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02.07.2014

15:43 Uhr

Wettbewerbsfähigkeit

Daimler will Lkw-Komponentenwerke verschlanken

Die Standorte Mannheim, Gaggenau und Kassel des Autobauers Daimler stehen nicht in Frage – es werde mit Arbeitnehmern aber über „Optimierungsmöglichkeiten“ diskutiert. Die Gewerkschaften befürchten Arbeitsplatzverluste.

Daimler hat in Deutschland zwar eine Beschäftigungsgarantie gegeben, die läuft aber Ende 2016 aus. Reuters

Daimler hat in Deutschland zwar eine Beschäftigungsgarantie gegeben, die läuft aber Ende 2016 aus.

StuttgartDer Autohersteller Daimler will in den kommenden Jahren mehrere Lkw-Komponentenwerke in Deutschland schlanker aufstellen. „Die aktuelle Planung ist mit einem deutlichen Arbeitsplatzabbau verbunden“, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Verschiedenen Zeitungsberichten zufolge sind in der aktuellen Planung bis 2021 insgesamt mehr als 2000 Stellen an den Standorten Mannheim, Gaggenau und Kassel bedroht.

Ein Daimler-Sprecher sagte, derzeit würden mit den Arbeitnehmervertretern „Optimierungsmöglichkeiten“ in den Werken in Mannheim, Gaggenau und Kassel diskutiert. Daimler wolle seine Wettbewerbsfähigkeit stärken, die Standorte stünden nicht infrage. Daimler fertigt an den drei Standorten Motoren, aber auch Achsen oder Getriebe für seine Lkws.

Aktuell läuft bereits ein Sparprogramm für Daimlers Nutzfahrzeugsparte, mit deren Hilfe die Kosten bis Ende des Jahres um 1,6 Milliarden Euro gesenkt werden sollen. Bei den neuen Überlegungen gehe es aber um eine Planung auf langfristiger, strategischer Ebene, sagte Brecht. Daimler wolle im Kern die Fertigungstiefe an den fraglichen Standorten reduzieren. Die Arbeitnehmervertreter sähen durchaus Wachstumsfelder zum Beispiel im Bereich Automatikgetriebe für Lastwagen, sagte Brecht. „Dort könnte ein großer Teil des geplanten Stellenabbaus aufgefangen werden.“

Am Standort Mannheim sei die Rede von 800 bis 900 Stellen, die bis 2021 auf dem Spiel stehen könnten, sagte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall in Mannheim, Reinhold Götz, und bestätigte damit Berichte von „Stuttgarter Zeitung“ und „Mannheimer Morgen“ (Mittwoch). In Mannheim arbeiten rund 5150 Mitarbeiter in der Gießerei und Lkw-Motorenwerk.

Die Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns

Daimler Trucks

Umsatz: 28,8 Milliarden Euro, Ebit: 1,9 Milliarden Euro. Daimler ist der weltweit größte Hersteller von schweren Lkw. Der Bereich umfasst die Marken Mercedes-Benz, Freightliner, Western Star und Fuso. In Indien wird in diesem Jahr die neue Marke BharatBenz eingeführt. Auch die typischen amerikanischen Schulbusse werden von Daimler unter der Marke Thomas Built Buses hergestellt und werden wegen Synergien in der Produktion zum Geschäftsfeld gezählt.

Mercedes-Benz Cars

Umsatz: 57,4 Milliarden Euro, operatives Ergebnis (Ebit): 5,2 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes wird in diesem Bereich gemacht. Dazu gehören die Marken smart, Mercedes-Benz und Maybach. Das Ende der Luxuskarossen von Maybach ist allerdings schon besiegelt. Stattdessen setzt Daimler auf zusätzliche Modelle der Mercedes-Benz S-Klasse.

Mercedes-Benz Vans

Umsatz: 9,2 Milliarden, Ebit: 835 Millionen Euro. Das Transportergeschäft besteht aus den Baureihen Sprinter, Vito/Viano und Vario.

Daimler Buses

Umsatz: 4,4 Milliarden Euro, Ebit: 162 Millionen Euro. Bei den Omnibussen über acht Tonnen ist Daimler Weltmarktführer. Zur Produktpalette gehören die Marken Mercedes-Benz, Setra und Orion. Geliefert werden komplette Busse, aber auch Fahrgestelle.

Daimler Financial Services

Umsatz: 12,1 Milliarden Euro, Ebit: 1,3 Milliarden Euro. Die Finanz- und Versicherungssparte bietet unter anderem Finanzierung und Leasing von Fahrzeugen sowie ein Flottenmanagement an. Daimlers Carsharing-System „car2go“ wurde inzwischen in das Geschäftsfeld integriert.

Im Kasseler Achswerk könnten einem Bericht der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“ zufolge langfristig 800 der rund 3000 Stellen bedroht sein. In Gaggenau geht es der „Stuttgarter Zeitung“ zufolge um 700 der 6600 Arbeitsplätze. Der Daimler-Sprecher wollte die Zahlen nicht bestätigen.

In Deutschland haben die Betriebsräte zwar eine Beschäftigungsgarantie für zuletzt rund 167 000 Beschäftigten ausgehandelt, die läuft aber Ende 2016 aus. Danach wären theoretisch betriebsbedingte Kündigungen möglich. „Die Beschäftigungsgarantie ist ein hohes Gut“, sagte Brecht. „Wenn sie für die Belegschaft wichtig ist, werden wir sie nicht einfach auslaufen lassen.“ Wann die Arbeitnehmervertreter das Thema zur Diskussion stellten, sei derzeit allerdings noch offen.

Von

dpa

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