Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.07.2014

14:54 Uhr

WM in Brasilien

Fußball-Fieber lähmt Wirtschaft kaum

In den meisten Büros dürften am Freitag bis zum DFB-Spiel die Schotten dicht sein. Bei den Konzernen mit Schichtbetrieb sieht es anders aus. Der Umgang mit der fußballbegeisterten Belegschaft reicht von milde bis streng.

Vor allem die Prozessindustrie kann Hochöfen oder Chemieanlagen während der Fußballspiele nicht einfach stilllegen. dpa

Vor allem die Prozessindustrie kann Hochöfen oder Chemieanlagen während der Fußballspiele nicht einfach stilllegen.

München/ParisDeutschland und Frankreich heute um 18.00 Uhr: Leergefegte Straßen, volle Fanmeilen und Kneipen beiderseits des Rheins. Doch was machen die Fußballanhänger, die um die Zeit arbeiten müssen? Glück haben die Beschäftigten des VW -Stammwerks in Wolfsburg, denn der Autobauer lässt wegen des Viertelfinalspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich gleich die komplette Spätschicht ausfallen. Auch die BMW -Mitarbeiter in Regensburg dürfen Fußball schauen statt bis spätabends Autos zu bauen - allerdings müssen sie die gestrichene Spätschicht an einem Samstag im August nacharbeiten. Andere Arbeitgeber sind nicht so locker: Für Daimler als Hauptsponsor von Joachim Löws Kader geht der Profit vor. Schichten würden nicht verkürzt, sagte ein Sprecher.

Allenfalls am Montag will das Management überlegen, ob für das Halbfinale der Schichtplan geändert wird. So war es schon bei der Europameisterschaft 2012. "Jetzt sehen wir erst mal, ob die Burschen gewinnen", ergänzte der Sprecher. Kanzlerin Angela Merkel, die gerne nach der Partie die verschwitzten Sportler in der Umkleidekabine aufsucht, ist da optimistischer. "Sie wünscht sich, dass die Mannschaft gewinnt - egal wie", richtete Regierungssprecher Steffen Seibert aus. Merkel wird das Spiel allerdings vor dem Fernseher und nicht live im legendären Maracaná-Stadion in Rio de Janeiro sehen. Bei ihrem Kollegen Francois Hollande macht die deutsch-französische Freundschaft auch angesichts der sportlichen Hopp-oder-Top-Begegnung keine Pause: Der Präsident will das Spiel im Elysee-Palast in Paris gucken, umringt von französischen Schulabgängern, die ihr Deutsch-Examen mit Bestnoten bewältigt haben.

In den meisten Büros dürften bis zum Anpfiff für das Achtelfinale die Schotten dicht sein, ein Großteil der Angestellten in Deutschland verfügt über Gleitzeit und kann sich rechtzeitig auf den Weg vor den Bildschirm machen. Doch in den Werkshallen mit Schichtbetrieb reicht der Umgang der Unternehmen mit ihrer Belegschaft von milde bis streng.

Deutsche Wirtschaft: Top-Manager bezweifeln WM-Effekt

Deutsche Wirtschaft

Top-Manager bezweifeln WM-Effekt

Die Deutschen haben die WM-Vorrunde überstanden – der Auftakt für einen WM-Sommer, der auch die Wirtschaft ankurbelt? Zwei Drittel der deutschen Top-Manager sehen die Wirkung solcher Großereignisse als überschätzt an.

Während bei BMW oder in den Siemens-Werken jeder Standort mit Schichtbetrieb selbst entscheidet, gibt es andernorts kein Pardon. Vor allem die Prozessindustrie kann Hochöfen oder Chemieanlagen nicht einfach stilllegen. Keine Ausnahmen macht etwa BASF. "Grundsätzlich ist es den Mitarbeitern nicht gestattet, während der Arbeitszeit Fußball per TV oder Internet zu schauen. Dies ist unter anderem aus Sicherheitsgründen nicht möglich", erklärte ein Firmensprecher. Allenfalls in den Pausen dürften die Mitarbeiter ausnahmsweise mal im Internet nachschauen, wie es steht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×