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07.09.2013

17:00 Uhr

Zeitkonten-Modell

Daimler will flexiblere Mitarbeiter

Daimler muss sparen und verlangt von der Belegschaft weitreichende Zugeständnisse: Je nach Auftragslage sollen sie mehr oder weniger arbeiten – bis zu 300 Stunden plus oder minus sollen auf dem Arbeitszeitkonto stehen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche (links) und Mercedes-Produktionsvorstand Andreas Renschler setzen auf Zeitarbeiter. Reuters

Daimler-Chef Dieter Zetsche (links) und Mercedes-Produktionsvorstand Andreas Renschler setzen auf Zeitarbeiter.

FrankfurtDaimler dringt auf Zugeständnisse der Belegschaft, um die Kosten zu drücken. „Wir brauchen mehr Flexibilität in den Mercedes-Werken“, sagte Mercedes-Produktionsvorstand Andreas Renschler der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Alle Beteiligten müssten das Ziel haben, die Werke wettbewerbsfähiger zu machen. „Zeitarbeiter braucht man für die Flexibilität.“

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte dem Konzern vergangenes Jahr ein neues Sparprogramm verordnet. Bis 2015 soll die Pkw-Sparte Mercedes-Benz ihre Kosten um zwei Milliarden Euro jährlich senken. Renschler, der bis zum Postentausch mit Wolfgang Bernhard zum 1. April die Lkw-Sparte geleitet hatte, sieht das Lastwagen-Werk in Wörth als Vorbild auch für die Pkw-Werke. „Wir brauchen den gleichen Puffer wie in Wörth“. Dort häufen die Beschäftigten in guten Zeiten bis zu 300 Stunden auf ihrem Zeitkonto an, bei fehlenden Aufträgen kann das Konto bis zu 300 Stunden ins Minus rutschen. Im Pkw-Werk Sindelfingen hat das Zeitkonto dagegen nur einen Rahmen von plus 50 bis minus 100 Stunden.

Wegen Leiharbeit kritisierte Firmen

Daimler

In der ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ (ausgestrahlt am 13. Mai 2013) wird gegen Daimler der Vorwurf erhoben, illegal Leiharbeiter über Werkverträge zu beschäftigen. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und dem ausführenden SWR unter anderem vorgeworfen, Passagen des 45-minütigen Films „fingiert“ zu haben. Für die Reportage hatte ein Reporter verdeckt für zwei Wochen im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gearbeitet.

Amazon

Februar 2013: Eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sorgt für Wirbel. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

BMW

September 2012: BMW kündigt an, die Leiharbeiterquote im Gesamtunternehmen auf acht Prozent zu begrenzen. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft IG Metall über den Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmer-Vertreter geben an, zu Spitzenzeiten habe die Quote bei über 15 Prozent gelegen.

Deutsche Post DHL

Mai 2012: Internationale Gewerkschaften werfen der Deutschen Post DHL vor, außerhalb Europas Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Die Logistiktochter DHL habe eine „beschämende Bilanz“ beim übermäßigen Einsatz von schlecht bezahlten Zeit- und Leiharbeitern. Die Deutsche Post teilt mit, sie arbeite gemäß nationaler Gesetze und Gepflogenheiten der jeweiligen Länder.

GLS

Mai 2012: In einer TV-Reportage berichtet Journalist Günter Wallraff über seine verdeckte Recherche beim Paketzusteller GLS: Fahrer seien dort zu schwer durchschaubaren Bedingungen und in oft nur mündlichen Verträgen als Subunternehmer verpflichtet worden. Leiharbeiter würden zu Dumpinglöhnen scheinselbstständig angeheuert. GLS weist die Vorwürfe zurück.

Zalando

Juli 2012: Das ZDF berichtet über die Arbeitsbedingungen bei einem Dienstleister des Internet-Versandhandels Zalando in Großbeeren (Brandenburg). Ein großer Teil der Lagerarbeiter dieses Dienstleisters sei als Leiharbeiter beschäftigt. Sie dürften sich während ihrer Arbeitszeit nicht hinsetzen und erhielten nur den Mindestlohn von 7,01 Euro pro Stunde. Zalando weißt darauf hin, dass die 7,01 Euro der Einstiegslohn in der Zeitarbeit in Ostdeutschland sei. Feste Mitarbeiter würden mehr verdienen. Inzwischen hat Zalando ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung umgesetzt.


