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15.01.2016

16:51 Uhr

Wiedeking auf der Anklagebank

Porsche-Prozess geht auf die Zielgerade

VonMartin-W. Buchenau

Im Prozess gegen Ex-Porsche-Chef Wiedeking streicht der Richter drei Prozesstage. Ende Februar soll es ein Urteil geben. Auch die letzten Zeugen belasteten Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Härter am Freitag nicht.

Die Zeugenaussagen belasten den Ex-Porsche-Chef nicht. Reuters

Wiedeking vor Gericht (im Oktober)

Die Zeugenaussagen belasten den Ex-Porsche-Chef nicht.

StuttgartNasskalt in Stuttgart. Erst Regen, dann Schnee. Die hochbezahlten Staranwälte der Ex-Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter drängt es am Freitag möglichst rasch in den Verhandlungssaal des Stuttgarter Landgerichts. Wiedeking ist gut aufgelegt, sucht ab und an Blickkontakt mit dem Publikum. Er scheint froh, dass der Prozess wegen informationsgestützter Marktmanipulation dem Ende entgegengeht. Richter Frank Maurer strich am Freitag drei Prozesstage, plant die Plädoyers für den 18. Februar und das Urteil für den 26. Februar.

Auch die vermutlich drei letzten Zeugen des seit vergangenen Oktober laufenden Prozesses haben dem bisherigen Verlauf keine Wendung gegeben. Die Firmenkundenbetreuer dreier damals kreditgebender Banken sagten vor dem Stuttgarter Landgericht aus, von einem frühzeitigen Übernahmebeschluss nichts zu wissen. Porsche brauchte damals von den Banken Geld, um weitere Anteile an Volkswagen zu kaufen.

Bei den Verhandlungen über die Verlängerung oder Refinanzierung eines 10 Milliarden-Euro-Kredits an Porsche sei es im September 2008 jeweils darum gegangen, Szenarien für die Finanzierung der Aufstockung der Porsche-Beteiligung an Volkswagen durchzuspielen.

„Wir kannten die genauen Pläne von Porsche nicht“, sagte einer der Zeugen. Auch die anderen Banker sprachen von Handlungsalternativen der Finanzierung, die durchgesprochen wurden. Einer der Zeugen hatte noch bei seiner polizeilichen Aussage vor vier Jahren von „Porsches konkreter Absicht gesprochen“. Diese Aussage relativierte er vor Gericht. „Das war von mir nicht korrekt formuliert.“ Es sei immer nur um Handlungsalternativen, Möglichkeiten und Szenarien gegangen.

Das sagte Wendelin Wiedeking vor Gericht (1. Prozesstag)

Ex-Porsche-Chef vor Gericht

Wegen Marktmanipulation beim VW-Übernahmepoker steht Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vor Gericht. Nun hat er sich erstmals geäußert. Zitate aus Wiedekings Verteidigungsrede.

... den „Nischenanbieter Porsche“

„Das Eingehen einer Beteiligung von Porsche an VW entsprach nicht nur industrieller Logik. Es war für den Nischenanbieter Porsche geradezu überlebenswichtig. Die gesamte Kommunikation von Porsche [gegenüber Kapitalmarkt, Presse und sonstiger Öffentlichkeit] gab zu jeder Zeit exakt den Stand der Willensbildung der zuständigen Organe des Unternehmens – also Vorstand und Aufsichtsrat - wieder!“

...„Visionäre“ und „Spieler“

„Die Unterstellung, wir hätten im Vorstand bereits im Jahr 2005 die Absicht gebildet, „aufs Ganze zu gehen“, steht tatsächlich im Widerspruch zu allem, was damals gedacht und diskutiert worden ist. Wir waren Visionäre, aber keine Spieler“.

