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22.05.2013

13:40 Uhr

Wirtschaftsverbände

Politik soll Unternehmen entlasten

Sie schlagen Alarm und fordern bessere Produktionsbedingungen: BDI und Industrie- und Handelskammertag sehen das Risiko, dass deutsche Firmen unter den aktuellen Bedingungen dem Standort Deutschland den Rücken kehren könnten.

Will Taten von der Politik sehen, die es Unternehmen in Deutschland leichter machen: Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, in Kontakt mit Kanzlerin Angela Merkel. dpa

Will Taten von der Politik sehen, die es Unternehmen in Deutschland leichter machen: Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, in Kontakt mit Kanzlerin Angela Merkel.

DüsseldorfFührende Wirtschaftsverbände haben angesichts hoher Energiekosten vor einer Abwanderung deutscher Unternehmen in die USA gewarnt. Die US-Regierung unter Präsident Barack Obama habe mit ihrer Unterstützung der Gasförderung im Inland für sinkende Energiepreise gesorgt, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, dem Handelsblatt. „Das bedeutet für uns, dass einige Unternehmen verstärkt dort investieren werden.“

Deutschland müsse deshalb „aufpassen, dass sich damit kein Prozess einer schleichenden Desinvestition festsetzt“ - also dass sich Unternehmen schrittweise vom Standort Deutschland verabschiedeten, sagte Grillo der Zeitung. So könnten etwa Chemieunternehmen und Zulieferer in die USA ziehen. Wacker Chemie startete 2011 den Bau einer Fabrik im US-Bundesstaat Tennessee, die 2015 die Produktion aufnehmen soll. Der weltgrößte Chemiekonzern BASF sieht angesichts der niedrigen Gaspreise in den USA klare Wettbewerbsvorteile.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

Ähnlich wie der BDI warnt auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor der wachsenden Attraktivität des Standorts USA. „Im Vergleich zu Europa sind die USA deutlich attraktiver geworden“, sagte DIHK-Chef Martin Wansleben laut Handelsblatt.

Die USA haben in den vergangenen Jahren die sogenannte Fracking-Technologie massiv vorangetrieben, mit der Gas aus schwer zugänglichen Gesteinsschichten gelöst und gefördert werden kann. Die Bundesregierung will ein Gesetz auf den Weg bringen, dass die Bedingungen festlegen soll, unter denen die Technologie auch in Deutschland eingesetzt werden darf. Allerdings gibt es auch massive Bedenken und Kritik am Fracking.

Fracking steht für „hydraulic fracturing“, was so viel wie hydraulisches Aufbrechen bedeutet. Dabei werden Wasser, Sand und Chemikalien in unterirdische Gesteinsschichten gepresst und dadurch Druck erzeugt, um Gas oder auch Öl freizusetzen. Kritiker bemängeln unter anderem den Einsatz der Chemikalien, in denen sie eine Gefahr für das Trinkwasser sehen. Am Mittwoch wollen die Staats- und Regierungschefs der EU auf einem Gipfeltreffen Beschlüsse verabschieden, die eine finanzierbare Energieversorgung für Industrie und Verbraucher gewährleisten sollen.

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

22.05.2013, 14:11 Uhr

Die Löhne sind am Boden, dagegen muß man di eKeule also nicht schwingen.
Nun ist es das Fracking, das bestimmte Kreise erzwingen wollen. Wenn das Grundwasser im dichtbesiedelten Deutschland dann verseucht ist, die dann privatisierten Wasserwerke die Preise erhöhen müssen, um unverseuchtes Wasser zu bekommen, sind die Fracking-Konzerne mit Ihren Gewinnen weg. Was bleiben wird, ist vergiftetes Wasser.

Übrigens, Erdgas kann man auch mit der Methansysnthese aus Windkraft gewinnen. Risikolos und auf Dauer. Mit zunehmender Forschung auch immer effizienter.
Fracking dagegen, wird nur wenige Jahre zur Entlasung bei den Gaspreisen führen.

Prophet

22.05.2013, 14:17 Uhr

Wie kann man eigentlich auf die Idee kommen. sein eigenes Trinkwasser zu vergiften, um sich einen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen.
Man bedenke: Die Geologie ist nicht statisch. Die Erde verändert sich ständig. Gift, was heute in den Boden gelangt, wird irgendwann wieder zum Vorschein kommen. Aber dann hoffen die Experten ja nicht mehr zu leben, die heute so sehr für Fracking sind.

Waerschtlamo

22.05.2013, 16:09 Uhr

Dann sollen die Herrschaften doch endlich gehen.
Ewig das Gejammer und Geklapper mit dem Sargdeckel wenn man den Staat erpressen will.
Noch leben diese Herrschaften im Land mit der besten industriellen Infrastruktur auf der ganzen Welt (die die FDP zwar kaputt machen will durch Privatisierung), die fast ausschließlich vom Steuerzahler (zu denen diese Herren nicht gehören)bezahlt wurde.
Wie lange wollen wir uns diesen Affentanz noch gefallen lassen?

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