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25.01.2015

21:57 Uhr

Zetsche, Winterkorn und Co.

Chefs der Autobauer werben gemeinsam für TTIP

ExklusivDie Chefs der deutschen Autobauer werben erstmals gemeinsam für den Freihandel mit den USA. Die acht Vorstandschefs wollen damit ein klares Zeichen gegen die „Stoppt TTIP“-Aktivisten setzen.

Symbolische Vereinigung wird dargestellt durch eine amerikanische Flagge in einer EU-Tasse: In Deutschland machen die Chefs der deutschen Autobauer mobil für das Handelsabkommen mit der USA. dpa

Symbolische Vereinigung wird dargestellt durch eine amerikanische Flagge in einer EU-Tasse: In Deutschland machen die Chefs der deutschen Autobauer mobil für das Handelsabkommen mit der USA.

DüsseldorfDeutschlands Autobosse machen mobil für das Freihandelsabkommen mit den USA. Mit einem gemeinsamen Auftritt wollen die Vorstandschefs Dieter Zetsche (Daimler), Martin Winterkorn (VW), Norbert Reithofer (BMW), Rupert Stadler (Audi), Matthias Müller (Porsche), Bernhard Mattes (Ford) sowie Volkmar Denner vom Zulieferer Bosch und Arndt Kirchhoff (Kirchhoff Automotives) an diesem Mittwoch in Berlin für das transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) mit den USA werben, erfuhr das Handelsblatt (Montagsausgabe) aus Branchenkreisen. Mit ihrem ersten gemeinsamen Appell wollen die Konzernlenker den „Stoppt TTIP“-Aktivsten ein klares: „Ja zu TTIP“ entgegen, hieß es.

Anlass für das gemeinsame Vorgehen ist der wachsende Widerstand in der Bevölkerung gegen eine einheitliche Handelszone für 800 Millionen Menschen. „Wenn wir Komponenten und Module eines Fahrzeugs nicht zweimal (je einmal für Europa und USA) entwickeln und aufwendig testen müssten, könnten wir unsere Produkte preiswerter anbieten und somit konkurrenzfähiger liefern“, sagte Zulieferer Kirchhoff dem Handelsblatt.

Was ein Freihandelsabkommen zwischen EU und USA bringt

Was bringt ein Freihandelsabkommen?

Die Zölle zwischen den USA und den EU sind bereits niedrig. Sie liegen im Schnitt zwischen fünf und sieben Prozent, sagt der deutsche Außenhandelsverband BGA. Da jedoch jährlich Waren im Wert von mehr als einer halben Billion Euro über den Atlantik hin- und herbewegt werden, kann die Wirtschaft Milliarden sparen. Europäische Chemieunternehmen haben 2010 für Exporte in die Vereinigten Staaten fast 700 Millionen Euro in die US-Staatskasse gezahlt. Umgekehrt führten die USA gut eine Milliarde Euro nach Brüssel ab. Wirtschaftsverbände erwarten durch den Fall der Zollschranken weniger Bürokratie für mittelständische Unternehmen und mehr Geld für Investitionen, etwa in Forschung und Entwicklung.

Wie könnte Deutschland profitieren?

Die deutsche Wirtschaft verspricht sich Impulse in Milliardenhöhe. "Das Freihandelsabkommen könnte unsere Exporte in die Vereinigten Staaten um jährlich drei bis fünf Milliarden Euro erhöhen", sagt der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham) rechnet mit einem zusätzlichen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von 1,5 Prozent. Viele Unternehmen hoffen zudem darauf, einen besseren Zugang zu öffentlichen Aufträgen in den USA zu bekommen.

Welche Streitfragen drohen?

Fast unlösbar scheinen die unterschiedlichen Auffassungen zwischen den USA und der EU in Fragen der Landwirtschaft. "Für die Amerikaner sind Hormonfleisch und Genmais kein Problem, für Europäer ist das dagegen ein 'No-Go'", sagt der Geschäftsführer des Außenhandelsverbandes BGA, Jens Nagel. "Da kann man sich auch nicht in der Mitte treffen." Die Handelskammer AmCham Germany empfiehlt daher, dass Thema außen vor zu lassen. "Das Thema Agrar würde die Gespräche nur belasten", sagt AmCham-Ehrenpräsident Fred Irwin. "Deshalb wäre es gut, das beiseite zu schieben."

Wo gibt es noch Knackpunkte?

Bei der Angleichung technischer Standards. "Das fängt bei der Länge der Stoßstangen an und hört beim Krümmungswinkel des Rückspiegels auf", sagt BGA-Experte Nagel. "Hier gibt es seit Jahrzehnten unterschiedliche Standards, die sich nicht in wenigen Jahren angleichen lassen." Die Chemieindustrie fordert, vor allem Umwelt-, Verbraucher- und Gesundheitsschutz stärker aufeinander abzustimmen.

Wie werden China und Co. reagieren?

