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25.04.2015

20:24 Uhr

Wird es Änderungen geben?

So verteilt sich die Macht bei VW auf den PS-Clan Porsche und Piëch

Was passiert mit Ferdinand Piëchs 13 Prozent an PSE-Stammaktien? Um eine Idee zu bekommen, müssen zunächst einmal die Machtverhältnisse im VW-Konzern durchschaut werden. Das Konstrukt des Hauses ist vielschichtig.

Autounternehmer Ferdinand "Ferry" Porsche jr., rechts, und sein Vater Ferdinand Porsche stehen neben einem Sportwagen der Marke "Porsche". Volkswagen und Porsche sind aus einer Wurzel hervorgegangen. ap

Autounternehmer Ferdinand "Ferry" Porsche jr., rechts, und sein Vater Ferdinand Porsche stehen neben einem Sportwagen der Marke "Porsche". Volkswagen und Porsche sind aus einer Wurzel hervorgegangen.

Wolfsburg/SalzburgDer Autokonstrukteur und Porsche-Gründer Ferdinand Porsche (1875 - 1951) hat mit dem legendären VW-Käfer die Keimzelle des Weltkonzerns Volkswagen geschaffen. Seine Nachfahren halten heute den größten Teil der Macht bei Europas Marktführer in ihren Händen.

Ein Überblick: Der VW-Konzern mit seinen zwölf Fahrzeugmarken hat zwei Aktienarten. Die Vorzugsaktien werfen mehr Dividende ab, beinhalten dafür aber keine Stimmrechte für die Weichenstellungen auf der Hauptversammlung.

Das Stimmrecht liegt bei den Stammaktien, kurz genannt Stämme. 50,73 Prozent dieser Stämme, also knapp die absolute Mehrheit, entfallen auf die Stuttgarter Porsche Automobil Holding SE (PSE). Sie versuchte vor rund sechs Jahren vergeblich, die alleinige Macht beim VW-Konzern zu holen, wofür mindestens 75 Prozent der Stämme nötig gewesen wären.

Drei beispiellose Wochen VW-Machtkampf

10. April

Piëch rückt überraschend von Vorstandschef Martin Winterkorn ab. Er sagt dem „Spiegel“: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) - beide im Volkswagen-Aufsichtsrat - stärken Winterkorn daraufhin den Rücken.

12. April

VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche geht auf Abstand zu seinem Cousin Piëch: „Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie (...) nicht abgestimmt ist.“ Die Familien Porsche und Piëch halten die Stimmmehrheit an VW.

16. April

Der engste Kreis des Aufsichtsrats, das sechsköpfige Präsidium, kommt zu einem Sondertreffen in Salzburg zusammen. Mit von der Partie ist auch Vorstandschef Winterkorn.

17. April

Das Aufsichtsrats-Präsidium erklärt, Winterkorn sei der „bestmögliche“ Vorstandschef. Sein bis Ende 2016 laufender Vertrag solle verlängert werden. Nach dpa-Informationen hatte Piëch beim Sondertreffen alle übrigen fünf Mitglieder des Präsidiums gegen sich.

19. April

Winterkorn sagt wegen eines grippalen Infekts einen Auftritt auf der Automesse in Shanghai ab. In Medien wird darüber spekuliert, dass nun Piëch um seinen Posten bangen muss. Dies wird im Konzern zurückgewiesen. Der niedersächsische Regierungschef Weil erklärt, er setze weiter sowohl auf Piëch als auch auf Winterkorn.

22. April

Altkanzler Gerhard Schröder springt Piëch zur Seite. Schröder, der zu seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident selbst im VW-Aufsichtsrat saß, sagt der „Bild“-Zeitung, Piëch habe für den Konzern und dessen Beschäftigte „unermesslich viel getan“.

23. April

Nach übereinstimmenden Informationen des NDR, der „Welt“ und der dpa hat Piëch versucht, Winterkorn vor der Hauptversammlung am 5. Mai absetzen zu lassen. Piëch dementiert dies und erklärt: „Wir haben uns letzte Woche ausgesprochen. Und uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht.“

25. April

Piëch hat den Machtkampf an der VW-Spitze verloren. In einer Pflichtmitteilung für die Börse teilt das Unternehmen überraschend mit, dass der 78-jährige Konzernpatriarch und seine Frau Ursula mit sofortiger Wirkung ihre Kontrollmandate aufgeben.

30. April (I)

Auf Antrag des Konzernvorstandes beruft das Amtsgericht in Braunschweig Piëchs Nichten Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34) als neue Aufsichtsratsmitglieder. Grundlage dafür ist Paragraf 104 im Aktiengesetz. Die beiden Frauen können nun die Amtszeit des Ehepaars Piëch aufbrauchen, sie läuft noch bis Frühling 2017.

30. April (II)

Nach Informationen des „Spiegel“, der „Bild“ und der dpa wünscht sich Piëch anstelle seiner Nichten den früheren BMW- und Linde-Manager Wolfgang Reitzle, der aktuell den Aufsichtsrat beim Autozulieferer Continental leitet. Die Reitzle-Idee hegte Piëch schon lange vor diesen turbulenten Tagen. Und er wolle die langjährige Siemens-Vorstandsfrau Brigitte Ederer als Kontrolleurin an Bord.

Als Ergebnis steht nun gut die Hälfte des VW-Konzerns unter dem Dach der PSE. Und bei der wiederum haben die Porsches und Piëchs das alleinige Sagen, denn nach dem Ausstieg des Emirats Katar besitzen sie sämtliche Stämme der Holding. Allerdings entfallen die Anteile nicht zu gleichen Teilen auf die zwei Familienzweige Porsche und Piëch, deren unterschiedliche Namen übrigens daraus resultieren, dass die Porsche-Tochter Louise in den Namen Piëch hineinheiratete.

Die Porsches haben mit gut 50 Prozent der PSE-Stämme ein leichtes Übergewicht zu den Piëchs. Das liegt daran, dass in den 1980er Jahren ein Piëch-Spross (Ernst) sein Paket versilberte und es zu gleichen Teilen an die zwei Familienflügel ging, was die Aufteilung verschob.

Jedoch zwingen Verträge den PS-Clan, mit einer Stimme zu sprechen. Die Porsches können die Piëchs also nicht überstimmen - trotz des leichten Übergewichts bei ihren Stammanteilen. Zudem ist geregelt, dass Anteilsverkäufe der Familie angedient werden müssten. Es kann also gegen den Willen des Clans nichts an Externe fallen.

Ferdinand Piëch und seinem Bruder Hans Michel sind nach jüngsten Informationen jeweils 13,16 Prozent der PSE-Stammaktien zuzuordnen. Mit der weiteren Erbfolge fächern sich die Anteile auf. Der Clan der Porsche-Nachfahren zählt inzwischen viele Dutzend Mitglieder.

Von

dpa

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