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13.11.2012

19:41 Uhr

Wüstenstrom-Projekt

Eon und Münchener Rück bleiben Desertec treu

Mehrere Unternehmen sind aus dem Wüstenstrom-Projekt Desertec bereits ausgestiegen. Auch die beteiligten europäischen Staaten sorgen für Unsicherheit. Eon und Münchener Rück wollen aber dabei bleiben.

Das Desertec-Projekt ist ins Schlingern geraten. dpa

Das Desertec-Projekt ist ins Schlingern geraten.

Stuttgart/DüsseldorfAnders als Siemens oder Bosch halten der Energieversorger Eon und der Rückversicherer Münchener Rück an dem ehrgeizigen Wüstenstrom-Projekt Desertec fest. "Wir bleiben Desertec verbunden", sagte Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen am Dienstag. Auch die Münchener Rück ist nach den Worten eines Sprechers von den Perspektiven der Stromerzeugung in Nordafrika für Europa überzeugt.

Dennoch bringt der Sparkurs von Unternehmen und Regierungen das 2009 gestartete Langzeit-Projekt ins Schlingern. Nach Siemens in der vergangenen Woche hatte am Montag auch eine Bosch-Tochter ihren Ausstieg bekannt gegeben und diesen mit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen begründet. Für Unsicherheit sorgte zuletzt auch das Zögern der beteiligten europäischen Staaten, die den Energieexport nach Europa finanziell fördern sollen.

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Die Vision von der Einfuhr überschüssiger Sonnenenergie aus Nordafrika nach Europa verliert einem Branchenkenner zufolge an Faszination. "Das Thema passt in der derzeitigen Phase mit der Energiewende in Deutschland und der Schuldenkrise in Europa nicht auf die Agenda." Doch sei das Generationenprojekt deshalb noch längst nicht gestorben.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Platz 1: China

China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

Platz 2: USA

Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

Platz 3: Japan

Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

Platz 4: Russland

Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

Platz 5: Indien

Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

Platz 6: Kanada

Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

Platz 7: Deutschland

Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

Platz 8: Frankreich

Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

Platz 9: Brasilien

Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

Platz 10: Südkorea

Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Nach Ansicht des Chefs der Deutschen Energie-Agentur, Stephan Kohler, wird der Ausstieg von Siemens das Projekt zwar wirtschaftlich nicht gefährden. "Aber natürlich ist es ein massiver Imageschaden, wenn ein solcher Konzern nach drei Jahren rausgeht."

Die Fluktuation der Anteilseigner an der Desertec Industrie Initiative (Dii) ist laut einem Konsortium-Sprecher nicht ungewöhnlich. Der Vertrag für die 2009 gestartete Initiative sei bis Ende 2012 befristet. Für die mehr als 50 beteiligten internationalen Unternehmen sei dies ein Zeitpunkt, ihr weiteres Engagement zu überdenken. Während Eon ankündigte, den Vertrag zu verlängern, zogen Siemens und Bosch die Reißleine. Dafür gebe es mehrere Gründe, hieß es in Kreisen des Konsortiums.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

13.11.2012, 19:59 Uhr

Alles, was an gemeinschaftlichen Projekten initiiert wurde, ist doch bisher schief gegangen.

Insbesondere, wenn europäische Staaten (unsere lieben europäischen Nachbarn) daran beteiligt wurden.

Macht und Kompetenzgerangel ließen Visionen verblühen.

Geld und Zeitverschwendung.

Es gibt nichts, was wir Deutschen im Alleingang nicht ebenso bewältigen könnten, bzw. sogar weitaus besser, fehlt doch hier der europäische Hemmschuh.

vandale

13.11.2012, 20:27 Uhr

Da die Sonneneinstrahlung auf diesem Planeten unzureichend ist und die Sonneneinstrahlung auch nicht mit dem Strombedarf korreliert, beruht ein derartiges Ökosolarmonster nahezu gänzlich auf Subventionen.

Die entscheidende Botschaft des Artikel lautet, dass Deutschland einen 2-stelligen Millionenbetrag locker macht. Das reicht dann lediglich für ein bescheidenes Ökosolarmonsterchen.

Ich nehme an, dass die bisher aufgelaufenen Kosten für Politik- und Medienpflege höher waren als die zugesagten Subventionen.

Für die beteiligten Unternehmen wäre es besser das Geld in andere PR Aktivitäten zu stecken. Die Münchener Rück wäre gut beraten auf den Enteignungscharakter der Niedrigstzinsen aufmerksam zu machen, für EON wäre es besser das Deutschlandgeschäft so gut es geht zu schützen.

Vandale

OIKOS-BIT

13.11.2012, 23:33 Uhr

Bei Siemens regieren anscheinend die betriebswirtschaftlich denkenden Kleingeister, keine Zukunftsfähigkeit mehr zu sehen!

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