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11.07.2014

07:49 Uhr

Werk in Tennessee

US-Autogewerkschaft unternimmt neuen Anlauf bei VW

Die US-Autogewerkschaft UAW will in der VW-Fabrik in Chattanooga einen Betriebsrat nach deutschem Vorbild auf die Beine stellen. Es ist nicht der erste Vorstoß dieser Art. Gegenwind kommt vor allem von den Republikanern.

VW in den USA: Die amerikanische Autogewerkschaft UAW unternimmt beim Volkswagen-Werk in Tennessee einen neuen Anlauf. dpa

VW in den USA: Die amerikanische Autogewerkschaft UAW unternimmt beim Volkswagen-Werk in Tennessee einen neuen Anlauf.

ChattanoogaDie US-Autogewerkschaft UAW unternimmt einen neuen Anlauf, um im Volkswagen-Werk im Bundesstaat Tennessee einen Fuß in die Tür zu bekommen. Die UAW gab am Donnerstag die Gründung des Ortsverbandes „Local 42“ bekannt, speziell gedacht für die 2500 Mitarbeiter starke VW-Fabrik in Chattanooga. Letztliches Ziel ist es, einen Betriebsrat nach deutschem Vorbild auf die Beine zu stellen.

Es handele sich um eine Angelegenheit der Gewerkschaft, sagte ein VW-Sprecher auf Anfrage: „Es gibt keinen Vertrag oder eine andere formale Vereinbarung mit der UAW in dieser Sache.“ Nach den Worten von UAW-Schatzmeister Gary Casteel hofft die Gewerkschaft aber, durch den Beitritt eines „bedeutenden Anteils“ der Belegschaft vom Unternehmen als Arbeitnehmervertretung anerkannt zu werden.

Um die Mitarbeitervertretung gibt es seit längerem Zwist. Der mächtige Konzernbetriebsrat in Wolfsburg hatte auf die Einrichtung gedrungen. Gegenwind kam von den regierenden Republikanern vor Ort, für die die UAW ein rotes Tuch ist. Sie geben der Gewerkschaft eine Mitschuld am Niedergang der Autoindustrie in Detroit und fürchten negative Folgen für die eigene Region. Im Februar votierten die VW-Werker mit 712 zu 626 Stimmen gegen den Vorschlag, sich von der UAW in Tariffragen vertreten zu lassen.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Der erneute Vorstoß der UAW kommt ausgerechnet in einer Zeit, in der mit der Entscheidung für die Produktion eines neuen US-Massenmodells gerechnet wird - eines siebensitzigen SUV, der vor anderthalb Jahren als Studie Crossblue Premiere gefeiert hatte. Chattanooga gilt als favorisierter Standort. Doch der Streit um die gewerkschaftliche Vertretung hatte zwischenzeitlich staatliche Investitionsanreize gefährdet.

Die Vereinigten Staaten sind der wunde Punkt des VW-Konzerns bei seinem Bestreben, Weltmarktführer vor Toyota zu werden. VW braucht das neue Modell, um in den USA aus seinem Formtief herauszukommen. Allein in diesem Jahr schrumpften die Verkäufe der Marke um 13 Prozent auf 179.000 Stück. Die Marke VW liegt damit etwa unter dem Niveau des japanischen Wettbewerbers Subaru. Das neue SUV-Modell zu einem attraktiven Preis könnte die Wende bringen, denn die Amerikaner lieben diese Autoklasse. In Chattanooga läuft bis jetzt nur der US-Passat vom Band, nach dem Jetta das bestverkaufte Modell im Land.

Im Süden der USA sind die Gewerkschaften traditionell schwach vertreten. Gerade hier haben sich aber die meisten ausländischen Autobauer angesiedelt. Die UAW versucht, auch im Mercedes-Werk in Alabama Fuß zu fassen - bislang erfolglos. BMW fertigt Geländewagen in South Carolina.

Von

dpa

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