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06.08.2014

13:02 Uhr

Wie die Russland-Sanktionen wirken

Superblöd auch für Super-Oligarchen

VonTobias Döring

Airlines heben nicht mehr ab, dem Oligarchen Timtschenko wird die Wartung seines US-Jets verweigert, ein Millionen-Rüstungsdeal platzt: Die Sanktionen gegen Russland greifen – und sie treiben bisweilen seltsame Blüten.

Luxusjet Gulfstream G650 (Werbefoto): „Die Sanktionen kommen in den seltsamsten Formen daher“. PR

Luxusjet Gulfstream G650 (Werbefoto): „Die Sanktionen kommen in den seltsamsten Formen daher“.

DüsseldorfGennadi Timtschenko ist der sechstreichste Mann Russlands. Sein Vermögen wird auf 13 Milliarden Dollar geschätzt. Timtschenko ist ein Super-Oligarch – und Freund von Wladimir Putin. Ein sogenannter „enger Vertrauter“ des Präsidenten.

Doch weder sein Geld noch sein Einfluss helfen ihm in diesen Tagen. Selbst ein Mann wie Timtschenko muss sich den Sanktionen der USA und EU beugen. Eine Woche nachdem die Repressalien gegen Russland verstärkt wurden, entfalten die Maßnahmen immer mehr ihre Wirkung.

Bereits im März geriet Timtschenkos Name auf die Sanktionsliste der USA. Doch Timtschenko kam nur einen Tag vor der Bekanntgabe möglichen schwerwiegenden Folgen zuvor: Der 61-Jährige verkaufte seine Anteile am Ölhändler Gunvor in einer Blitz-Transaktion an deren Chef Torbjörn Törnquist. Timtschenko hatte Gunvor im Jahr 2000 mitgegründet.

Russlands Oligarchen und ihre Verluste

Alexei Kusmitschow

Alexei Wiktorowitsch Kusmitschow gründete 1999 gemeinsam mit den russischen Studienfreunden German Chan und Mikhail Fridman das russische Unternehmen Alfa Group. Kuzmichov besitzt bedeutende Aktienanteile an dem russischen Unternehmen Alfa Group. Bloomberg beziffert sein Vermögen auf 8 Milliarden US-Dollar (minus 630,3 Millionen).

Quelle: Bloomberg

Michail Prochorow

Michail Dmitrijewitsch Prochorow ist Unternehmer, ehemaliger Generaldirektor der russischen Unternehmen Norilsk Nickel und OJSC Polyus Gold sowie Politiker. Bloomberg taxiert sein Vermögen auf 12,1 Milliarden Dollar (minus 709,3 Millionen).

Quelle: Bloomberg

Michail Fridman

Michail Maratowitsch Fridman ist zusammen mit Pjotr Aven der Hauptgründer der Alfa Group, eines der größten privaten Industrie- und Finanzkonzerne in Russland. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Alfa Group und in leitenden Positionen verschiedener Tochterunternehmen der „Alfa Group“, zum Beispiel als Vorsitzender des Direktorenrates der „Alfa-Bank“ – und mit 36 Prozent der Anteile deren größter Aktionär -, Vorsitzender des Direktorenrates der Öltochter „TNK-BP“, Mitglied des Direktorenrates von VimpelCom und des Aufsichtsrates der X5 Retail Group N.V. Er nennt 15,1 Milliarden US-Dollar sein Eigen (minus 984,2 Millionen US-Dollar).

Quelle: Bloomberg

Wagit Alekperow

Wagit Jussufowitsch Alekperow ist aserbaidschanischer Herkunft. Er ist Gründer, größter Aktionär und Chef des Mineralölkonzerns Lukoil. Alekperow war Vize-Ölminister der UdSSR, als er sein Ölimperium im Jahr 1991 gründete. Geschätztes Vermögen: 11,4 Milliarden Dollar (minus 1 Mrd.).

Quelle: Bloomberg

Gennadi Timtschenko

Gennadi Nikolajewitsch Timtschenko mit Wohnsitz in Genf (Schweiz) ist ein russisch-finnischer Oligarch im Ölhandel und enger Freund von Präsident Wladimir Putin. Bloomberg beziffert sein Vermögen auf 9,1 Mrd. US-Dollar (minus 1,9 Milliarden).

Quelle: Bloomberg

Andrei Melnitschenko

Andrei Igorewitsch Melnitschenko ist Chef von Eurochem, einem Konzern, der in erster Linie Düngemittel produziert. Nach Angaben von Bloomberg beträgt sein persönliches Vermögen 12,7 Mrd. US-Dollar, das ist ein Minus von 1,9 Milliarden.

Quelle: Bloomberg

Leonid Michelson

Leonid Wiktorowitsch Michelson ist CEO und Vorsitzender des russischen Unternehmens Novatek. Er hält bedeutende Aktienanteile an Novatek. Er nennt 15,6 Milliarden US-Dollar sein Eigen, das ist ein Minus von 2,3 Milliarden.

Quelle: Bloomberg

Wladimir Jewtuschenkow

Wladimir Petrowitsch Jewtuschenkow ist Gründer und Mehrheitseigentümer des russischen Mischkonzerns Sistema. Sein Vermögen wird auf 7,7 Milliarden US-Dollar geschätzt – 2,4 Milliarden weniger als zuletzt.

Quelle: Bloomberg

Alischer Usmanov

Alischer Burchanowitsch Usmanov ist Generaldirektor des Gazprom-Tochterunternehmens Gazprominvestholding, Mitbesitzer der Metalloinvest und Eigentümer des russischen Verlagshauses Kommersant, in dem die einflussreiche Wirtschaftszeitung Kommersant erscheint. Usmanow belegt mit einem geschätzten Vermögen von 17,7 Milliarden Dollar auf der Rangliste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 35. Zuletzt büßte er 2,5 Milliarden Dollar ein.

Quelle: Bloomberg

Wladimir Lissin

Wladimir Sergejewitsch Lissin ist seit 1998 Vorstandsvorsitzender des russischen Stahlproduzenten Novolipetsk Steel. Er verlor zuletzt 2,8 Milliarden Dollar, erfreut sich aber immer noch an einem Vermögen von 11,8 Milliarden Dollar.

Quelle: Bloomberg

Das Unternehmen mit Sitz in Genf ist inzwischen der viertgrößte Ölhändler der Welt. Mit dem Verkauf vermied der Multi-Milliardär direkte Auswirkungen durch die Sanktionen auf Gunvor. Doch die Vermutung liegt nahe, dass er im Hintergrund weiter die Fäden zieht, auch wenn das Unternehmen dies verneint. Weiterhin ist Timtschenko Hauptaktionär des zweitgrößten russischen Gasförderers Novatek.

Jetzt allerdings hat der Oligarch ein Problem: Timtschenko muss sich einen neuen Privatjet suchen. „Die Sanktionen kommen in den seltsamsten Formen daher“, beklagte sich Timtschenko gegenüber Itar-Tass. Nach Angabe der russischen Nachrichtenagentur besitzt er eine Gulfstream G650 – ein Luxusjet für rund 65 Millionen Dollar. Jetzt verweigert ihm der Hersteller, eine Tochter des US-Unternehmens General Dynamics, die Wartung des Flugzeugs. „Gulfstream darf weder die Lieferung weiterer Jets mit mir besprechen, noch die Wartung des gegenwärtigen“, so Timtschenko weiter.

Und die verschärften Sanktionen treffen nicht nur Oligarchen. Am Sonntag gab die Billigfluggesellschaft Dobroljot bekannt, ihren Betrieb einzustellen. Die russische Staatsairline Aeroflot hatte die Billig-Tochter erst im Oktober gegründet. Aktuell seien Starts nicht möglich, da europäische Vertragspartner Verträge für die technische Wartung, die Versicherung von Flugzeugen und Leasingabkommen nicht einhielten, teilte Dobroljot mit. Der Billigflieger hatte zuletzt unter anderem die von Russland annektierte Krim angeflogen.

Kommentare (28)

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Herr Fritz Yoski

04.08.2014, 12:54 Uhr

Superblöd
Bald wird man in Dummland festellen das Sanktionen keine Einbahnstrasse sind, das wird dann auch superblöd. Der Michel soll sich schon mal warm anziehen, ein kalter Winter steht vor der Tuer.
Russische Rohstoffe lassen sich auch nach China verkaufen, wenn der Preis stimmt. China wird also billigere Energie/Rohstoffe erhalten waehrend in D. die Preise stark nach oben tendieren, Stichwort Energiewende. Kein Atomstrom, kein russisches Gas/Oel und heimische Braunkohle ist auch nicht die sauberste Loesung. Die Deppen bekommen nicht mal einen Flughafen gebacken und wagen sich an technisch anspruchsvolle Projekte wie die Energiewende ran.
Chinas Position auf dem Weltmarkt wird sich Dank billigerer Rohstoffe verbessern und Deutschland wird Abstriche in Kauf nehmen muessen. Die Sanktionen schneiden hauptsaechlich ins eigene Fleisch.

Herr Ribbentrop

04.08.2014, 12:55 Uhr

Na und, sollen doch die Russen auf der Krim Urlaub machen, dann werden Sie ja kennen lernen was Gastfreundschaft!
Am besten ist, daß sogenannte "Neu Krimbewohner" mit ihren tollen neuen Krimausweisen mit dem Zug nach Russland reisen wollten. An der Demarkationslinie durften sie aussteigen und zurückfahren, denn die Ukrainische Kontrolle erkennt die Ausweise nicht an!
Dumm daß es auch den Billigflieger jetzt nicht mehr gibt. Aber Putin wird bestimmt seine Militärstranporter zur Verfügung stellen!

Herr peter Spirat

04.08.2014, 12:59 Uhr

Kriegstreiber USA am Werk
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Washington hat beschlossen, 19 Millionen Dollar für die Ausbildung und Ausrüstung von vier weiteren Kompanien der ukrainischen Nationalgarde auszugeben.

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