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26.04.2011

15:45 Uhr

Zahl des Tages

Teurer Gruß aus Moskau

VonSarah Sommer

500 US-Dollar will Gazprom-Chef Alexej Miller demnächst für 1000 Kubikmeter Gas verlangen. Für die Deutschen könnte das Heizen dann teuer werden.

Auf 500 US-Dollar will Gazprom-Chef Alexej Miller den Preis je 1000 Kubikmeter Gas für europäische Kunden bis Ende des Jahres anheben. Das entspräche einer Preissteigerung um 155 Dollar im Vergleich zum ersten Quartal 2011. Der größte Gasproduzent der Welt liefert jährlich rund 40 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland, das macht etwa 40 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs aus. Damit sorgt die Preiserhöhung bei Gazprom für rund 6 Milliarden US-Dollar Mehreinnahmen pro Jahr – allein von deutschen Energieversorgern.

Wie viel die Energieanbieter dann den Verbrauchern berechnen werden, bleibt abzuwarten: Im Einkauf kostet das Gas für ein Einfamilienhäuschen dann jedenfalls stolze 850 Euro statt bisher 590 Euro pro Jahr. Fest steht: Die Hälfte der Mehreinnahmen darf der russische Staat schon mal verplanen, denn Gazprom liegt mehrheitlich in Staatshand.

Die Nähe zur russischen Regierung sichert dem Konzern auch sein Export-Monopol für Erdgas, mit dem man seinen Kunden nicht nur die Preise diktieren kann, sondern sich auch noch weiter steigender Einnahmen sicher sein kann: Erdgas trägt bisher nämlich erst etwa 22 Prozent zum deutschen Primärenergieverbrauch bei, gilt zugleich aber als sauberster fossiler Energieträger – so dass die hiesigen Verbraucher mehr und mehr Öl- gegen Gasheizungen tauschen.

Gazprom hat genug Reserven, um die wechselwillige Kundschaft zu bedienen: Auf 1,33 Billionen Tonnen werden Russlands Erdgasreserven geschätzt, der Staat sitzt auf einem Sechstel aller wirtschaftlich gewinnbaren Gasvorkommen der Welt. Und er erreicht über Rohrleitungen bequem seine wichtigste Geldquelle, das europäische Festland: Gazprom liefert 25 Prozent aller europäischen Gasimporte. Chef Alexej Miller gibt denn auch gern den Gönner und versichert immerzu, er liebe und respektiere seine Kunden.

Für jene in Gelsenkirchen gilt das in besonderem Maße: Zwölf Millionen Euro überweist Gazprom Jahr für Jahr an den Fußballverein Schalke 04, um auf deren Trikots fürs Geschäft zu werben. Sollten die Königsblauen in der UEFA Champions League weiter für Furore sorgen, dürften die Sponsoringpreise deutlich steigen. Aber dafür hat Miller mit der überdeutlichen Preiserhöhung ja reichlich vorgesorgt.

Kommentare (2)

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Spruance

26.04.2011, 21:02 Uhr

Naja, die korrekte Reaktion auf dieses Ansinnen, nämlich nach Schiefergas zu bohren, können eigentlich nur noch unsere Grünen, vereint mit der CDU, verhindern. Wer hätte es gedacht, daß sich am Ende noch die gute alte SPD als die einzige Partei mit Restverstand entpuppen könnte, die noch eine gewisse Erinnerung daran hat, wo Arbeitsplätze herkommen, wenn sie nicht vom Steuerzahler bezahlt werden.

Account gelöscht!

27.04.2011, 12:37 Uhr

Ihr könnt ja dann einen Porsche in den keller stellen, die Räder abmontieren und über einen Wärmetauscher die Abwärme als Heizluft verwenden.

Oder ihr fragt die Iraner,
ach, habe ich ganz vergessen,
bei denen dürft ihr ja nichts kaufen.

Dann vielleicht als Ersatz bei euren amerikanischen Freunden das günstige WTI Öl, aber die verkaufen auch nicht ans Ausland, die importieren nur.


Scheiße wenn man so wenige Alternativen hat.

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