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24.01.2007

12:04 Uhr

Wettbewerbsdruck

Autozulieferer geraten in die Enge

Für die Zulieferer der Autoindustrie wird es zunehmend schwerer: Hohe Rohstoffpreise, wachsender Preisdruck seitens der Hersteller sowie geringe Eigenkapitalausstattung sind ungünstige Rahmenbedingungen. Am Dienstag forderte der hohe Wettbewerbsdruck ein weiteres Opfer unter den Autozulieferern.

Die Top 20 der deutschen Autozulieferer. Grafik: Handelsblatt

Die Top 20 der deutschen Autozulieferer. Grafik: Handelsblatt

hz / mwb FRANKFURT/STUTTGART. Nach Chefwechseln bei Schefenacker, roten Zahlen bei Hella und angekündigten Produktionsverlagerungen beim nordrheinwestfälischen Zulieferer Kiekert meldete der Automobilzulieferer ISE Innomotive Systems Europe und ISE Industries bei Köln Insolvenz an. Der Zulieferer mit rund 450 Mill. Euro Umsatz und 2 800 Mitarbeitern beliefert fast alle großen Hersteller in Deutschland mit Scharnieren, Pressteilen und Karosseriemodulen.

Die Neuordnung in der stark mittelständisch geprägten Branche gewinnt damit an Tempo. Denn vor allem kleinere Lieferanten der Autoindustrie, die vorwiegend leichter ersetzbaren Teilen produzieren, geraten in existentielle Nöte. Nach einer aktuellen Studie der IKB Deutsche Industriebank ging die Rohertragsquote kleinerer Firmen das dritte Jahr in Folge deutlich zurück. Das Risiko wachse, „dass einzelne Anbieter die Herausforderungen der Branche nicht mehr erfüllen können“, sagte Karsten Gebhardt, der Autor der Studie.

In den USA sind viele große Zulieferer wie unter anderem Delphi wegen der Krise von GM, Ford und Chrysler in Existenznot geraten. Nach Einschätzung der Rating-Agentur Standard & Poor’s stehen auch den europäischen Zulieferern härtere Zeiten bevor, da die Nachfrage in Europa stagniere.

Auch Unternehmen wie der weltgrößte Autozulieferer Bosch, aber auch ZF Friedrichshafen und Mahle spüren den Wettbewerb und müssen teilweise Personal abbauen. Die drei durchweg profitablen Unternehmen können dem Druck aber bislang dank ihrer Größe und breiten Aufstellung trotzen. Viele Kleinere kämpfen dagegen bereits ums nackte Überleben, wie etwa der hoch verschuldete Zulieferer Schefenacker. Seit Monaten wird über eine Umschuldung des Weltmarkführers bei Autospiegeln durch den Tausch von Schulden in Firmenanteile und einen Kapitalbeitrag des Alleineigentümers Alfred Schefenacker junior verhandelt. Wenn bis zum 11. Februar, dem Zahlungstermin für eine Anleihe, keine Lösung gefunden ist, droht die Insolvenz.

Auch Kiekert ächzt unter einem massiven Schuldenberg. Erst im Oktober musste der Finanzinvestor Permira das Unternehmen seinen Gläubigern überlassen, weil es den Schuldendienst nicht mehr schultern konnte. Die Kontrolle haben nun die Kreditgeber, darunter Morgan Stanley und Deutsche Bank sowie der Hedge-Fonds Silver Point – und die drängen auf harte Sanierungsschritte. So will Kiekert angesichts rückläufiger Umsätze den Sparkurs verschärfen und Teile der Produktion nach Tschechien verlagern. Hierdurch würden 200 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, hieß es beim Hersteller von Kfz-Türschlössern.

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