Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2014

15:18 Uhr

Werk in Bochum

Opels Ausstiegspläne erzürnen die Belegschaft

Mit Buhrufen hat die Opel-Belegschaft in Bochum den Sozialtarifvertrag in Bochum quittiert. Das Werk soll geschlossen werden. Von den Mitarbeitern hagelt es Kritik - auch an den eigenen Gewerkschaftsvertretern.

Das Bochumer Opelwerk. Opel zahlt den Mitarbeitern 552 Millionen Euro unter anderem für Abfindungen und eine maximal dreijährige Jobbörse. dpa

Das Bochumer Opelwerk. Opel zahlt den Mitarbeitern 552 Millionen Euro unter anderem für Abfindungen und eine maximal dreijährige Jobbörse.

Dortmund/ BochumEisiges Schweigen im Saal und böse Worte auch über die eigene Gewerkschaft IG Metall hinterher vor der Tür - so haben viele der 3300 Opel-Mitarbeiter am Montag auf die Präsentation des Sozialtarifvertrages für die Werksschließung Ende 2014 reagiert. Nach der Einigung zahlt Opel 552 Millionen Euro unter anderem für Abfindungen und eine maximal dreijährige Jobbörse. Hinzu kommen 60 Millionen Euro für Ersatzarbeitsplätze. Demgegenüber werden 700 Stellen im Opel-Warenverteilzentrum in Bochum bis 2020 garantiert.

Opel-Personalvorstand Ulrich Schumacher sagte, er sei fest davon überzeugt, dass damit sozialverträgliche Lösungen gefunden seien. Der NRW-Chef der IG Metall, Knut Giesler, betonte, das Ergebnis liege deutlich über vergleichbaren Abschlüssen in der Industrie. Dennoch habe er natürlich Verständnis für die niedergeschlagene Stimmung bei der Versammlung. Viele Mitarbeiter hätten das Aus für Bochum erst mit der Sitzung wirklich realisiert. „Die Abfindungen reichen nicht lange - ich fühle mich von meiner IG Metall verraten“, sagte etwa Opel-Mitarbeiter Hans-Peter Buxinski. Der Sozialtarifvertrag soll bis Ende der Woche unterschrieben werden.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Nach Berechnungen der IG Metall erhält mit der Einigung jeder Mitarbeiter im Schnitt 125 000 Euro Abfindung. Hinzu kommen die Kosten für die Transfergesellschaft zur Weitervermittlung und Qualifizierung der Opelaner. Insgesamt lägen die Leistungen von Opel damit bei durchschnittlich 170 000 Euro pro Mitarbeiter und damit deutlich höher als bei der Schließung des Opel-Werkes in Antwerpen Ende 2010 (140 000 Euro), sagte Giesler der dpa.

Mitarbeiter machten eine andere Rechnung auf: „Selbst wenn man 150 000 cash ohne Abzüge kriegen würde, reicht das doch niemals bis zur Rente“, sagte Ziya Karaca (49) über die zu versteuernde Abfindung. „Das wird ein schwerer Schlag für die ganze Region.“ Das Bochumer Opelwerk baut vor allem den Familienvan Zafira. Die Produktion wechselt nach Rüsselsheim, was weitere Kosten verursacht.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×