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27.04.2015

15:12 Uhr

Zehn Jahre Airbus A380

„Kein Schnickschnack und an Bord nur kalte Platte“

VonMarkus Fasse

Vor zehn Jahren hob die A380 zum Jungfernflug ab. Unser Autor erinnert sich: Die Euphorie war riesig, vom besten Flugzeug der Welt war die Rede. Doch davon ist nicht viel geblieben. Eine persönliche Zwischenbilanz.

Wie bei einer Mondlandung. ap

Jungfernflug der A380 am 27. April 2005

Wie bei einer Mondlandung.

MünchenStrahlender Sonnenschein, 50.000 Schaulustige und viel Hoffnung: Als am 27.April 2005 die erste A380 in Toulouse abhob, da war die Euphorie riesig. Von einem großen Aufbruch in der Geschichte der Europäischen Luftfahrt war die Rede, vom Stolz das größte und natürlich beste Flugzeug der Welt gebaut zu haben.

Airbus-Chef Noël Forgeard sah in dem zwölf Milliarden teuren Riesenflieger das Symbol für die neue Macht und Stärke der europäischen Industrie. Das war der Nerv der Zeit. Kurz zuvor hatte Europa eine eigene Währung eingeführt. Der Euro, die A380 – Europa war endlich mal wer in der Welt.

A380: Die harte Landung des Wundervogels

Teurer Wundervogel

Gut zwölf Milliarden Euro kostete die Entwicklung des Airbus A380. Die Maschine löste den Boeing Jumbo-Jet als größtes Passagierflugzeug der Welt ab. Die Entwicklung verlief mehr als holprig – und auch nach dem Jungfernflug gab es noch lange Probleme. Eine Chronologie.

A3XX

Juni 1994: Unter dem Codenamen A3XX beginnt das Airbus-Konsortium mit dem Entwurf für den neuen Super-Airbus.

555 Sitze

Dezember 2000: Airbus gibt offiziell den Startschuss für das doppelstöckige Flugzeug, das mit 555 Sitzen die Boeing 747 als weltgrößtes Passagierflugzeug ablösen soll. Aus A3XX wird A380. Der erste Flug ist für 2004, die Auslieferungen an die Kunden ab 2005 geplant.

Kosten über Budget

Dezember 2004: Der damalige Airbus-Mutterkonzern EADS kündigt an, dass das A380-Projekt 1,45 Milliarden Euro über Budget liegt. Die Entwicklungskosten belaufen sich damit auf rund zwölf Milliarden Euro.

Kabelprobleme

18. Januar 2005: Airbus lässt erstmals die Öffentlichkeit einen Blick auf den doppelstöckigen Riesen werfen.

27. April: Die A380 meistert ihren Jungfernflug.

1. Juni: Airbus kündigt an, dass sich die ersten Auslieferungen um bis zu sechs Monate verzögern. Grund sind Probleme beim Einbau der 500 Kilometer umfassenden Verkabelung.

Drei Chefs in einem Jahr

13. Juni 2006: Airbus kündigt eine zweite Verzögerung um weitere sechs Monate an.

2. Juli: EADS-Co-Chef Noël Forgeard und sein Nachfolger als Airbus-Chef, Gustav Humbert, treten wegen der erneuten Verzögerung zurück. Neuer Airbus-Chef wird Christian Streiff.

Oktober: Die Auslieferung des A380 wird um ein weiteres Jahr verschoben. Damit liegt das Projekt nun zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Airbus kündigt zudem das Sanierungsprogramm „Power8“ an. Details bleiben offen. Nach nur 100 Tagen im Amt wirft Airbus-Chef Christian Streiff das Handtuch. Sein Nachfolger wird EADS-Co-Chef Louis Gallois.

7. November: Als erster Kunde storniert Fedex seine Bestellung von zehn A380-Frachtmaschinen für 2,5 Milliarden Dollar und ordert beim US-Erzrivalen Boeing.

12. Dezember: Die europäische Behörde für Flugsicherheit (EASA) und die US-Luftfahrtbehörde FAA lassen den A380 nach monatelangen Tests zum Flugbetrieb zu.

Enders übernimmt

17. Januar 2007: Zum ersten Mal seit 2000 bleibt Airbus bei den Bestellungen wieder hinter Boeing zurück. Bei den Auslieferungen liegen die Europäer jedoch weiter vor dem US-Rivalen.

Februar: Airbus gibt bekannt, die Werke in Varel, Laupheim und Saint Nazaire verkaufen zu wollen. Für Nordenham, Meaulte und Filton sollen Partner gefunden werden. In den nächsten vier Jahren sollen 10.000 Stellen wegfallen. Die Hälfte davon bei Airbus selbst, die andere Hälfte betrifft Zeitarbeiter. Es gibt Proteste gegen die Sparpläne.

März: Airbus legt die Frachtversion des A380 auf Eis. Frühestens 2015 will Airbus das Programm wieder aufnehmen. Der Gewinn der Airbus-Mutter EADS bricht wegen roter Zahlen bei dem Flugzeugbauer um 90 Prozent ein.

