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02.01.2009

23:12 Uhr

Windkraftanlagenbauer

Inder suchen Nähe zu Repower

VonMartin Murphy

Der Windkraftanlagenbauer Suzlon will die deutsche Repower enger an sich binden. Der Großaktionär lotet eine engere Zusammenarbeit aus und kauft weitere Anteile des Windkraftspezialisten. Bei der Finanzierung könnte Suzlon Hilfe von zwei Finanzinvestoren bekommen.

Die von Suzlon-Chef Tanti geplante engere Einbindung von Repower kommt nicht unerwartet. Ein gemeinsames Auftreten könnte die Lücken in der jeweiligen Abdeckung schließen. Foto: dpa Quelle: dpa

Die von Suzlon-Chef Tanti geplante engere Einbindung von Repower kommt nicht unerwartet. Ein gemeinsames Auftreten könnte die Lücken in der jeweiligen Abdeckung schließen. Foto: dpa

DÜSSELDORF "Bei Produktportfolio und Marktpräsenz ergänzen sich Suzlon und Repower - und beide werden nun daran arbeiten, weitere Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zu finden", sagte Suzlon-Chef Tulsi Tanti dem Handelsblatt. Im Vordergrund dürfte neben einer engeren Kooperation in Forschung und Entwicklung der Vertrieb stehen, der enorme Synergiepotenziale bietet.

Bislang treten Suzlon und die mehrheitlich übernommene Repower getrennt am Markt auf, könnten aber bei einer Zusammenarbeit Lücken in der jeweiligen Abdeckung schließen. So ist der indische Windmühlen-Hersteller in Asien und den Vereinigten Staaten mit seiner Vertriebsmannschaft präsent, Repower deckt hingegen Europa ab. Die Kooperation zwischen den Gesellschaften erstreckt sich bislang nur über wenige Bereiche. Die Hamburger etwa kaufen Getriebe für ihre Windkraftanlagen bei der Suzlon-Tochter Hansen. Repower äußerte sich nicht zu den Plänen des Großaktionärs, verwies aber darauf, dass die Gesellschaft unabhängig sei.

Die von Tanti geplante engere Einbindung von Repower kommt nicht unerwartet. So kauft Suzlon von der portugiesischen Martifer weitere Repower-Aktien und nimmt damit bis Mai dieses Jahres 91 Prozent des Unternehmens unter seine Kontrolle. Der Konzernchef hielt sich bedeckt darüber, ob die Beteiligung aufgestockt werden soll. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich keine Aussagen dazu treffen." Eine vollständige Übernahme gilt in Branchenkreisen eher lang- als kurzfristig als wahrscheinlich, da Suzlon bei einem Kompletterwerb für Kredite der Repower AG gerade stehen müsste. Die Hamburger verhandeln derzeit mit einem Bankkonsortium über Kreditlinien in Höhe von 600 Mio. Euro. Die Mittel sollen in den ersten Monaten dieses Jahres frei gegeben werden. Eine Bedingung der Banken war, dass ein vereinbarter Beherrschungsvertrag mit Suzlon aufgelöst wurde.

Die Finanzlage von Suzlon gilt als angespannt, die Firma kann das Aktienpaket von Martifer nur unter großen Anstrengungen übernehmen. Da der Kauf schon seit längerer Zeit vereinbart war, liegt der vereinbarte Preis mit 270 Mio. Euro um rund ein Drittel über dem aktuellen Marktpreis. Auch wenn Tanti dies nicht anficht: "Die neuen Konditionen betreffen nur den Zeitplan der Zahlungen, nicht den Kaufpreis", sagte er. Der Erwerb ist ein enormer Kraftakt für die Inder. Eine dafür geplante Anleihe musste Suzlon im Oktober mit Verweis auf die Finanzkrise absagen.

Nun will das Unternehmen den Erwerb über Kredite und eigene Mittel stemmen; die Transaktion wurde daher in drei Schritte gestaffelt. Am Dienstag übernahm Suzlon die erste Tranche für 65 Mio. Euro.

Bei der Finanzierung könnte Suzlon Hilfe von den Finanzinvestoren TPG und Carlyle erhalten, die nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters eine Beteiligung von bis zu 15 Prozent an der Gesellschaft prüfen. Tanti lehnte einen Kommentar dazu ab. Die Übernahme von Repower haben die Inder in einer Hochphase der Erneuerbaren Energien eingeleitet, allerdings haben sich die Vorzeichen gedreht. Den Firmen aus dem Industriezweig setzt die Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe neuer Kredite zu. Auch Tanti sieht die Branche in diesem Jahr von dem Konjunkturabschwung beeinflusst. "Die Windindustrie wird von der globalen Finanzkrise belastet", sagte er. Allerdings sei der fundamentale Trend unverändert gut.

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