nur noch im Stau ); die margenträchtigen Fahrzeuge in Europa kaum noch zu bezahlen sind ( für Otto Normalo jedenfalls ) und somit die "Mietleasingrücklaufquoten" so hoch werden, das die Fahrzeuge später zum pflastern genommen werden können.

Hinzu kommt, das sich der "Status" Auto eher nach unten bewegt hat. Wenn ich in die Tiefgarage unseres Bürogebäudes schaue: wo früher BMW und Audi, steht heute Citroen und Skoda.

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