16. Juli 2007: Die Doppelspitzen bei EADS werden abgeschafft. Louis Gallois wird alleiniger Chef von EADS und übergibt den Airbus-Chefsessel an Tom Enders, bis dahin zusammen mit Gallois Co-Chef von EADS.

Erster Linienflug

27. September 2007: British Airways gibt seine jahrzehntelange Loyalität zu Boeing bei Langstreckenflugzeugen auf und bestellt zwölf A380.

15. Oktober: Singapore Airlines erhält nach fast zweijähriger Verzögerung seinen ersten A380.

25. Oktober: Erster Linienflug von Singapur nach Sydney. Singapore Airlines versteigerte die Tickets über das Internet-Auktionshaus Ebay und nahm fast eine Million Euro ein.

Produktionsprobleme

Mai 2008: Airbus kündigt an, in den Jahren 2008 und 2009 weniger Flugzeuge auszuliefern. Großkunden wie Emirates müssen vertröstet werden. 2009 und 2010 werden dann sogar weniger A380 ausgeliefert, als es sich der Konzern vorgenommen hatte.

2010/2011: Emirates erhöht trotz der Probleme die Anzahl der Bestellungen. Auch die Lufthansa ordert zwei Maschinen mehr. Weitere Flug- und Leasinggesellschaften werden als Kunden gewonnen.

Haarrisse

Anfang 2012: Haarrisse in kleinen L-förmigen Verbindungsstücken, die in jedem Flügel der A380 verbaut sind, werden entdeckt. Die gesamte A380-Flotte muss überprüft werden. Eine vollständige Reparatur dauert bis zu zwölf Wochen – und kostet die Airlines viel Geld, weil die Maschinen am Boden bleiben.

14. März 2013: Der 100. A380 wird an Malaysia Airlines ausgeliefert.

Juli 2014: Diesmal machen die Türen Probleme: Es gibt Klagen über Lärmentwicklung und Druckabfälle in der Kabine. Airbus will nachbessern.

Als ich im Februar 2007 zum ersten Mal selbst mit der A380 flog, da war der Himmel sehr grau. Forgeard hatte man vom Hof gejagt. Die A380 hatte Airbus in die schlimmste Krise seit Gründung des Unternehmens geführt.

Der Grund ist auch heute noch unglaublich: Deutsche und Franzosen hatten beim Bau des Flugzeugs mit unterschiedlichen Softwareprogrammen gearbeitet. Jahrelang, ohne dass es in dem Großkonzern jemandem auffiel. Als die ersten Maschinen verkabelt werden sollten, fiel auf, dass die Leitungen nicht passten. Es folgte ein Krimi aus Intrigen und Machtspielen, die halbe Airbus-Führung musste gehen. Mehr als fünf Milliarden Euro kostete der Kabelsalat an Produktionsausfällen und Strafzahlungen.

Der erste Flug mit dem Riesen war überraschend unspektakulär: Zwei Stunden lang drehten wir eine Platzrunde rund um Toulouse. Das Flugzeug ist groß und entsprechend träge. Von Wasserfällen, Whirlpools oder ähnlichem Schnickschnack war in der Kabine nichts zu sehen. An Bord gab es nur kalte Platte, die Küchen funktionierten noch nicht. Dafür viel Zweckoptimismus: Auch mit den Startschwierigkeiten wird die A380 ein echter Verkaufsschlager. Auf lange Sicht natürlich.

Kurzfristig musste man Kunden wie der Emirates oder Lufthansa erklären, warum sie noch mindestens zwei Jahre auf ihre Flugzeuge warten mussten.

Kommentare (4)

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Herr peter Spirat

27.04.2015, 17:58 Uhr

Hin und wieder hatte ich die Möglichkeit in diesem stolzen Flugzeug zu fliegen. Und immer war es ein erhebendes Gefühl.

Es stimmt, die Fertigungsabläufe des 380 waren eine glatte Katastrophe. Leider zeigte es sich, dass internationale Projekte und dann noch unter staatlicher Leitung und dann auch noch mit Franzosen oft zu ungeahnten Problemen führen kann.

Ich würde es begrüßen, wenn uns dieses herrliche Flugzeug erhalten bleibt.

Herr Georg Daemisch

27.04.2015, 18:40 Uhr

Ich fliege regelmäßig mit der A380 und bin in meinem Leben schon mit vielen verschiedenen Flugzeugen geflogen. Von allen Flugzeuegen, die kenne, ist die A380 das Beste. Schon die Economy ist besser als manche Business in anderen. Die 777 sieht dagegen schrecklich alt aus. Natürlich kann man fragen, ob man eine Dusche in der Ersten braucht? Aber dieses Fluzeug ist ein echter Fortschritt und ich hoffe man kann darauf aufbauen.

Herr never mind

27.04.2015, 20:38 Uhr

Habe mehrere Flüge in der A380 gemacht. Leider hatte ich noch nie die so angekündigte gute Erfahrung. Dieses Flugzeug ist furchtbar. Selbst die 747 ist besser. Das Problem ist die Menge der Passagiere. Das ist einfach zu viel um eine angenehme Reise zu garantieren. Da ist mir eine 767 oder 777 wesentlich angenehmer und ich buche meine Langstreckenreisen auch nach diesem Prinzip.

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