Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.10.2012

17:46 Uhr

Wette auf sinkende VW-Kurse

Merckle-Gruppe verklagt Porsche

Die Finanzgeschäfte rund um den letztlich gescheiterten Versuch Porsches, sich Volkswagen einzuverleiben, schlagen weitere Wellen. Nach Informationen der Wirtschaftswoche klagt jetzt die Merckle-Gruppe auf Schadenersatz.

Porsche-Stand auf einer Automesse. AFP

Porsche-Stand auf einer Automesse.

DüsseldorfDie Merckle-Gruppe verklagt die Porsche SE auf über 200 Millionen Euro Schadenersatz. „Das Merckle-Unternehmen HWO hat beim Landgericht Braunschweig Klage gegen Porsche eingereicht“, sagte eine Sprecherin der Gruppe, zu der unter anderem der Geländefahrzeug-Hersteller Kässbohrer und rund 25 Prozent am Dax-Unternehmen Heidelberg Cement gehören, auf Anfrage der WirtschaftsWoche. Zu den Inhalten der Klage und zur Schadenshöhe wollte sich die Sprecherin mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Bei uns ist eine weitere Klage gegen Porsche eingegangen“, bestätigt die Sprecherin des Landgerichts Braunschweig, Maike Block-Cavallaro. „Die Schadensumme beläuft sich auf über 200 Millionen Euro.“

Die Klage sei unbegründet, das Unternehmen werde sich dagegen zur Wehr setzen, teilte Porsche mit. Hintergrund der Klage sind Aktiengeschäfte von Adolf Merckle, Gründer von Ratiopharm und Vater des jetzigen Clanchefs Ludwig Merckle. Adolf Merckle, der sich 2009 das Leben nahm, hatte 2008 auf sinkende VW-Kurse gewettet, tatsächlich stieg der Kurs jedoch sprunghaft an – möglicherweise wegen Manipulationen durch Porsche. So verlor Merckle einen dreistelligen Millionenbetrag.

Im Januar dieses Jahres war bekannt geworden, dass HWO Antrag auf Eröffnung eines Güteverfahrens gegen Porsche gestellt hat. Darin forderte HWO 213 Millionen Euro Schadenersatz von Porsche. Weil es nicht zu einer außergerichtlichen Einigung kam, hat das Unternehmen nun Klage in Braunschweig eingereicht. Das Klagerisiko für Merckle ist hoch: Auf über 4,5 Millionen Euro belaufen sich nach Informationen von Insidern die Gerichts- und Anwaltskosten, wenn das Verfahren durch drei Instanzen geht. Allein die Gebühren des Landgerichts Braunschweig betragen 275 368 Euro.

In Braunschweig sind mehrere Schadenersatzklagen in Gesamthöhe von rund vier Milliarden Euro gegen Porsche anhängig. Zwei kleinere Klagen mit Forderungen von 3,1 und 1,5 Millionen Euro wies das Landgericht im September ab. Außerdem gibt es milliardenschwere Schadenersatzklagen gegen Porsche vor amerikanischen Gerichten. Die Kläger werfen Porsche vor, im Zuge der Übernahmeschlacht mit Volkswagen den Kurs der VW-Aktie manipuliert zu haben. Wegen des Verdachts solcher Manipulationen ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart unter anderem gegen den Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Nach Wirtschaftswoche-Informationen will die Staatsanwaltschaft noch in diesem Jahr Anklage gegen Wiedeking erheben. Porsche und Wiedeking weisen sämtliche Vorwürfe zurück.

Von

sal

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kenilej

11.10.2012, 18:33 Uhr

Merckle konnte überhaupt keinen dreistelligen Millionenbetrag verlieren. Schließlich hatte er die gar nicht. 400 Millionen Euro Zinsen für die Finanzierung von Schwenk Zement standen an und weil Merckle (außer in den Büchern) kein Geld hatte, war die Spekulation Merckles ein Spiel um Alles oder Nichts. Ein Verkauf von Ratiopharm hätte ihn retten können. Aber das war sein Baby, mit dem er einmal angefangen hatte. Diese Schmach hätte wohl er nicht ertragen. Deshalb traf er dann auch seine eigene Entscheidung. Das jetzt die Merckle-Gruppe von Porsche dafür noch Geld will, ist mehr als unverständlich.

Account gelöscht!

11.10.2012, 18:34 Uhr

In der Zeit, als die VW-Aktie haussierte, habe ich auch ein wenig Geld, wenn auch bei anderen Titeln, verloren. Wahrscheinlich war wegen Porsche die ganze Börse durcheinander. Ich will mal versuchen, ob ich nicht auch noch von Porsche entschädigt werden kann. Oder vielleicht auch vom Steuerzahler, der ja schon sowieso allen Finanzinvestoren "Hilfsgelder" hinterher wirft....

Eine Klage anzustrengen, weil man sich verzockt hat, ist schon etwas pervers. Welchen Schaden diese Zocker dann der Marke Porsche zusätzlich bereiten, wird auch wohl nicht unerheblich sein.
Als einfacher Bürger frage ich mich, ob Investoren und Finanzindustrie unseren Staat und seine Institutionen nicht permanent für ihre Geldgier missbrauchen.

RoadRunner

11.10.2012, 19:31 Uhr

wenn diese Zocker riesen Gewinne machen, bezeichnen sie sich als Experten. Sollten sie sich aber mal die Wunden lecken muessen, MUSS IMMER ein Schuldiger gefunden werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×