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29.03.2012

09:02 Uhr

Wirtschaftspolitik

Das vergessene Morgenland

VonMartin Murphy

Die deutsche Wirtschaft beklagt sich über zu wenig Auftrage am Golf und in Nordafrika. Es fehle vor allem an politischer Unterstützung. Vom wirtschaftlichen Aufschwung der Region profitiert vor allem die Konkurrenz.

Ein Falkner trainiert seinen Vogel in Tabuk, Saudi-Arabien. Die deutsche Wirtschaft fordert ein stärkeres Engagement der Bundesregierung in der arabischen Welt. Reuters

Ein Falkner trainiert seinen Vogel in Tabuk, Saudi-Arabien. Die deutsche Wirtschaft fordert ein stärkeres Engagement der Bundesregierung in der arabischen Welt.

DüsseldorfDie deutsche Wirtschaft fordert ein stärkeres Engagement der Bundesregierung in der arabischen Welt. „Wir würden uns wünschen, dass Regierungsvertreter häufiger die Gelegenheit nutzen, bei Besuchen in der Region und bei Gesprächen mit der Politik die Leistungsfähigkeit der deutschen Unternehmen zu unterstreichen“, sagte Olaf Berlien, Vorsitzender der Nordafrika Mittelost Initiative der Deutschen Wirtschaft (NMI), dem Handelsblatt. Jeder, der in der Region gearbeitet habe, wisse um die große Bedeutung von persönlichen Beziehungen für die dortige Geschäftskultur, sagte Berlien. „Deshalb wäre es aus meiner Sicht gut, die Begegnungen auch auf politischer Seite weiter zu verstetigen.“

Berlien, der auch Technologievorstand von Thyssen-Krupp ist, hat vor einem Jahr den Vorsitz des NMI übernommen; in der Vereinigung bündeln die Wirtschaftsverbände BDI, DIHK und Bankenverband ihre Interessen. Der Appell an die Politik kommt in einer kritischen Phase. Mit dem arabischen Frühling haben sich die Machtverhältnisse in Tunesien, Ägypten und Libyen verschoben. Derweil spitzen sich die Konflikte in Syrien und Iran zu. In dieser Gemengelage zwischen Chance und Risiko müssen die Unternehmen mit der Konkurrenz aus Asien sowie den traditionell stark vertretenen Briten und Amerikanern bestehen.

Das Potenzial der Region ist gewaltig. Die Golfstaaten haben allein im vergangenen Jahr ihre Importe um 13 Prozent auf 280 Milliarden Euro erhöht. Aus Deutschland kamen aber nur fünf Prozent mehr als im Vorjahr, hat die staatliche Agentur Germany Trade & Invest berechnet. Marktanteile hinzugewonnen haben Südkorea und China. Die Golfstaaten exportieren immer mehr Öl nach Asien, damit verschiebt sich auch die Ausrichtung bei der Suche nach Partnern für den Aufbau der eigenen Industrie.

Seit einigen Jahren investieren Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in ihre Infrastruktur und die Diversifizierung ihrer Wirtschaft. Sie wollen sich damit von den Einnahmen aus dem Ölverkauf unabhängiger machen. „Im Jahr 2011 wurden in diese Staaten Großprojekte im Wert von 106,6 Milliarden Dollar vergeben“, sagte Berlien.

Die Chancen der deutschen Firmen seien grundsätzlich gut. Sie gelten als innovativ und zuverlässig. Unter der früheren rot-grünen Regierung konnten sich die Unternehmen über fehlende Unterstützung nicht beklagen. Gerhard Schröder baute in seiner Zeit als Bundeskanzler eine enge Bindung zu den Eliten vor allem in den Golfstaaten auf, die bis heute hält. Angela Merkel hingegen bereist selten die Region, erst einmal war sie in der laufenden Legislaturperiode in Saudi-Arabien.

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