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06.03.2017

18:31 Uhr

Wolfgang Tiefensee

„Opel-Chef Neumann ist der richtige Mann"

VonFrank Specht

Rund 1.900 Beschäftigte arbeiten im Opel-Werk Eisenach. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sieht den Standort auch nach dem Verkauf an Peugeot gesichert – und setzt auf den Firmenchef.

„Letztendlich zählen wettbewerbsfähige Produkte“ dpa

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee

„Letztendlich zählen wettbewerbsfähige Produkte“

BerlinThüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) glaubt daran, dass Opel auch unter dem künftigen Eigentümer PSA Peugeot Citroën eine Zukunft hat. Aber nur, wenn die deutschen Werke noch stärker auf Effizienz getrimmt werden und an neuen Technologien mitarbeiten.

Herr Tiefensee, wie bewerten Sie die heute getroffene Vereinbarung zwischen PSA und GM?
Die genauen Details werden erst nach dem Closing in spätestens einem Dreivierteljahr feststehen. Aber ich bin optimistisch, weil wir einen Eigentümer bekommen, der die europäische Sprache spricht, sich mit dem europäischen und internationalen Markt auskennt und die Tarifvereinbarungen ohne Wenn und Aber übernimmt.

Die laufen aber nur bis 2018 beziehungsweise 2020…
Wie ich höre, wird an den geplanten Investitionen festgehalten. Das ist für Eisenach besonders wichtig, weil ja da ab 2019 die „Mokka“-Produktion beginnen soll. Mit gemischten Gefühlen, aber letztlich eher positiv sehe ich die Einführung von Plattformtechnologien, die Kostensenkungen in der Produktion und für die Kunden ermöglichen und hoffentlich keine Arbeitsplätze kosten.

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Lässt Sie auch die Elektromobilität hoffen?
Wenn die schrittweise Konzentration auf die Elektromobilität gelingt, wird aus einer im Augenblick eher kurz- bis mittelfristig stabilen Perspektive auch eine langfristige. Aber ich bin mir bewusst, dass wir uns auf einem heiß umkämpften Markt in Deutschland und Europa befinden, letztendlich zählen wettbewerbsfähige Produkte.

Hat PSA dann über die laufenden Tarifverträge hinaus Standortgarantien gegeben?
Nur insofern, als PSA die Qualität der Werke und Motivation der Beschäftigten gelobt hat. Aber PSA-Chef Tavares sieht natürlich, wie kostengünstig in den französischen Werken produziert wird und dass es bei Opel noch Luft nach oben gibt. Im Übrigen, auch bei GM waren die Verträge auf kurze Frist bemessen, eine langfristige Sicherheit gibt es in dieser Branche nicht. 

Peugeot und Opel im Vergleich

Opel - Ergebnis

Der deutsche Autobauer kam auch 2016 nicht aus den roten Zahlen. 257 Millionen Dollar Jahresverlust verbuchte die US-Mutter General Motors in ihrem Europa-Geschäft, was einer Verbesserung von rund 600 Millionen Dollar gegenüber 2015 entspricht. Opel wies bei der Vorlage der Zahlen darauf hin, dass ohne das Brexit-Votum und den Absturz des britischen Pfunds ein positives Jahresergebnis erreicht worden wäre. Der Umsatz des Opel/Vauxhall-Geschäfts betrug im vergangenen Jahr 17,7 Milliarden Euro.

PSA Group - Ergebnis

Dank radikaler Sanierung verdoppelte der französische Autobauer seinen Nettogewinn 2016 fast auf 1,7 Milliarden Euro. Gespart wurde bei Einkauf, Produktion und Verwaltung, auch höhere Preise trugen zum Anstieg bei. Der Umsatz verringerte sich im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 54 Milliarden Euro.

Opel - Absatz

Die Marke mit dem Blitz verkauft im Jahr rund eine Million Autos. 2016 erzielte der Hersteller mit einem Absatz von fast 997.000 Fahrzeugen einen Marktanteil von 6,6 Prozent in Westeuropa. Opel befindet sich nach eigenen Angaben in der größten Modelloffensive seiner Geschichte: Die Rüsselsheimer wollen bis 2020 insgesamt 29 neue Fahrzeuge und 17 neue Motoren auf den Markt bringen.

PSA - Absatz

Die Franzosen verkauften 2016 weltweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge ihrer drei Marken Peugeot, Citroen und DS. In Westeuropa, wo sie mit fast 1,5 Millionen Autos rund die Hälfte ihres Absatzes erzielen, hat der Konzern einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Damit lagen sie 2016 hinter Platzhirsch Volkswagen mit 24,1 Prozent und dem französischen Konkurrenten Renault mit 10,1 Prozent auf dem dritten Platz. Zusammen mit Opel will PSA den zweitgrößten Autobauer in Europa nach dem VW-Konzern schmieden und auf einen Marktanteil von 17 Prozent kommen. Peugeot hat angekündigt, in Europa 28 neue Modelle bis 2021 auf den Markt zu bringen.

Opel - Mitarbeiter

Opel beschäftigt gut 38.000 Mitarbeiter. Mehr als 19.000 davon arbeiten in Deutschland, vor allem in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach.

PSA - Mitarbeiter

Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeiter deutlich größer als Opel.

Quelle: Unternehmensangaben/Reuters

Sorge um den Standort Eisenach machen Sie sich also nicht?
Wir dürfen in den kommenden Jahren nicht nur mit dem „Mokka“ punkten, sondern müssen uns auf neue Technologien einstellen. Das gilt auch für die Zulieferer. Neue Antriebstechniken sind international auf dem Vormarsch, Eisenach muss hier dabei sein. Opel-Chef Neumann als absoluter Experte auf diesem Feld ist da der richtige Mann.

Hat der neue Eigentümer Forderungen gestellt, zum Beispiel Bürgschaften?
Nein, bislang nicht. Ich finde es gut, dass Opel eigenständig bleibt und die Werke in einem gemeinsamen Konstrukt zusammengefasst werden. Man arbeitet also zunächst daran, die Effizienz bei Opel selbst zu steigern. Opel beklagt schon lange, dass GM keine gemeinsamen Plattformen implementiert hat. Jetzt wird es darauf ankommen, dass ein solches Baukastensystem nicht zu Jobverlusten führt, sondern dass die Skaleneffekte zu kostengünstigeren Produkten führen und wir damit wettbewerbsfähiger sind. Mit Plattformen mehr Produkte in neue Märkte zu bringen, das muss das Ziel sein.

Herr Tiefensee, vielen Dank für das Interview.

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