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07.02.2005

16:22 Uhr

HB: In Deutschland wurde die Beteiligung des französischen Staates am Rettungspaket für Alstom als ein Wiederaufleben der totgesagten Industriepolitik kritisiert. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Kron: Ich sehe die Rolle des Staates als die eines Katalysators, der bestehende Entwicklungen beschleunigt. Der Großteil der Rekapitalisierung stammte bereits vorab von unseren Aktionären. Der Staat hat gesehen, dass Alstom eine Art "Betriebsunfall" nach dem Zukauf der ABB-Turbinen erlitten hatte. Sein Eintritt in unser Kapital hat für Stabilität gesorgt. Ohne den französischen Staat wäre eine Rettung schwierig verlaufen. Grundsätzlich ist das Unternehmen aber lebensfähig. Ich habe mir fest zum Ziel gesetzt, dass der Staat innerhalb von vier Jahren seine Alstom-Aktien mit Gewinn verkaufen kann.

HB: Ihr deutscher Konkurrent Siemens hat jüngst angekündigt, den Rettungsplan nicht gerichtlich anzufechten, und sendet damit ein freundliches Signal aus. Wie würden Sie heute Ihr Verhältnis zu Siemens beschreiben?

Kron: Wie der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer es schon vor geraumer Zeit sagte: "Das Kapitel ist abgeschlossen." Auch ich möchte nach vorn blicken. Es gibt für mich keinen Grund, eine Zusammenarbeit mit Siemens auszuschließen, wenn dies für beide Unternehmen und den Kunden sinnvoll ist - wie im Fall der Lokomotiven für die französische Bahn, SNCF. Weitere Felder für Kooperationen zwischen beiden Unternehmen sind gewiss vorstellbar.

HB: Gefährdet der in der vergangenen Woche neu aufgeflammte Streit zwischen EU-Kommission und französischer Regierung das Alstom-Rettungspaket?

Kron: Klares Nein. Wir sind auf Kurs mit der Umsetzung unseres Sanierungsprogramms. Es ist mein Verständnis, dass es gegenwärtig Diskussionen zwischen dem französischen Finanzministerium und der EU-Kommission gibt. Dabei geht es um eine Klarstellung und um Korrekturen einzelner Verzögerungen bei der Umsetzung von Verpflichtungen seitens des französischen Staates. Das ist aber alles nur verwaltungstechnischer Natur. Dies hat keinen direkten Bezug zu unseren Aktivitäten. Die Verpflichtungen, die wir eingegangen sind, werden derzeit umgesetzt, und wir berichten regelmäßig darüber an die Kommission.

HB: Die EU-Kommission schreibt Ihnen vor, dass Alstom binnen vier Jahren industrielle Partnerschaften eingehen muss. Strebt Alstom in diesen Partnerschaften stets die Führung an?

Kron: Grundsätzlich ja, aber nicht unbedingt immer. In einzelnen Fällen werden wir sicherlich die Führung übernehmen, wie bei dem genannten Joint Venture in China. Bei anderen Kooperationen werden wir dies von Fall zu Fall überprüfen. Das Eingehen von Partnerschaften darf jedenfalls nicht zu einer Demontage des Konzerns führen. Wir werden keine Kooperationen eingehen, die uns schwächen.

Lesen Sie das komplette Interview am Dienstag in der neuesten Ausgabe des Handelsblatts.

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