Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2005

07:22 Uhr

Zahlreiche Dax-Unternehmen dürfen mit zweistelligen Ertragszuwächsen rechnen

Neue Bilanzierung macht Gewinnen Beine

VonUlf Sommer

Der internationale Bilanzierungsstandard IFRS beschert zahlreichen deutschen Unternehmen einen kräftigen Gewinnsprung. Größter Nutznießer ist die Deutsche Telekom. Sie wird in diesem Jahr fast 36 Prozent mehr Gewinn ausweisen als nach bisherigen Vorschriften. Das Regelwerk, das seit Januar für große börsennotierte Unternehmen vorgeschrieben ist, sieht flexiblere Abschreibungsregeln vor.

Die Telekom ist der größte Nutznießer der neuen Bilanzierungsregeln im Dax. Foto: dpa

Die Telekom ist der größte Nutznießer der neuen Bilanzierungsregeln im Dax. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Insbesondere Unternehmen, die nach Übernahmen hohe Abschreibungen auf den Firmenwert vornehmen mussten, können nun höhere Erträge ausweisen.

Neben der Telekom profitieren auch Allianz, Bayer, Henkel, Hypo-Vereinsbank und Linde von den neuen Vorschriften. Das Bankhaus M.M. Warburg hat für die Dax- Unternehmen, die jetzt auf den neuen Standard umstellen, erstmals Gewinnerwartungen mit und ohne neue Bilanzierung errechnet. Bei allen 30 Dax-Unternehmen steigt der Gewinn durch IFRS im Schnitt um knapp zehn Prozent.

Das Team der Hamburger Privatbank orientierte sich an den Gewinnschätzungen aller großen internationalen Investmenthäuser für die Dax-Unternehmen. Warburg passte diese Daten Schritt für Schritt und für alle Konzerne den IFRS-Bilanzierungsrichtlinien an.

Durch die neue Rechnungslegung werden die Ergebnisse international vergleichbar. Sie gilt mittlerweile in 100 Ländern. Die USA halten zwar an dem GAAP-Standard fest, der allerdings in den Grundzügen dem IFRS entspricht.

Für deutsche Unternehmen ist neu, dass sie den so genannten Goodwill nicht mehr über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren abschreiben. Stattdessen wird die Werthaltigkeit jährlich neu geprüft. Gegebenenfalls werden einmalige Berichtigungen vorgenommen. Goodwill ist der Betrag, den ein Käufer bei Übernahme eines Unternehmens über den eigentlichen Wert der Vermögensgegenstände hinaus zahlt.

Die Deutsche Telekom profitiert von dem Wegfall der Abschreibungen am meisten, weil sie in der Hochzeit der Spekulationsblase an den Börsen kräftig auf Einkaufstour gegangen war und aus späterer Sicht überhöhte Preise bezahlt hat. Große Firmenwerte in der Bilanz, wie die amerikanische Mobilfunkgesellschaft Voicestream, die allein 55 Mrd. Dollar gekostet hatte, müssen nun nicht mehr abgeschrieben werden. Allein 2003 hätte die Telekom auf diese Weise 1,9 Mrd. Euro mehr verdient.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×