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10.12.2012

12:52 Uhr

Werk in Bochum schließt

Turbulente Szenen bei Opel-Betriebsversammlung

Die Befürchtungen werden wahr: Opel stellt in seinem Bochumer Werk die Autoproduktion ein. Bis zu 3000 Stellen sind in Gefahr. Bei der Mitarbeiterversammlung ging es turbulent zu.

Das Aus für Bochum

Video: Das Aus für Bochum

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BochumDer defizitäre Hersteller Opel stoppt die Autoproduktion in Bochum. „2016 endet die Fertigung kompletter Fahrzeuge in Bochum“, sagte Opel-Interimschef Thomas Sedran am Montag. Damit reagiert der Autobauer auf hohe Verluste durch den Absatzeinbruch in Europa und baut teure Überkapazitäten ab.

In dem 50 Jahre alten Werk könnten bis zu 3000 Stellen wegfallen – eine genaue Zahl nannte Opel nicht. Das bedeute aber nicht das Aus für den Standort im Ruhrgebiet, betonte Sedran: „Opel bleibt auch zukünftig in Bochum präsent. Nicht nur mit dem Logistikzentrum, auch mit einer im Detail noch festzulegenden Komponentenfertigung.“

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Das Warenverteilzentrum mit derzeit 430 Mitarbeitern solle erhalten werden und möglicherweise künftig mehr Menschen beschäftigen: „Wir haben Ideen, wie wir es ausbauen können.“ In dem geplanten Komponentenwerk könnte nach dpa-Informationen zudem eine dreistellige Zahl von Jobs entstehen.

Zudem spricht Opel seit Juni mit Vertretern des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Bochum und den Arbeitnehmervertretern über alternative Nutzungen des Standortes. Betriebsbedingte Kündigungen will die Adam Opel AG auch über Jobangebote in anderen deutschen Werken oder attraktive Abfindungen vermeiden.

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Jedes neue Automodell ist für Opel fast wie ein Endspiel. Beim Zafira Tourer waren die Erwartungen besonders hoch. Aber auch der Kompakt-Van konnte das Werk in Bochum nicht retten. Eine Ausfahrt.

Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel gab sich nach der Versammlung kämpferisch: „Wir werden auch nach 2016 in Bochum Autos bauen. Dies ist unsere ganz klare Forderung.“ Die Menschen im Ruhrgebiet seien gewohnt zu kämpfen. Opel könne auf Bochum nicht verzichten.

Die Mitarbeiterversammlung verlief nach Angaben von Teilnehmern sehr turbulent. Ein IG Metall-Vertrauensmann wurde nach Darstellung des Betriebsrates von Security-Leuten zu Boden gestoßen. Er sei aber unverletzt geblieben.

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Die Opel-Markenwahrnehmung hat sich seit Sommer positiv verändert, der Absatz nicht.

Als Opel-Interimschef Thomas Sedran nach seiner kurzen Stellungnahme durch den Hintereingang den Saal verlassen wollte, habe der Vertrauensmann der IG Metall versucht, ihn zur Rede zu stellen, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Der Gewerkschafter sei vom Security-Personal zu Boden gestoßen und gewürgt worden. „Das war schon sehr entwürdigend“, sagte Einenkel. Abgesehen von diesem Zwischenfall sei die Versammlung aber friedlich verlaufen.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

General Motors macht seit mehr als zehn Jahren Milliardenverluste in Europa und muss die Produktionskapazität reduzieren. „Wir haben eine unternehmerische Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern in Bochum, aber natürlich auch gegenüber insgesamt mehr als 37 400 Menschen, die derzeit für uns arbeiten“, sagte Sedran. Bochum sei unterm Strich der unwirtschaftlichste Standort. Für die anderen Werke in Deutschland gebe es nach dem jetzigem Stand der Planung aber genug Arbeit.

Das Aus für die Fahrzeugproduktion im Bochumer Werk ist laut Autoexperte Willi Diez schon seit zwei Jahren absehbar gewesen. Opel habe massive Überkapazitäten, die Auslastung der Werke betrage angesichts des gesättigten europäischen Marktes nur etwa 70 Prozent, sagte der Leiter des Nürtinger Instituts für Automobilwirtschaft. „Dann war es so eine Art Auszählreim“, sagte Diez. Rüsselsheim sei der traditionelle Firmensitz von Opel und erst vor ein paar Jahren modernisiert worden. Eisenach sei ebenfalls ein modernes Werk. „Da bleibt nur noch Bochum.“

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

10.12.2012, 10:33 Uhr

Die gerechte Strafe für schlechte Qualität. Kein Mitleid.

mfg
Ein leidgeprüfter Opel Fahrer.

opel_fan

10.12.2012, 10:58 Uhr

eine Schande für GM, die das Geschäft nicht im Griff haben, eine Tragödie für die leidgeprüften Mitarbeitern
Wir haben ein Opel und sind Opel Fans, muss aber auch sagen, dass die Opel Werkstätten keine Ahnung mehr haben, die Autos zu reparieren.
Nach mehrmahlige Versuche hat unser Auto eine Bosch Werkstatt in München repariert

Account gelöscht!

10.12.2012, 11:33 Uhr

O(hne) P(ower) E(wig) L(etzter)
O(hne) P(lan) E(infach) L(osgebaut)

Ich hatte einen Kadett E CC mal gefahren. Sau gemütlich, sehr zuverlässig und genauso zuverlässig an den hinteren Kotflügeln am rosten.

Mir war OPEL zu teuer geworden und ich vermisse die größten Kombis auf der Straße. Sportback ist nicht jedermanns Sache, erst recht nicht für Oldis.

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