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20.04.2011

10:45 Uhr

Wollknäuel-Attacke

Hauptversammlung wird für RWE-Chef zum Spießrutenlauf

VonNils Rüdel

Die heutige Hauptversammlung von RWE ist eine ganz besondere. Mit der Klage gegen das Atom-Moratorium hat sich Vorstandschef Jürgen Großmann viele Feinde gemacht. Die Proteste sind heftig, aber auch sehr kreativ.

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Proteste vor RWE-Hauptversammlung

Video: Proteste vor RWE-Hauptversammlung

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EssenWollknäuel, überall Wollknäuel. Blaue, rote, gelbe. Sie fliegen durch die Luft, rollen am Boden ab, und irgendwann sind da überall Schnüre. Die Männer und Frauen im Rentenalter, die die U-Bahn-Treppe hinaufgegangen sind, haben sich verheddert. Sie müssen anhalten. Zumindest kurz, bis ein Polizist sein Messer zückt und die Schnüre durchschneidet.

Aktion gelungen. Sie wollten die Halle blockieren, das haben sie vorher vereinbart: Hunderte junge Leute, die mit Trillerpfeifen, Tröten und Transparenten vor der Essener Grugahalle stehen und "Ab-schal-ten!" schreien. Polizisten mit Kampfmontur stehen Spalier, um jene abzuschirmen, denen die Veranstaltung heute gilt.

Auch im Saal ging der Protest weiter. Immer wieder störten Demonstranten mit Trillerpfeifen die Rede von RWE-Chef Jürgen Großmann. Sie rollten Plakate aus und riefen „abschalten, abschalten“. Aktionäre versuchten, sie daran zu hindern. Es kam zu kleineren Handgemengen. Sicherheitskräfte führten die Demonstranten schließlich aus dem Saal.

Der Stromkonzern RWE hat zur Hauptversammlung in Essen geladen. Das ist zunächst einmal nichts Besonderes. In diesen Zeiten aber schon. Denn es ist jener Konzern, der doch so stark auf Atomkraftwerke setzt, mit einem Vorstandschef, der als "Atom-Dinosaurier" gilt und wahrscheinlich Deutschlands letzter großer Kernkraftfreund ist: Jürgen Großmann.

Für ihn dürfte die Hauptversammlung die unangenehmste in seiner Zeit als RWE-Chef werden. Sein strikter Atom-Kurs, dem niemand im Land mehr offiziell folgen mag, führt überall hin, nur nicht "voRWEg", wie es das Unternehmensmotto so schön verheißt.

In den vergangenen Tagen hatte sich der hünenhafte Manager noch selbst Mut zugesprochen: "Wir haben über 500 Millionen Aktien und tausende von Aktionären. Da ist doch klar, dass es auch unterschiedliche Meinungen gibt", sagte er. Die Kernkraftfrage wird nicht das einzige sein, das Großmann heute um die Ohren fliegen wird.

Dabei steht seine ganze Strategie im Visier der Aktionäre, denn die Aussichten sind düster. RWE ist in Europa der mit Abstand größte CO2-Emittent, weil der Konzern immer noch rund 60 Prozent des Stroms aus rußigen Stein- und Braunkohlekraftwerken gewinnt. Das ist nicht nur schädlich fürs Klima, sondern auch für die Konzernbilanz: Wenn ab 2013 auch die Energieversorger alle CO2-Verschmutzungsrechte ersteigern müssen, wird der operative Gewinn dadurch nach Schätzungen in jenem Jahr um 1,5 Milliarden Euro gegenüber 2010 schrumpfen.

Kommentare (4)

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FoCS

20.04.2011, 11:54 Uhr

Ich finde ganz wie Breuer die Profitmacherei auch absolut schändlich, deswegen kaufe ich nur Aktien von Unternehmen, die mit Sicherheit keinen Gewinn machen. Natürlich auch deswegen, damit ich nicht später in die Verlegenheit komme, meine Aktien mit Gewinn verkaufen und mich den Rest meines Lebens schämen zu müssen.

dano52

20.04.2011, 12:35 Uhr

@FoCS
schade, dass Sie dabei die Kosten verschweigen. Atomstrom ist deshalb so billig, weil für die Entsorgungskosten der Steuerzahler und die nächste Generation einspringen muss.
Dazu noch ist der Störfall nicht versichert, also wer muss für eventuelle Schaden einspringen? wieder die Allgemeinheit. Was ich noch hoch unmoralisch finde - der Preis für Strom ist vom Jahr zu Jahr höher, die Gewinne den Stromriesen auch, weil die Konkurenz (kleine Kraftwerke) von Politik dank den Lobbysten ausgeschaltet wurden.

hoschmo

20.04.2011, 13:17 Uhr

Jahrelang haben sich die Aktionäre über eventuell anstehende Gewinne um RWE-Aktien gerissen und nun fangen sie an, weil Atomhysteriker sich um das angebliche Wohl der Bürger sorgen, dem Strom der grünen Skandalredner zu folgen.
Trittin, Künast, Gabriel,Röttgen möchten noch lange von der Politik leben und von ihrem sorglosen Geschwafel zehren.
Es dauert nicht mehr lange, dann erhöhen sich diese Herrschaften wieder eigenmächtig ihre Diäten, weil sie und ihre Nachfahren von grünen Gras nicht mehr satt werden.

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