...das „Übernahmedrehbuch“

„Für mich ist die These nicht nachvollziehbar, Porsche hätte einen verdeckten Auftrag erteilt, eine Art „Übernahmedrehbuch“ zu schreiben. Ein Übernahmedrehbuch mit einer auf Irreführung des Kapitalmarkts gerichteten Kommunikation. Und einer systematischen Falschprotokollierung von Gremiensitzungen. Ein solch abenteuerliches Machwerk hat niemand beauftragt. Und ein solches Machwerk hat niemand geschrieben.“

Über seine „Nähe zu Ferdinand Piëch“

„Ferdinand Piëch hat sich einmal damit zitieren lassen, er ‚lasse sich sein Lebenswerk bei VW und Audi nicht von einem angestellten Manager ruinieren‘. Das ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass in meiner Amtszeit aus den Familien Porsche und Piëch Milliardäre wurden, die mittlerweile die Mehrheit an VW halten. Die Staatsanwaltschaft hält es für ernsthaft möglich, dass ich mich trotz seiner öffentlich geäußerten Haltung mit Ferdinand Piëch
verschworen haben soll. Verschworen, VW heimlich zu übernehmen, Vorstands- und Aufsichtsratsprotokolle zu manipulieren und den Kapitalmarkt systematisch zu täuschen! Diese Unterstellung ist für mich eine intellektuelle Zumutung. Die mir unterstellte Nähe zu Piëch schmerzt mich richtig.“

Über ein „heimliches Anschleichen an die VW AG“

„Die Kurssicherungsgeschäfte haben wir nicht verheimlicht. Wir haben wiederholt in unseren Pressemitteilungen, in Geschäftsberichten, auf Bilanzpressekonferenzen, in Beiträgen auf Hauptversammlungen und sonstigen Verlautbarungen darauf hingewiesen. Von einem heimlichen Anschleichen an die VW AG kann daher überhaupt keine Rede sein. Jeder Investor, der sich mit den Publikationen von Porsche und der Presse auseinandergesetzt hat, wusste, dass wir neben Beteiligungszukäufen auch Kurssicherungsgeschäfte eingegangen sind. Auch den Leerverkäufern und insbesondere den Hedgefonds , die der Staatsanwaltschaft offensichtlich so sehr am Herzen liegen, war dies beim Eingehen ihrer Wetten gegen VW bekannt.“

Über die nachgeschobene zweite Anklage

„Leider hat es die Staatsanwaltschaft im Juni 2015 für richtig gehalten, wenige Wochen vor dem ursprünglich geplanten Prozessbeginn eine Anklage gegen Holger Härter und mich nachzuschieben. Die Staatsanwaltschaft hat in den vergangenen sechs Jahren verzweifelt versucht, der der zweiten Anklage zu Grunde liegenden Pressemitteilung vom 26. Oktober 2008 irgendetwas Strafbares anzudichten. Die Kommunikation von Porsche war auch am 26. Oktober 2008 zutreffend. Zu dieser Überzeugung war die Staatsanwaltschaft selber auch schon 2012 gelangt, bevor sie auf Intervention von Leerverkäufern neue Ermittlungen gestartet hat.“

Über „Wetten gegen VW“

„Porsche ist durch diverse Hedgefonds bei verschiedenen Gerichten verklagt worden. Die Hedgefonds sind mit Leerverkäufen hochspekulative Wetten gegen VW eingegangen. Sie haben diese Wetten im Herbst 2008 verloren. Und sie bemühen sich seit Jahren erfolglos im In- und Ausland, ihren Wetteinsatz wieder hereinzuholen. Mit der nachgeschobenen, zweiten Anklage will die Staatsanwaltschaft die Hedgefonds offensichtlich unterstützen. Meines Erachtens hätte die Staatsanwaltschaft vor Erhebung der Anklage einmal kritisch hinterfragen sollen, auf wessen Seite sie sich da geschlagen hat. Immerhin haben die Hedgefonds die Wirtschafts- und Finanzkrise mit verursacht. Und ich bin überzeugt, dass sie auch für die Kursturbulenzen der VW-Aktie aus dem Herbst 2008 verantwortlich sind. Dass gerade diese ‚Spezialisten‘ von der Staatsanwaltschaft zu Opfern stilisiert werden, kann ich nicht nachvollziehen.“

Damit scheiterte die Staatsanwaltschaft erneut damit, eine Aussage zu erhalten, die ihre These stützt, dass Porsche viel früher eine Mehrheitsbeteiligung an VW geplant habe als veröffentlicht – und in ihren Mitteilungen im Verlauf des Jahres 2008 Anleger in die Irre geführt habe. Bislang hat keine der zahlreichen Zeugenaussagen Wiedeking und Härter substantiell belastet.

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