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26.04.2013

15:35 Uhr

Zentrallager soll schließen

Opel verlässt Bochum komplett

Es ist wohl das offizielle Aus von Opel in Bochum: Neben dem Werk soll auch das Zentrallager Ende 2014 geschlossen werden. Nach der Ablehnung des Tarifvertrags sei es nicht sinnvoll, das Zentrum in Bochum zu belassen.

Ab Ende 2014 geschlossen: Das Opel-Werk in Bochum. dpa

Ab Ende 2014 geschlossen: Das Opel-Werk in Bochum.

BochumNach gut 50 Jahren will Opel Ende kommenden Jahres sein Ruhrgebietswerk in Bochum komplett schließen. Mit dem Ende der Autoproduktion werde auch das Zentrallager aufgegeben, bestätigte ein Bochumer Opel-Sprecher am Freitag Medienberichte. In dem Warenverteilzentrum, das Händler in ganz Europa mit Ersatzteilen wie Kotflügeln oder Motoren beliefert, arbeiten rund 420 Menschen. In der Autoproduktion sind außerdem rund 3200 Menschen beschäftigt. Insgesamt erhöht sich die Zahl der Betroffenen des Opel-Abzugs mit der Schließung des Lagers auf rund 3700.

Das Aus für das Zentrallagers sei Folge des Neins der Bochumer Beschäftigten zum Opel-Sanierungsplan, sagte der Sprecher. Der von den Bochumer Mitarbeitern im März abgelehnte und damit hinfällige Tarifvertrag hatte neben der Autoproduktion bis Ende 2016 sogar einen Ausbau des Logistikzentrums vorgesehen.

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Über den Bochumer Tarifvertrag des Autobauers Opel wird nicht erneut abgestimmt. Der Werksleiter bezeichnete jede weitere Diskussion als „Zeitverschwendung“. Es bleibt dabei: Ab 2015 baut Opel in Bochum keine Autos mehr.

Nach der Ablehnung sei es weder betriebswirtschaftlich noch logistisch sinnvoll, das Warenverteilzentrum in Bochum zu belassen, teilte Opel mit. Es sei besser, den Standort komplett aufzugeben. „Das ist keine Strafaktion“, betonte ein Bochumer Opel-Sprecher auf Nachfrage. Wohin das Ersatzteillager verlagert wird, sei noch unklar. In Deutschland hat Opel ein weiteres Warenverteilzentrum am Stammsitz Rüsselsheim.

Das Lager im Bochumer Werk ist nach Angaben des Sprechers ausgelagert und wird seit 2006 von Opel mit einem Partnerunternehmen betrieben. Die Beschäftigten sind ehemalige Opelaner mit einem Rückkehrrecht ins Unternehmen. Sie würden also bei der Schließung behandelt wie direkt bei Opel Beschäftigte, sagte der Sprecher.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Im NRW-Landtag sorgte die Nachricht für heftige Debatten. Die Oppositionsfraktionen forderten eine Sondersitzung. CDU, FDP und Piraten werfen der SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mangelhaften Einsatz für den Standort vor, was diese strikt zurückweist.

Die Stadt Bochum steht mit dem Beschluss schneller als erwartet vor der Notwendigkeit, das riesige Werksgelände neu zu vermarkten. Die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft, an der sich auch Opel mit einem zweistelligen Millionenbetrag beteiligen will, verzögert sich bisher.

Von

dpa

Kommentare (18)

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Gewerkschaftsopfer

26.04.2013, 08:51 Uhr

Na das ist doch ein schöner Erfolg der Gewerkschaften! Da sind die organisierten Arbeitskämpfer sicherlich zufrieden mit dem Ergebnis. Jetzt heisst es Nullstundenwoche bei vollem Arbeitslosengeld - das ist ja vielleicht auch ein Modell für die Lufthansa und viele andere Unternehmen in Deutschland.

Herr Bsirske, na, zufrieden?

Hans

26.04.2013, 09:12 Uhr

Hätte der Betriebsrat das GM Angebot angenommen, hätte GM Bochum halt nach der nächsten Sparrunde trotz Zusagen geschlossen. Wenn das nicht der langfrist Plan gewäsen wäre, hätte GM ja auch belastbare Garantien für das Überleben von Bochum einräumen können. Hat GM nicht gemacht. Die schnelle Schließung von Bochum wird für GM auch recht teuer kommen. Für die in Aussicht gestellten Investitonen in Deutsche Standorte wird da wenig übrig bleiben.

Account gelöscht!

26.04.2013, 09:12 Uhr

Als Unternehmen würde ich auch aus NRW rausgehen. Das Land ist seit 60 Jahren in rot-grüner Erstarrung. Die Regierung weigert sich zu sparen.

Es wird nichts in die Infrastruktur investiert, dafür aber in rot-grüne Gutmenschen-Projekte (Typ Integrationskurse für metrosexuelle Behinderte mit Migrationshintergrund).

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