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19.06.2013

13:35 Uhr

Wohnwagenhersteller

Absatzkrise für Bürstner

Angesichts von Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen scheut sich das europäische Ausland vor Investitionen. Darunter leidet nun auch Reisemobilhersteller Bürstner und erwartet einen Absatzrückgang von bis zu 18 Prozent.

Bürstner leidet 55 Jahre nach seiner Gründung unter wirtschaftlichen Unsicherheiten im europäischen Ausland. Das Unternehmen rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit 15 bis 18 Prozent Absatzrückgang. dpa

Bürstner leidet 55 Jahre nach seiner Gründung unter wirtschaftlichen Unsicherheiten im europäischen Ausland. Das Unternehmen rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit 15 bis 18 Prozent Absatzrückgang.

KehlDer Reisemobil- und Wohnwagenhersteller Bürstner leidet unter wirtschaftlichen Unsicherheiten im europäischen Ausland. In den Exportmärkten gebe es eine große Kaufzurückhaltung, sagte Geschäftsführer Klaus-Peter Bolz am Donnerstag im badischen Kehl. Verbraucher scheuten sich angesichts von Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen vor Investitionen.

Der Absatz gehe deutlich zurück. Dies gelte vor allem für Spanien, Italien und Frankreich, aber auch für die Niederlande. Im Inland sei der Markt weitgehend stabil. Ausgleichen könne er die Verluste im Ausland aber nicht. Dieser Trend werde anhalten.

Was bedeuten die CO2-Vorschläge der EU-Kommission?

Was bedeuten die Pläne für Autofahrer?

Kritiker warnen vor steigenden Verkaufspreisen, Befürworter werben mit sinkenden Spritkosten. „Das 95-Gramm-Ziel [wird] nicht ohne erhebliche Mehrkosten zu erreichen sein“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die EU-Kommission geht davon aus, dass ab dem Jahr 2020 neue Pkw 1100 Euro mehr kosten. Die Einsparungen beim Spritverbrauch lägen jedoch ungleich höher: Zwischen 2900 und 3800 Euro ließen sich über die Betriebsdauer eines Autos an der Tankstelle einsparen. Das Durchschnittsauto hätte laut Greenpeace dann einen Spritverbrauch von 3,7 Liter pro 100 Kilometer.

Werden deutsche Hersteller benachteiligt?

Die Vorgaben verlangen besondere Anstrengungen von den Produzenten schwerer Pkw. In diesem Segment ist Deutschland besonders stark vertreten. Gerade VW ging laut EU-Diplomaten deshalb dagegen an. Im Verhältnis zum Gewicht sollen allerdings alle gleich viel einsparen - und zwar 27 Prozent an Kohlendioxid pro Kilometer mehr als bei der geltenden Vorgabe von 130 Gramm. Die deutsche Autoindustrie hatte schwere Wagen weniger stark belasten wollen.

Was müssen die einzelnen Hersteller erreichen?

Damit die gesamte europäische Pkw-Flotte 2020 auf einen Durchschnittswert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer kommt, müssen die Hersteller noch zulegen. Nach Angaben von EU-Diplomaten müsste Daimler dann auf 98,8 Gramm kommen, BMW auf 100 Gramm und Fiat auf 87 Gramm - vorausgesetzt, das Fahrzeuggewicht ändert sich nicht. Hier ist nach Ansicht von Experten aber auch noch Luft für Einsparungen.

Wie reagieren Umweltverbände auf die Pläne?

Den Umweltverbänden gehen die Vorgaben nicht weit genug. Grüne, WWF, NABU, Greenpeace und Verkehrsclub Deutschland forderten einen strengeren Grenzwert von 80 Gramm pro Kilometer bis 2020. Dies sei technisch machbar, ökologisch geboten und ökonomisch sinnvoll. Zudem wollen sie eine Vorgabe für das Jahr 2025. Unzufrieden sind sie auch mit Ausnahmen für „verbrauchsarme“ Fahrzeuge wie Elektroautos. Hier dürfen sich Hersteller für jedes produzierte Auto 1,3 Wagen anrechnen lassen.

Was ist mit Kleintransportern?

Sie müssen nur einen Zielwert von 147 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. Die EU-Experten sagen, man wolle nicht schon wieder an erst vergangenes Jahr beschlossenen Regeln für leichte Nutzfahrzeuge rütteln. Das könne aber noch einmal überprüft werden.

Wie ist denn die Lage in der Autobranche derzeit?

Unterschiedlich. In der EU ist der Autoabsatz angesichts der Schuldenkrise seit Monaten auf Talfahrt. Vor allem in Spanien, aber auch Frankreich sind die Verkäufe eingebrochen. Der deutsche Automarkt dagegen steht noch gut da. Insgesamt steuert die Branche auf eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu. Konzerne wie Peugeot-Citroën, Opel, Fiat, die vom schwachen europäischen Markt abhängig sind, stecken in einer tiefen Krise und kämpfen gegen Überkapazitäten. Autoexperten erwarten Werksschließungen.

Können weltweite Exporte die Misere abmildern?

Konzerne, die weltweit gut aufgestellt sind, machen in der Tat die Schwäche in Europa durch das Wachstum vor allem in China und den USA mehr als wett. Unter den europäischen Herstellern zählen dazu neben dem breit aufgestellten VW-Konzern auch die Oberklasse-Hersteller Daimler und BMW. Neben den Klimaschutz-Vorgaben müssen die Hersteller aber Milliarden in neue Antriebstechnologien wie Elektro investieren.

Ist alles schon beschlossene Sache?

Nein. Die Mitglieder der EU-Kommission haben nun eine gemeinsame Position vorgestellt. Über diese verhandeln nun die EU-Länder und das Europaparlament.

Das knapp 1100 Mitarbeiter zählende Unternehmen rechnet den Angaben zufolge im laufenden Geschäftsjahr (bis 31. August) mit 15 bis 18 Prozent Absatzrückgang. Der Umsatz werde auf 280 Millionen Euro sinken. Im Jahr zuvor hatte er 334 Millionen Euro betragen. Der Gewinn gehe deutlich stärker zurück, sagte Bolz. Dennoch schreibe das Unternehmen weiter schwarze Zahlen.

Von

dpa

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