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12.09.2011

19:37 Uhr

Weniger CD-Hüllen

Digitalisierung schadet Bayers Plastik-Sparte

VonChristian Müßgens

CD's und DVD's werden im Zeitalter schnellster Internetleitungen immer seltener. Das bekommt auch die Plastik-Sparte von Bayer zu spüren. Die Zulieferung für Hüllen war ein sicheres Geschäft, das nun wegbricht.

DVD-Hüllen von amerikanischen Filmen. ap

DVD-Hüllen von amerikanischen Filmen.

DüsseldorfPatrick Thomas hat ein neues, griffiges Mengenmaß: Harry-Potter-DVDs. Damit misst der Chef von Bayer Material Science, der Kunststoffsparte des deutschen Chemiekonzerns aus Leverkusen, den Geschäftserfolg.

Thomas freut sich schon auf den Winter. Dann dürfte das Finale der siebenteiligen Saga um den Zauberlehrling aus Hogwarts auf DVD erscheinen. Die Filmindustrie wirft die Presswerke an, Datenträger werden beschichtet - und Thomas verbucht wieder einen Rekordabsatz.

Seine Sparte stellt Polycarbonat her, den Grundstoff für CDs, DVDs und Blu-rays. Und Bayer ist einer der führenden Hersteller weltweit. Wenn die Filmstudios entscheiden, dass ihre Produktionen lange genug im Kino waren und es an der Zeit ist, Videotheken und Handel zu beliefern, dann steigen bei Bayer die Aufträge. Ein Blockbuster wie Harry Potter bedeutet, dass 7 000 Tonnen Kunststoff zusätzlich produziert werden müssen.

Noch interessanter sind Musikproduktionen. Als Michael Jackson starb, trauerten auch bei Bayer viele Mitarbeiter. Doch der zusätzliche Bedarf von 20000 Tonnen Polycarbonat für Alben und Dokumentarfilme linderte ihren Schmerz. Das ist zweimal so viel, wie der Eiffelturm wiegt.

Die Freude über ein erfolgreiches Album und einen Blockbuster ist bei den Kunststoffproduzenten auch deshalb so groß, weil das Geschäft mit Plastik für Datenträger rückläufig ist. Hersteller von Rohlingen wie Memorex, Verbatim und TDK kämpfen mit einer sinkenden Nachfrage.

Für die Chemiebranche ist das bitter. Nahezu zwei Jahrzehnte gehörten die Hersteller von optischen Medien zu den zuverlässigsten Abnehmern von Polycarbonat. Während des Internetbooms um die Jahrtausendwende lag nahezu jeder Zeitschrift eine kostenlose CD bei. Konsumenten kauften Filme und Musik auf gepresstem Plastik. Zwischen 2001 und 2005 wuchs der Bedarf an Kunststoff für optische Medien um zehn Prozent im Jahr.
Hersteller suchen neue Abnehmer.

Damit ist es vorbei. Das Internet löst den nächsten Umbruch aus: MP3s und Videos aus dem Netz brauchen keine Plastikscheiben. Nach Zahlen der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik brach der Absatz von Rohlingen des Typs CD-R in den vergangenen fünf Jahren allein in Deutschland um mehr als die Hälfte ein, von 480 Millionen Stück 2006 auf 220 Millionen im Jahr 2010.

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