Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.05.2014

09:41 Uhr

Weniger Aufträge und Gewinn

Alstom streicht Aktionären die Dividende

Keine gute Zahlen im Übernahmekampf: Der Gewinn des umworbenen Industrieriesens Alstom geht im abgelaufenen Geschäftsjahr um mehr als ein Viertel zurück. Die Franzosen haben zu viele Großprojekte verschoben.

Der Poker um Alstom wird immer mehr zur Nervenschlacht: Die EU-Kommission könnte einen möglichen Deal mit Siemens wohl verzögern. Reuters

Der Poker um Alstom wird immer mehr zur Nervenschlacht: Die EU-Kommission könnte einen möglichen Deal mit Siemens wohl verzögern.

ParisMitten im Streit über die Zukunft seiner Energiesparte streicht der angeschlagene französische Industriekonzern Alstom den Aktionären die Dividende. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fiel der Auftragseingang zudem um zehn Prozent, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Zugleich musste der Konzern einen Abfluss von Barmitteln im Volumen von 171 Millionen Euro verkraften.

Der US-Konkurrent General Electric will Alstoms Energiesparte für zehn Milliarden Euro kaufen. An der Tochter, die etwa Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke sowie Windanlagen baut, ist aber auch Siemens interessiert. Der deutsche Erzrivale will im Falle einer Übernahme die Bahnsparten der beiden Unternehmen zusammenlegen, so dass ICE- und TGV-Züge aus einer Hand kämen. Während Alstom das Energiegeschäft an GE verkaufen will, hält die französische Regierung das Angebot für nicht ausreichend.

Bei der Vorlage der Zahlen gab das Management keinen neuen Zwischenstand zu den Fusionsverhandlungen. Während die Bestellungen abgelaufenen Geschäftsjahr (per 31. März) zurückgingen, lagen andere Kennzahlen über den Erwartungen der Analysten: Der Umsatz blieb mit 20,3 Milliarden Euro stabil. Der Betriebsgewinn sank um drei Prozent auf 1,42 Milliarden Euro. Aufs Jahr gerechnet flossen zwar Barmittel von 171 Millionen Euro ab. In der zweiten Hälfte jedoch verbesserte sich der Cashflow.

Die Übernahmeschlacht um Alstom

Harter Kampf

In nur wenigen Tagen hat sich um den französischen Industriekonzern Alstom ein Übernahmekampf zwischen den Rivalen Siemens und General Electric entwickelt. Beide Konzerne wollen sich das Energiegeschäft der Franzosen einverleiben. Die Entwicklung der Ereignisse.

Erste Gerüchte

Am 24. April wird durch einen Medienbericht bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Die Rede ist von einem Angebot von mehr als 13 Milliarden Dollar. Alstom weist den Bericht zurück.

Regierung reagiert

Die Übernahmegerüchte rufen die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf des Industriekonzerns in die USA mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung arbeite an „anderen Lösungen und Szenarien“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg der Zeitung „Le Monde“.

Siemens zeigt Interesse

Siemens greift in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert, erklärt das deutsche Unternehmen am 27. April. Es soll vorgeschlagen haben, Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen an Alstom abzugeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

Der Präsident vermittelt

Frankreichs Staatspräsident François Hollande schaltet sich am 28. April in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE, Jeff Immelt und Joe Kaeser, über die Pläne. Siemens will schnell über eine mögliche Offerte für Alstom entscheiden.

Siemens bietet mit

Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung kündigt Siemens am 29. April ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Medienberichten zufolge will der Alstom-Verwaltungsrat allerdings General Electric bevorzugt behandeln.

Vorentscheidung für GE

Der Verwaltungsrat von Alstom empfiehlt den Aktionären am 30. April eine bindende Offerte des US-Konkurrenten General Electric (GE). Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Damit sinken die Chancen für Siemens, bei den Franzosen zum Zuge zu kommen.

Alstom war vor zehn Jahren vom französischen Staat vor dem Zusammenbruch gerettet worden und kämpft nun gegen hohe Schulden, Konkurrenzdruck und eine schwächelnde Nachfrage in der Energiebranche. Nach Vorstellungen des Managements soll Alstom die Energietochter, die 70 Prozent zum Umsatz beiträgt, an GE verkaufen und sich auf den Bau von Hochgeschwindigkeits- und Regionalzügen sowie Bahnsignaltechnik konzentrieren. Die Gewinnmarge in der Transportsparte stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr auch dank Sparmaßnahmen auf 5,6 zuvor 5,4 Prozent.

Ein Kauf der Energiesparte durch GE wäre die größte Übernahme einer französischen Firma durch ein US-Unternehmen. Dem sozialistischen Präsidenten Francois Hollande geht es in dem Streit vor allem darum, angesichts einer Arbeitslosenquote von etwa zehn Prozent Fabriken und Arbeitsplätze in Frankreich zu erhalten.

Die Alstom-Führung hat sich zwar für das GE-Angebot ausgesprochen, Siemens aber nicht die Tür zugeschlagen. Es liege an den Münchnern, ein verbindliches Angebot vorzulegen, sagte Konzernchef Patrick Kron am Mittwoch. Man werde einen fairen Zugang zu den Büchern gewähren.

Siemens will sich mit der Prüfung nach eigenem Bekunden Zeit lassen. Die beiden Konzerne waren bislang erbitterte Rivalen. Siemens hatte schon vor zehn Jahren Interesse an Alstom, aber Kron und der damalige Finanzminister Nicolas Sarkozy lehnten ab.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.05.2014, 09:57 Uhr

Alstom: Bitte GE, übernehmt den Laden, ihr habt doch so viel Geld das ihr vor dem amerikanischen Fiskus retten wollt. Bei Alstom verbergen sich wahrscheinlich noch so viele Probleme unter der Bettdecke, da habt ihr mehrere Jahre dran zu kauen. Und das bei einem voll in die Krise rasendes Land. Viel Spaß mit Hollande, Vals und Montebourg. Nur Dumme greifen in ein fallendes Messer.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×