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28.03.2012

16:42 Uhr

Werk Bochum in Gefahr

Wählt Opel!

VonTino Andresen, Dietmar Neuerer

ExklusivGeneral Motors entscheidet über die Zukunft des Opel-Werks in Bochum - und platzt damit mitten in den Wahlkampf. Die Manager wissen: Das ist eine günstige Phase für Staatshilfe. Eilige Politiker sind schon zur Stelle.

Opel-Mitarbeiter bangen um ihr Werk

Video: Opel-Mitarbeiter bangen um ihr Werk

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Düsseldorf/BerlinDer Bochumer Opel-Betriebsrat und die IG Metall in Nordrhein-Westfalen (NRW) haben die Konzernmutter General Motors (GM) vor der „teuersten Werksschließung aller Zeiten“ bei einem Aus für die Fabrik gewarnt. „Eine Schließung von Bochum werden wir niemals akzeptieren oder sozialverträglich gestalten“, heißt es in einer Erklärung von Betriebsratschef Reiner Einenkel und IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard. Sie verlangen den dauerhaften Erhalt des Werkes.

Doch für die Politik könnte die Drohung mit dem Aus schon vorher teuer werden. General Motors versucht ganz offensichtlich den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen zu nutzen, um staatliche Hilfen für seine Europa-Tochter herauszuholen. Auch wenn ein Opel-Sprecher Handelsblatt Online sagt: „Wir haben die Diskussion um Bochum nicht lanciert, und sie hilft uns nicht“, ist es mit Sicherheit kein Zufall, dass sie wieder hochkocht, seit die Neuwahlen in NRW Mitte Mai feststehen. In der Fabrik sind 3200 Mitarbeiter beschäftigt. Für ihre bevorstehende Schließung will im Wahlkampf keine Partei verantwortlich gemacht werden. Zumal die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet schätzt, dass 20.000 Arbeitsplätze im Kammerbezirk an dem Werk hängen, und ein IHK-Sprecher sagt: „Eine Schließung des Opel-Werks Bochum wäre für diese Region und die Menschen absolut katastrophal.“

Schon vor knapp zwei Jahren hatte GM beim Gerangel um Staatshilfe für Opel versucht, die Politik für seine Zwecke einzuspannen, Verkaufspläne für die Tochter an ein Konsortium, zu dem unter anderem der Autozulieferer Magna zählte, dann aber im letzten Moment gestoppt und Bundeskanzlerin Angela Merkel damit vor den Kopf gestoßen. Der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte den Konzern damals als das „hässliche Gesicht des Turbokapitalismus“ beschimpft.

Am vergangenen Freitag hatte das Handelsblatt interne Pläne veröffentlicht, wonach GM prüft, zwei Werke in Europa zu schließen, um seine Überkapazitäten abzubauen. Außer aus politischem Kalkül besteht mit Blick auf Bochum allerdings keinerlei Eile, denn bis Ende 2014 gilt eine Standortgarantie für das Werk. Um es auf den Stand moderner Produktionsstätten zu bringen, sind laut Konzernkreisen 200 Millionen Euro nötig.

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Elektrisch in die Zukunft - Opel Ampera

Autotest-Video: Elektrisch in die Zukunft - Opel Ampera

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Eine Vorentscheidung über Bochum wurde auf Opels heutiger Aufsichtsratssitzung erwartet. Werksschließungen standen dabei offiziell nicht auf der Tagesordnung. In einem Fünf-Jahres-Plan, über den abgestimmt werden sollte, ist aber von Reduzierungen der Fixkosten die Rede. Doch Arbeitnehmer und Vorstand bei Opel haben ihren Konflikt um Überkapazitäten und weitere Einsparungen am Mittwoch vertagt. Der Aufsichtsrat fasste keine Beschlüsse über die weitere Sanierung der chronisch defizitären GM-Tochter.

Kommentare (25)

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WPPJ

28.03.2012, 15:28 Uhr

Von wegen Wahlkampf.

Lesen Sie die Seiten 12-20 in der Ausgabe Automoitve News Europe Ausgabe 3/2012 Tick Tick Tick die Zeitbombe der europaeischen Automobilindustrie.

Opel Bochum wird geschlossen es ist nur eine Frage der Zeit.

Klare_Kante

28.03.2012, 15:53 Uhr

GM hat doch gerade angeblich 8 Mrd. Gewinn gemacht. Sollen die Bosse doch was nach Deutschland überweisen.
Keine Steuerzahlerknete für den größten Industriepleitegeier aller Zeiten.
Soll GM Opel doch verkaufen.

elly

28.03.2012, 16:11 Uhr

..kann ich mich auch gleich mal für eine Finanzspritze anmelden?????? Scheint ja in diesem Lande wohl nicht schwer zu sein!
Unglaublich, da machen die Unternehmen Gewinne, kassieren alles bzw. schütten aus und dann ist der Arbeiter und letztendlich der Steuerzahle der Zahlmeister!

All diese Drohszenarien aus der Finanz- und Wirtschaftswelt kann und will unsereiner nicht mehr hören!
Sind wir nicht der Souverän? Als solcher kann es nicht im Sinne von uns allen sein für alles und jeden gerade zu stehen!

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