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27.01.2011

00:00 Uhr

Zhengrong Shi

Suntech-Chef warnt vor Handelskrieg

VonMartin Murphy , Martin Murphy

China und der Westen nähern sich aus Sicht von Zhengrong Shi, Chef des weltgrößten Solarkonzerns, Suntech, immer mehr an. Dennoch sieht der Berater der Uno Gefahren. Die größte sei ein drohender Handelskrieg. Mit ihm sprach Martin Murphy.

Zhengrong Shi warnt vor einem Handelskrieg. Quelle: Pressefoto

Zhengrong Shi warnt vor einem Handelskrieg.

Handelsblatt: Die USA und andere westliche Länder überlegen, China wegen Wettbewerbsverzerrungen vor der Welthandelsorganisation zu verklagen. Ist Chinas wirtschaftlicher Erfolg letztlich eine Gefahr für den Welthandel geworden?

Zhengrong Shi: Die Gefahr von Handelsbeschränkungen ist sicherlich gestiegen. Sollten diese aber kommen, wäre das ein großer Fehler. In den vergangenen zwanzig Jahren ist der Export von Gütern aus China gestiegen, Waren sind damit günstiger geworden. Das hat den Lebensstandard auch im Westen erhöht. Zugleich muss man sehen, dass China viele Güter importiert.

Handelsblatt: Im Solarmarkt sehen wir das nicht. Zwei Drittel aller in Deutschland verkauften Module kommen aus Ihrem Heimatland.

Shi: Und womit stellen wir diese her? Rund 80 Prozent der weltweit verkauften Maschinen stammen aus Deutschland. Wir alleine haben 2010 in Europa Maschinen und Vorprodukte im Wert von 300 Millionen Euro gekauft. Es ist ein Nehmen und Geben.

Handelsblatt: Das Handelsdefizit mit China ist dennoch gewaltig. Vor allem die USA fürchten, dass es künftig noch größer wird.

Shi: Das Defizit wird sich verkleinern. Beim Besuch von Staatschef Hu Jintao in den Vereinigten Staaten wurden kürzlich Aufträge im Volumen von 45 Milliarden Dollar unterschrieben, allein 19 Milliarden Dollar entfielen auf Boeing. Der Handel ist keine Einbahnstraße.

Handelsblatt: Die Zahl ist gewaltig, aber da waren alte Aufträge dabei.

Shi: Dennoch zeigt sich daran, dass China in großem Maße importiert. Bei der Entwicklung neuer Industrien – sei es die Solar- oder die Internetwirtschaft – wird es nicht helfen, wenn jedes Land für sich allein arbeitet. Dadurch würde der Technologieaustausch gestoppt und alle verlieren. Müssten China und Europa etwa ohne Microsoft auskommen, hätten alle das Nachsehen.

Handelsblatt: Müsste China nicht seine Subventionspolitik ändern und das Lohnniveau anheben?

Shi: Bei uns steigen die Löhne jedes Jahr gewaltig an. Das hat auch der US-Energieminister Steven Chu gesehen, der Suntech im letzten Jahr besucht hat. In den USA warnte er danach davor, Suntechs Erfolg einfach nur günstigeren Lohnkosten zuzuschreiben.

Handelsblatt: Es gibt also Chancengleichheit im globalen Wettbewerb?

Shi: Exakt.

Handelsblatt: Was wären denn die Folgen eines Handelskriegs?

Shi: Für den Kampf gegen die Klimaerwärmung wäre das eine Katastrophe. Nur gemeinsam können wir die Kosten für Solarstrom so schnell senken, wie es nötig ist. Das ist ein zentrales Thema, das wir auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos diskutieren.

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