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08.11.2013

15:47 Uhr

Ziegler aus Schwaben

Chinesen übernehmen Feuerwehrauto-Bauer

Ziegler wird chinesisch: Der insolvente Feuerwehrautohersteller geht für 55 Millionen Euro an den Nutzfahrzeug- und Logistikkonzern CIMC. Nun will der schwäbische Mittelständler sein internationales Geschäft ausbauen.

Ein Wassertropfen hängt an der Spitze des Löscharms eines Feuerwehrfahrzeugs vom Typ „Ziegler Z8“. Ziegler wird nun von einem chinesischen Konzern übernommen. dpa - picture-alliance

Ein Wassertropfen hängt an der Spitze des Löscharms eines Feuerwehrfahrzeugs vom Typ „Ziegler Z8“. Ziegler wird nun von einem chinesischen Konzern übernommen.

Giengen/BrenzDer schwäbischer Feuerwehrautohersteller Ziegler wird von einem chinesischen Konzern übernommen. Insolvenzverwalter Bruno Kübler teilte am Freitag am Firmensitz Giengen mit, