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04.09.2013

07:32 Uhr

Werk in Chinas Unruheprovinz

Volkswagens heikles Investment

VonLaura-Patricia Montorio

In der chinesischen Region Xinjiang werden jetzt Volkswagen gebaut. Dort flammen häufig blutige Konflikte mit der uigurischen Minderheit auf. Gerade jetzt wittert Peking dort verstärkte Terrorgefahr.

Arbeiter in einem Volkswagen-Werk in China: Zugeständnis an Peking? dpa

Arbeiter in einem Volkswagen-Werk in China: Zugeständnis an Peking?

PekingIm äußersten Nordwestzipfel Chinas, in der der autonomen Region Xinjiang, bauen einige Hundert Arbeiter seit vergangener Woche Autos von Volkswagen. Das neue Werk ist der ganze Stolz der örtlichen Investmentförderung – sie wirbt bereits mit der Präsenz des deutschen Weltkonzerns. Auch Volkswagen versucht das Werk dabei ebenfalls als Pionierleistung zu verkaufen, doch es erweist sich zunehmend als politische Gratwanderung mit erheblicher Gefahr für das Image des Unternehmens.

Praktisch zeitgleich mit dem Signal für den Start des Fließbandes in der Stadt Urumqi hat die Regierung in Peking wieder einmal klar gemacht, was sie von der Provinz im äußersten Westen hält. „Die größte Sicherheitsbedrohung geht in China von der Provinz Xinjiang aus“, sagt Li Wei, Sicherheitsexperte am staatsnahen Chinesischen Institut für Internationale Beziehungen (CICIR) auf einer offiziellen Pressekonferenz. „Die Terrorattacken destabilisieren die Region und stehen der wirtschaftlichen Entwicklung im Weg.“

Größte ausländische Autohersteller in China

Platz 10

BMW - 326.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Und BMW dringt in die Top Ten vor: Im Vorjahresvergleich legt der Absatz um beachtliche 40 Prozent zu. Auf den Plätzen folgen Suzuki, Daimler und Mazda.

Platz 9

Ford - 427.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner machen Boden gut, was sie ebenfalls dem Inselstreit zu verdanken haben. Im Vorjahresvergleich bleibt ein sattes Plus von 31 Prozent.

(Anm. d. Red.: Erfasst wurden nur Pkw-Verkäufe)

Platz 8

Peugeot-Citroën - 442.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen. Der Absatz legt um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Platz 7

Kia - 512.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 18 Prozent gehören sie mittlerweile zu den erfolgreichen Volumenherstellern in China.

Platz 6

Honda - 603.000 verkaufte Fahrzeuge

Honda muss ebenfalls Einbußen hinnehmen - wie die anderen japanischen Hersteller in China ebenfalls. Im Vorjahresvergleich steht ein Minus von drei Prozent.

Platz 5

Toyota - 841.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner müssen sich mit Rang fünf begnügen, vor allem im September hatte es einen herben Rückschlag der Verkaufszahlen auf gerade einmal 50.000 Stück gegeben. Im Gesamtjahr bleibt ein Absatzminus von fünf Prozent.

(Anm. d. Red.: Angabe laut Reuters)

Platz 4

Hyundai - 847.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner verdrängen Toyota auf Rang fünf und sind indirekter Nutznießer des Inselstreits. Die Hyundai-Verkäufe legten 2012 um zwölf Prozent zu.

Platz 3

Nissan - 1,18 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der Streit um eine Inselgruppe zwischen China und Japan hat die Absatzzahlen der Japaner deutlich in die Knie gedrückt. Im Gesamtjahr gab es für Nissan ein Minus von fünf Prozent.

Platz 2

Volkswagen - 2,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Wolfsburger können das größte Wachstum der Massenhersteller in der Volksrepublik vorweisen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Volkswagen-Verkäufe um 24 Prozent zugelegt.

Platz 1

General Motors - 2,84 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner verteidigen hauchdünn die Spitzenposition in China. Im Jahresvergleich hat GM um elf Prozent zugelegt.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

Warum sich Volkswagen in die Wüstenregion verirrt hat, erklärt Jochem Heinzmann, Chef von Volkswagen China, zwar so: „Unsere Autofabrik in Urumqi erlaubt uns, vom erwarteten Wachstum in Westchina zu profitieren.“ Aber das VW-Werk ist die allererste Autofabrik in Xinjiang. Die größte Provinz Chinas, die an Kasachstan, Afghanistan und Pakistan grenzt, lebt bisher vor allem von Landwirtschaft und Rohstoffvorkommen.

Auch die Warnung des chinesischen Experten ist eine schlechte Nachricht für VW. Denn wenn sich im Umfeld des Werkes ein Zwischenfall mit islamistischem Hintergrund ereignen würde, dann würde sich eine lange gehegte Befürchtung bestätigen: Dass das Investment in Xinjiang keine unternehmerische Entscheidung war, sondern auf Druck der Regierung zustande kam.

Denn Volkswagen-Chef Winterkorn hat den ehrgeizigen Plan, bis 2018 Weltmarktführer zu werden. Dafür will er auf seinem größten Absatzmarkt China, wo er schon heute 40 Prozent seiner Autos verkauft, mit weiteren sieben Werken expandieren.

Kommentare (9)

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04.09.2013, 07:21 Uhr

Osten oder Westen?

"Am äußersten Nordostzipfel Chinas"
"was sie von der Provinz im äußersten Westen hält"

Account gelöscht!

04.09.2013, 07:36 Uhr

ist doch egal, Hauptsache billig! Geiz ist geil!

Account gelöscht!

04.09.2013, 07:37 Uhr

Sehr geehrter Leser,
besten Dank für den Hinweis. Wir haben das korrigiert.
Mit freundlichen Grüßen

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