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22.04.2016

17:00 Uhr

Wolfsburg und Dieselgate

Volkswagen versucht die Rückkehr zur Normalität

Acht Monate sind seit Ausbruch der Diesel-Affäre vergangen. Allmählich zeichnet sich ab, dass der Skandal den VW-Konzern, Vorstand und Anleger sehr viel Geld kosten wird. Doch es hätte noch schlimmer kommen können.

Aufsichtsrat Wolfgang Porsche (links) und Konzernchef Matthias Müller müssen einen Rekordverlust von VW erklären. dpa

Gedämpfte Stimmung in Wolfsburg

Aufsichtsrat Wolfgang Porsche (links) und Konzernchef Matthias Müller müssen einen Rekordverlust von VW erklären.

WolfsburgDer Abgasskandal hat Volkswagen den größten Verlust in der fast 80-jährigen Unternehmensgeschichte eingebrockt. Der Wolfsburger Konzern wies am Freitag für 2015 einen operativen Verlust von 4,1 Milliarden Euro aus. Unterm Strich müssen die VW-Aktionäre ein Minus von 1,6 Milliarden Euro hinnehmen. Nach den noch strengeren Bilanzierungsregeln des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) beträgt der Verlust der Volkswagen AG gar 5,5 Milliarden Euro.

Verantwortlich dafür sind Rückstellungen von 16,2 Milliarden Euro, um die Last des "Dieselgate"-Skandals zu schultern. Im Jahr zuvor hatte bei dem zwölf Marken - vom Motorrad bis zum Schwerlaster - umfassenden Fahrzeugimperium noch einen operativen Gewinn von 12,7 Milliarden Euro zu Buche gestanden. Der Skandal hat auch finanzielle Folgen für Vorstand und Aktionäre: Bonuszahlungen an das Top-Management werden um knapp 40 Prozent gekappt. Die Aktionäre erhalten eine Mini-Dividende von wenigen Cent.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die eine allmähliche Rückkehr zur Normalität suggerieren können. Schon um 11 Uhr solle man sich an diesem Freitag für ein Statement der führenden Kontrolleure bei Volkswagen bereithalten, hieß es im Vorfeld. Dann wollten der Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Ministerpräsident Stephan Weil und Wolfgang Porsche als mächtigster Vertreter der Familie vor die Öffentlichkeit treten. Auch Vorstandschef Matthias Müller sollte dabei sein. Womöglich auch Bernd Osterloh, der Betriebsratschef, ohne den in Wolfsburg ohnehin nichts entschieden wird.

Dann wäre man auch wieder in der Besetzung wie damals Ende September, als nach Bekanntwerden der Dieselaffäre in einer denkwürdigen Aufsichtsratssitzung unzählige strategische, personelle und finanzielle Entscheidungen getroffen werden mussten und anschließend „lastwagenweise“ Meldungen versandt wurden, wie es ein Sprecher damals nannte. Stunde um Stunde harrte damals eine Hundertschaft an Journalisten aus allen Erdteilen vor Tor Sandkamp, quasi dem Haupteingang des riesigen Werkes, aus. Verkündet wurde erst etwas, als es beinahe schon dämmerte.

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Dass diesmal sogar just zu dieser Zeit schon ein  Bus an Tor Sandkamp vorfuhr, um das knappe Dutzend Kamerateams und die rund 50 wartenden Journalisten zum zentralen Verwaltungsgebäude mitten im riesigen Wolfsburger Werk zu fahren, war eine Überraschung. Trotzdem dauerte es anschließend noch über vier Stunden, ehe es endlich losging. Das war der Masse an Themen geschuldet, die die zwanzig Aufseher an diesem Tag abzuarbeiten hatten.

Am Abend vorher war es später geworden als gedacht. Lange Diskussionen zu den vielen Themen, die den Konzern momentan belasten, waren nötig. Deswegen startete die Sitzung am Freitag auch erst um 9.45 Uhr, am Vortag war noch von acht Uhr die Rede. Die ersten schwarz verglasten Limousinen waren indes morgens schon um halb acht ins Werk gefahren. Ohne Kontrolle auf einer Extraspur.

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Das Zeichen nach außen waren jedoch gesetzt: Hier wird jetzt solide eine Krise abgearbeitet, deren Ausmaß sich noch vor einem Jahr nicht mal intimste Kenner des hochkomplexen Konzerngebildes vorstellen konnten. Deshalb hatten die jeweils zehn Vertreter der Kapital- und der Arbeitnehmerseite der Sitzung im Vorfeld bereits einen Rahmen gesteckt bekommen bei den wichtigsten Themen. Und schon am Donnerstag ab dem späten Nachmittag hatten sich erst das sechsköpfige Präsidium des Aufsichtsrates und anschließend die zehn Vertreter der Kapitalseite getroffen, um gemeinsame Positionen zu finden.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.04.2016, 17:17 Uhr

Ist für mich nicht nachvollziehbar, wie man(n) auf vertraglich fixierte Punkte in einem Arbeits- und Dienstvertrag als Angestellter eines Global Players freiwillig verzichten kann.

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