Renschler bestätigte, dass Daimler und Nissan die gemeinsame Produktion von Autos in Mexiko prüfen. „Das wäre eine Option, wenn sich unser Geschäft mit Kompaktwagen in Nordamerika entsprechend gut entwickelt“, sagte er. „Das wird Ende des Jahres entschieden.“

Reuters hatte bereits Anfang September aus Branchenkreisen erfahren, dass Nissan in seinem neuen Werk in Aguascalientes einen neuen Kompaktwagen seiner Premium-Markte Infiniti montieren will. Dieser solle mit Motor und Fahrgestellteilen des neuen Mercedes-Kompakt-Geländewagen GLA ausgerüstet werden. Der Infiniti Q30 wäre der erste Nissan auf Basis einer Mercedes-Plattform. Der auf der A-Klasse basierende GLA wiederum sei einer vom mehreren Kandidaten, die künftig in dem mexikanischen Werk vom Band rollen könnten, hieß es seinerzeit.

Die zehn größten Autohersteller Europas

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,35 Millionen (-2,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,43 Millionen (- 2,0 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,56 Millionen (+5,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,62 Millionen (- 8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,64 Millionen (+ 0,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,75 Millionen (-4,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,8 Millionen (- 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 0,89 Millionen (+1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,11 Millionen (-10,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,49 Millionen (-2,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle


Daimler will seine Kompaktklasse künftig auch in Brasilien bauen. „Die Entscheidung für einen Standort werden wir noch in diesem Jahr vornehmen“, sagte Konzernchef Dieter Zetsche der „Stuttgarter Zeitung“ (Samstagausgabe). Gegenwärtig seien in dem Land zwei bis drei Standorte in der engeren Wahl.

Mit einer eigenen Produktion in Brasilien könnte Daimler den dortigen Markt besser beliefern, da der Verkauf von importierten Fahrzeugen auf diesem Wachstumsmarkt durch hohe Einfuhrzölle behindert wird. Brasilien ist der viertgrößte Automarkt der Welt, auch wenn dort der Markt für teure Oberklasse-Fahrzeuge noch klein ist. Konkurrent BMW ist bereits dabei, ein Werk in Brasilien zu errichten. Die ersten Fahrzeuge sollen 2014 montiert werden. Auch Audi hat Brasilien im Visier. Im Mai hatte Audi-Chef Rupert Stadler erklärt, dass aber erst noch einige wichtige Fragen geklärt werden müssten, bevor die VW-Tochter über den Bau eines Werkes entscheide. .

 

Von

rtr

Kommentare (12)

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Nachwuchs

07.09.2013, 19:48 Uhr

Und wann arbeiten endlich die Manager flexibel und kommen für Ihre vorsätzlich verursachten Verluste persönlich auf? Wieso sind die Daimler Mitarbeiter mangels geistiger Fähigkeiten nicht in de Lage für Limousinen Heckscheibenwischen zu kreieren? Wieso können dis nur Andere, wie u.B. Skodamitarbeiter? Wann kommt das überbezahlte Managment endlich für die Einkommensverluste der Mitarbeiter auf. Sie nehmen sich Boni und verachten damit vorsätzlich die Mitarbeiter. Die vom Management vorsätzlich verursachten Verlusten in den USA hätte man lieber den Mitarbeitern in Deutschladn geben sollen. Dies wäre menschenwürdig!

Expat

08.09.2013, 01:21 Uhr

Gerne, dann aber auch analog Vorstandsvorsitzender, sprich Gehalt bleit dabei UNVERÄNDERT gleich hoch. Wir wollen in good old Germany zweifelsohne keine amerikanischen Zustände.

Berliner_Regeln

08.09.2013, 08:01 Uhr

Auch noch Sonntagsarbeit gefällig?

Wenn Daimler zu blöd ist, vernünftig zu planen, kann das ja wohl nicht heißen, dass die Angestellten sklavengleich mal 5 und mal 10 Stunden täglich arbeiten.

Sehr familienfreundliches Lädchen - keinen Stern mehr wert.

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