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12.11.2012

20:30 Uhr

Wüstenstromprojekt

Bosch macht bei Desertec nicht mehr mit

Nach Siemens steigt auch Bosch steigt aus dem Wüstenstromprojekt Desertec aus. Der Technologiekonzern begründet das mit der schwachen Konjunktur: Er will sich stärker fokussieren.

Desertec-Vision: Siemens und Bosch sind aus dem Projekt raus. ap

Desertec-Vision: Siemens und Bosch sind aus dem Projekt raus.

Der Technologiekonzern Bosch steigt nach einem Zeitungsbericht beim Wüstenstromprojekt Desertec aus. „Wir werden unsere Mitgliedschaft nicht verlängern“, sagte eine Sprecherin der Konzerntochter Bosch-Rexroth der „Financial Times Deutschland“. Die Verträge mit der Initiative laufen nach drei Jahren Ende Dezember aus. Erst vor kurzem hatte der Siemens-Konzern seinen Ausstieg aus dem Projekt verkündet.

Die Desertec-Planungsfirma Dii bestätigte das Ende der Zusammenarbeit mit Bosch. „Wir bedauern den Schritt“, sagte ein Sprecher der „FTD“. Der Initiative gehören derzeit 21 Gesellschafter und 36 Partner an. Nach Angaben von Dii soll die Zahl der assoziierten Unternehmen durch Neueintritte bis zum Jahreswechsel leicht ansteigen.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Platz 1: China

China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

Platz 2: USA

Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

Platz 3: Japan

Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

Platz 4: Russland

Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

Platz 5: Indien

Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

Platz 6: Kanada

Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

Platz 7: Deutschland

Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

Platz 8: Frankreich

Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

Platz 9: Brasilien

Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

Platz 10: Südkorea

Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Die Zusammenarbeit von Desertec mit Bosch Rexroth erstreckte sich dem Bericht zufolge auf Technologieaustausch oder Workshops mit Experten. Bosch Rexroth ist ein Spezialist für Antriebe und Steuerungen, die für Industriemaschinen verwendet werden. Für Solarparks stellt das Unternehmen Unterbauten her, auf denen die Anlagen zur Sonne ausgerichtet werden. Zudem bietet es Elektronik für die Fertigung von Solaranlagen an.

Laut „FTD“ spürt Bosch Rexroth wie andere Sparten des Stuttgarter Konzerns den Absatzschwund in Europa, tausende Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Daher würden die Aktivitäten stärker fokussiert, sagte die Sprecherin weiter.

Das von europäischen und nordafrikanischen Ländern betriebene Wüstenstromprojekt war Ende 2009 an den Start gegangen und gilt als das derzeit ehrgeizigste Infrastrukturprojekt der Welt mit notwendigen Investitionen in Höhe von rund 400 Milliarden Euro. Bis 2050 sollen in Nordafrika und im Nahen Osten große Solarkraftwerke und Windparks entstehen, um einen großen Teil des örtlichen und auch Teile des europäischen Stromverbrauchs zu decken.

Von

afp

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

12.11.2012, 20:52 Uhr

Das war schon immer zum Scheitern verurteilt. Erstens sind die Leitungswiederstände viel zu hoch, Supraleitungen fallen bei den Wüstenlagen auch aus. Und wir haben uns schon in die Fänge des Nahen Ostens beim Energieträger Öl begeben und müssen dafür bitter mangels Alternativen bezahlen (Wasserstoff wurde ja erfolgreich geschlachtet). Und jetzt wollen wir uns wieder in die Abhängigkeit von anderen Staaten begeben? Noch mehr erpressbar? Nö, dann lieber einen Atommeiler im Vorgarten.

AbdurchdieMitte94

12.11.2012, 21:41 Uhr

Es gibt folgende Probleme, die einer wirtschaftlichen Nutzung innerhalb der nächsten fünf (in keinem Fall weniger wg. der gesetzlichen Anforderungen) im Pilotprojekt (in Marokko) im Weg stehen:
1. KEINE Zusage für alleiniges Verwertungsrecht durch das Konsortium seitens des (marokanischen) Staats, da der Staat (die Staaten Nordafrikas) selbst partizipieren wollen (Strom beziehen und ihre Bevölkerung versorgen möchten)
2. Sonnenkraftwerke bevorzugt werden (Zusammensetzung Projektpartner, ideologische Ausrichtung), obwohl deren Kosten-Nutzen-Relation und Skaleneffekte sehr viel schlechter als die von Wind sind (Faktor 1000 bei Thermo-Solar-Kraftwerke). (Parabol-)Thermo-Solar-Kraftwerke (Öl wird erhitzt durch Sonnenlicht) verbrauchen große Mengen an Wasser zur Reinigung der Spiegel und konkurrieren damit mit den heimischen (Agrar-)Betrieben und Verbrauchern
3. Keine Pläne in den Transitländern Spanien und Frankreich für Stromtrassen im Ansatz erkennbar sind (und keine Einbindung der Stromkonzerne überhaupt vorgenommen wurde in den Planungen)
4. Keine Gesetze und Institutionen zur Regulierung der Strom-Einspeisung, -abnahme, Kapazitätsregelung, Wartung zwischen Marokko und den Abnehmer- und Transitstaaten existieren (Stichworte: Regel-, Bürokratiestau)
5. Hemmung des Technologietransfers zum Bau von Stromerzeugungskraftwerken - Marokko will die Anlagen selbst bauen

keeper

12.11.2012, 21:56 Uhr

"Erstens sind die Leitungswiederstände viel zu hoch"

nö.
mit HGÜ kommt man auf 2,8 % relative Leitungsverluste auf 1000 km.

Das Problem / die Probleme sind nicht technischer Natur...

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