Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.10.2016

09:16 Uhr

Werkstattkette vor Verkauf

Komplizierte Reparatur bei ATU

In Deutschlands Autowerkstätten brummt derzeit das Geschäft. Aber ATU stöhnt – die Kette hat sich enorme Mietlasten aufgebürdet. Damit soll nun Schluss sein. Bei den Verhandlungen steht viel auf dem Spiel.

Die Werkstattkette ringt um ihre Zukunft. dpa

ATU

Die Werkstattkette ringt um ihre Zukunft.

MünchenIn den 38.000 deutschen Kfz-Werkstätten herrscht jetzt Hochsaison. Millionen Autofahrer lassen Winterreifen aufziehen oder nutzen die Aktion Lichttest, um defekte Lampen kostenlos austauschen zu lassen. Und auch generell läuft es im Kfz-Gewerbe derzeit bestens. Ob das auch für das langjährige Sorgenkind, die Werkstattkette ATU, gilt, wird sich erst in den nächsten Wochen herausstellen.

Mehr als 45 Millionen Autos sind auf deutschen Straßen unterwegs, im Durchschnitt sind sie älter als neun Jahre. Da sind vermehrt Wartung und Reparaturen fällig. Im zweiten Quartal waren mehr als 93 Prozent der Werkstätten zumindest zufrieden mit dem Geschäft, die meisten waren besser ausgelastet als saisonüblich. Der Geschäftsklimaindex für die aktuelle Lage im Kfz-Gewerbe stieg nach Angaben seines Zentralverbandes (ZDK) „auf den höchsten bisher gemessenen Stand“.

ATU und die Finanzen: Gescheiterte Sanierung

ATU und die Finanzen

Premium Gescheiterte Sanierung

Beim Zubehörschrauber „Auto-Teile-Unger“ (ATU) haben sich Bastler mit allem eindeckt, was auf Deutschlands Autobahnen Eindruck macht. Doch die Umsätze brachen weg. Der Erfolg der Sanierung lässt noch auf sich warten.

Knapp die Hälfte der Werkstätten ist bei den Autoherstellern unter Vertrag, rund 21.000 sind freie Werkstätten. Dazu zählen auch Ketten wie Bosch Car Service, 1a Autoservice, Vergölst – oder ATU in Weiden in der Oberpfalz.

Mit einer Milliarde Euro Jahresumsatz, 10.000 Mitarbeitern und 600 Werkstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehört ATU auch nach einer Schrumpfkur immer noch zu den Großen der Branche. Aber das Unternehmen verdient kein Geld.

Veränderung der Anteile an Dieselfahrzeugen deutscher Autobauer

Platz 7: Ford

2014: 44,2 Prozent

2015: 45,4 Prozent

Januar bis August 2016: 48,3 Prozent

Differenz 2015/2016: 2,8 Prozent

Quelle: Universität Dusiburg-Essen, CAR-Center Automotive Research

Platz 6: Opel

2014: 30,9 Prozent

2015: 29,2 Prozent

Januar bis August 2016: 28,2 Prozent

Differenz 2015/2016: minus ein Prozent

Platz 5: Mercedes-Smart

2014: 54,6 Prozent

2015: 52,3 Prozent

Januar bis August 2016: 50,8 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 1,4 Prozent

Platz 4: Audi

2014: 67,4 Prozent

2015: 68,1 Prozent

Januar bis August 2016: 66,3 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 1,7 Prozent

Platz 3: VW

2014: 53,6 Prozent

2015: 54,5 Prozent

Januar bis August 2016: 51,5 Prozent

Differenz 2015/2016: minus drei Prozent

Platz 2: BMW-Mini

2014: 67,9 Prozent

2015: 63,2 Prozent

Januar bis August 2016: 59,4 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 3,8 Prozent

Platz 1: Porsche

2014: 36,8 Prozent

2015: 38,9 Prozent

Januar bis August 2016: 33,2 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 5,7 Prozent

Gesamtmarkt

2014: 47,9 Prozent

2015: 48,1 Prozent

Januar bis August 2016: 46,8 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 1,3 Prozent

In der Vergangenheit hatte ATU mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. Konkurrenten warfen der Kette Dumping-Preise vor oder kritisierten, die Kette verwende keine Originalteile. Ein ATU-Sprecher sagt, das Unternehmen positioniere sich beim Preis 20 Prozent unter den Vertragswerkstätten, bei vergleichbarer Qualität. „Bei den ADAC-Werkstatt-Tests hat ATU in der Vergangenheit mitunter schlecht abgeschnitten. Es war einiges rot“, sagt Arnulf Thiemel, der diese Überprüfungen jahrelang betreut hat. Aber beim letzten Test schnitten die meisten ATU-Werkstätten gut ab.

Das Problem ist ein ganz anderes: Seit Jahren schon zahlt das Unternehmen enorm hohe Mieten für die Werkstätten und Ladenräume.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

24.10.2016, 10:18 Uhr

Früher habe ich bei ATU gerne Ersatzteile gekauft. Mittlerweile sind diese bei ATU wesentlich teurer als im stets präsenten Internet. Wenn man ATU als Werkstatt betrachtet ist die gute Erreichbarkeit mit arbeitnehmerfreundlichen Öffnungszeiten bis in den späten Samstag nachmittag das grösste Plus.

Meines Erachtens wäre ATU prädestiniert um das Internet mit den Filialen zu verbinden. Beispielsweise Abholung der im Internet bestellten Teile. Günstige Ersatzteile liessen sich mit einem Einbau in den Filialen gleichfalls bestens verbinden.

Insofern ist das Potential vorhanden. Es gilt dies intelligent umzusetzen. 20% Preisdifferenz zu den Markenwerkstätten ist angesichts der Preise derselben nicht unbedingt attraktiv.

Herr Marc Ho

24.10.2016, 10:53 Uhr

@Holger Narrog:
Schon lange nicht mehr bei ATU gewesen, oder? Den gewünschten Online-Shop mit Selbstabholung in der Filiale gibt es schon längst, gerade erst Wagenheber samt Zubehör zum Reifen selbst wechseln und anderen Kleinkram gekauft. Selbstverständlich könnte man auch online kaufen und es dann in der Filiale einbauen lassen, mit Terminvereinbarung via Internet.
Preise nur 20% unter den Markenwerkstätten? Leider falsch, 20% günstiger gegenüber der freien (markenungebundenen) Werkstatt-Konkurrrenz. Die Preisunterschiede zwischen ATU und Original-Audi/BMW/VW/Fiat/etc. liegen eher im Bereich bis zu 120%.
Nicht immer steht es mit der Werkstattqualität zum Besten, aber da bekleckert sich die Konkurrenz ebenso wenig mit Ruhm. Es wäre schade, wenn es ATU nicht mehr gäbe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×