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18.07.2013

07:05 Uhr

Windreich-Vorstand

„Um mich aufzuhalten, müsste man mich einsperren“

VonOliver Stock

ExklusivDie Staatsanwaltschaft wirft dem Chef des Windparkentwicklers Windreich Bilanzfälschung vor. Im Gespräch gibt sich Willi Balz siegessicher.

WolfschlugenWilli Balz - graues kurzes Haar, sonnengebräuntes Gesicht, und eine Aussprache, die seine Herkunft zweifelsfrei belegt - sitzt in seinem Büro im schwäbischen Städtchen Wolfschlugen. Der 53-Jährige ist hier aufgewachsen. Das Elternhaus steht um die Ecke von seiner Firma, die er in einem unspektakulären Gewerbebau untergebracht hat. Das Büro schmücken Souvenirs, die seine Erfindungen und sein Lebensinhalt sind: Flugzeugmodelle - Balz ist begeisterter Pilot. Echte Renn-Motorräder - Balz fährt auch diese Maschinen und hat in jungen Jahren einen speziellen Lufteinlasskanal konstruiert, der die Motoren schneller macht. Und natürlich Windräder – der Bau von Windparks ist Balz` Lebenswerk.

35 Prozent der Offshore-Flächen in Deutschland, also jener Bereich im Meer, wo riesige Windräder aufgestellt werden dürfen, gehören zu Windreich. Die Firma ist ein wichtiges Rad für das Gelingen der Energiewende. Doch Balz steht unter Druck. Die Staatsanwaltschaft hat seine Räume durchsucht. Er sieht sich dem Vorwurf des Bilanzbetrugs ausgesetzt. Balz ist angespannt. Nach unserem Gespräch setzen wir uns in seinen auf Elektroantrieb umgebauten Jaguar-E-Type. Balz entspannt sich. „Geht nicht, gibt es nicht“, sagt er. Es könnte sein Lebensmotto sein.

Handelsblatt Online: Herr Balz, was ist Ihr Geschäftsmodell?
Willi Balz: Meine Firma baut Offshore-Windparks und beschafft alle für deren erfolgreiche Umsetzung erforderlichen Komponenten. Das heißt: Wir sorgen für die Baugenehmigung, beschaffen die Maschinen, die Netzanbindung und die Finanzierung . Am Ende verkaufen wir schlüsselfertige Windparks in der Nord- und Ostsee und bieten Finanzinvestoren hierfür auch die technische und kaufmännische Betriebsführung an.

Und wo liegt das Problem?
Welches Problem?

Zitterpartie für Anleger: Die Windgeschäfte des Willi Balz

Zitterpartie für Anleger

Die Windgeschäfte des Willi Balz

Eine Gefahr für die Energiewende besteht bei einer möglichen Windreich-Pleite nicht.


Am 5. März haben 30 Beamte unter Leitung der Staatsanwaltschaft ihre Räume hier in Wolfschlugen durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Die Ermittler haben den Verdacht, dass Bilanzen manipuliert wurden. Seither ist die Finanzierung ihrer Projekte in Gefahr. Zwei Anleihen sind derzeit in die Knie gegangen. Sie zahlen ihre Angestellten teilweise aus eigener Tasche, der Zugang zu Investoren ist schwer, das Vertrauen ist weg.
Alle gegen mich von meinen Gegnern in anonymen Anzeigen erhobenen Vorwürfe kann ich entkräften. Meiner Firma gehören 35 Prozent der Offshore-Windpark-Flächen vor den deutschen Küsten. Derzeit habe ich 19 Offshore-Projekte am Laufen. Das erste, Global Tech I, liefert bereits Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe pro Monat. Es wird ab jetzt jedes Jahr ein neuer Offshore-Windpark in Betrieb genommen. Es ist doch klar, dass es bei den großen in der Energiebranche Begehrlichkeiten schürt, wenn ihnen ein kleiner Mittelständler aus Schwaben vormacht, wie es geht. Aber um mich aufzuhalten, müsste man mich schon einsperren oder erschießen. Die Verlierer der Energiewende würden viel verlorene Zeit aufholen, wenn sie unsere erheblichen Vorleistungen unter sich aufteilen könnten.

Wie haben Sie den Tag, an dem der Staatsanwalt klingelte, erlebt?
Ich war zufällig an diesem Tag im Betrieb. Um neun Uhr klingelte es und 30 höfliche und freundliche Beamte standen vor der Tür. Sie haben alles mitgenommen. Dann sitzt man abends in seinem leeren Büro und versucht sich zu sortieren. Ich war kurz geschockt. Aber nach drei Tagen waren wir wieder arbeitsfähig.

Kommentare (36)

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btw

18.07.2013, 07:16 Uhr

Da wird der etablierten Energielobby kräftig in die Suppe gespuckt, wie es scheint.
Mal sehn, was die Staatsanwaltschaft davon hält und ob die Vorwürfe zu halten sein werden.

Frieda

18.07.2013, 07:43 Uhr

Solche Typen braucht das Land !

Sollte die Staatsanwaltschaft nichts gravierendes finden, dann wird hoffentlich gegen diejenigen ermittelt, die diese Ermittlungen ausgelöst haben.

efpe

18.07.2013, 07:47 Uhr

Kann mir bitte jemand der sich in diesem Geschäft auskennt, erklären, weshalb die Energieparks dann verkauft werden, wenn sie betriebsbereit sind und Einnahmen generieren? Er schreibt von Millioneneinnahmen pro Monat, wie hoch ist aber der Gewinn dabei?

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