Die deutschen Exporteure warnen davor, aus dem Freihandelsabkommen eine Art Wirtschafts-Nato zulasten anderer Handelspartner zu schmieden. "Uns stört das Gerede um eine Wirtschafts-Nato", sagte der Geschäftsführer des Außenhandelsverbandes BGA, Jens Nagel. "Ein Freihandelsabkommen ist nicht dazu da, sich gegen Dritte abzuschotten nach dem Motto 'Jetzt verbünden wir uns gegen die bösen Chinesen'." In der Politik wird das zum Teil genau andersherum gesehen. "Es bleibt nur noch wenig Zeit, gemeinsam mit den USA Standards zu prägen, bevor Wachstumsmärkte wie China und Indien den Takt angeben", sagte der Geschäftsführer des CDU-Wirtschaftsrats, Thomas Raabe.

Was haben die Verbraucher davon?

Sie können Produkte billiger einkaufen, verspricht beispielsweise der Verband der Automobilindustrie (VDA). "Das würde auch die Kosten eines Autos für den Verbraucher senken", sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Auch andere Branchen können mit einer Kostensenkung rechnen. Ob sie den Vorteil an ihre Kunden weitergeben oder den eigenen Gewinn damit steigern, bleibt ihnen überlassen. Produkte können außerdem schneller erhältlich sein, wenn sie einheitlich zugelassen werden - etwa wenn die US-Aufsicht FDA ein neues Medikament freigibt, das damit automatischen die Zulassung in den EU erhält. (Reporter: René Wagner; Redigiert von Scot W. Stevenson)

VDA-Präsident Matthias Wissmann mahnt, die EU brauche Amerika als Partner. „Gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Anspannung in vielen Ländern Europas und der immer stärker werdenden Konkurrenz aus den Schwellenländern wird sich eine transatlantische Kooperation schnell auszahlen“, sagte er.

Für die Autobauer ist Nordamerika nach Jahren der Krise wieder ein Wachstumsmarkt – der zweitwichtigste nach China. Mehr als 16 Millionen Fahrzeuge wurden dort 2014 verkauft, ein Plus von vier Prozent zum Vorjahr.

Den vollständigen Bericht zur Initiative der Autobauer finden Sie als Digitalpass-Kunde hier zum Download.

Kommentare (5)

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Herr Woifi Fischer

26.01.2015, 07:57 Uhr

Zetsche, Winterkorn und Co. Chefs der Autobauer werben gemeinsam für TTIP!

Ich bin der festen Meinung, diese Herren repräsentieren nicht die Bevölkerung Deutschlands, sondern äußeren die Meinung der Unternehmen denen sie vorstehen.

Alle diese Unternehmen Produziren schon lange im Ausland, also betrifft die TTIP-Geschichte sie überhaupt nicht.

Schön wäre gewesen, wenn sie die deutsche Bevölkerung richtig aufgeklärt hätten, was zwar die Aufgabe der Regierung ist (aber nicht macht), und nicht bloß den großen Bruder nach dem Munde spricht.
Die Manager denken nur an Gewinne, Macht und Einfluss, geht es schief waschen sie ihre Hände in Unschuld.
Nicht die Wirtschaft entscheidet alleine über TTIP sondern der Souverän.

Volksabstimmung über diese Vorhaben, jetzt.

Frau Ellis Müller

26.01.2015, 08:05 Uhr

Quandt-Spende an die CDU: Merkel und der Vorwurf der gekauften Politik
Eine Spende mit Geschmäckle: 690.000 Euro überwies die BMW-Eignerfamilie Quandt der CDU, Kanzlerin Merkel erstritt Schonung für deutsche Autokonzerne bei EU-Abgasnormen. Parteienrechtler kritisieren die Zuwendung scharf - sie halten für besonders relevant, wann die Partei vom Geldsegen wusste.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bmw-quandt-familie-spendet-an-cdu-kritik-von-parteienrechtlern-a-927959.html
Mir schon klar, daß die Mächtigen TTIP wollen. Mit TTIP, TISA, CETA & Co. werden dei demokratischen Rechte, der Verbraucherschutz und die Arbeitnehmerrechte ausgehöhlt.
Alles, was angeblich an Erleichterung für die Automobilindustrie durch TTIP geregelt würde, ließe sich auch anderweitig vertraglich regeln, ohne geheime Schiedsgerichte. Ich habe große Hochachtung vor Indien, das den Handelsvertrag der WHO ablehnte, da Indien auf Agrarsubvebtionen hätte verzichten und somit sein Volk der Hungersnot aussetzen müssen. Weshalb gibt es nicht auch bei uns Regierungen, die hinter ihrem Volk stehen?

Herr D. Dino54

26.01.2015, 09:22 Uhr

"......wachsende Widerstand in der Bevölkerung ...."

Nicht nur gegen das beschriebene Freihandelsabkommen wächst der Widerstand, auch gegen die kranken Machenschaften dieser Konzerne, siehe unser dereguliertes Arbeitsrecht, siehe die politisch gewollten Steuer-Oasen !

Diese "Politik" speziell seit ROT/GRÜN, hat unserem Land schweren Schaden zugefügt !

Der Euro und seine negativen Entwicklungen reichen, dieses Freihandelsabkommen, speziell mit diesen Cowboys, wäre eine Zumutung, freundlich ausgedrückt !

Wirtschafts-Vandalismus, nein Danke !

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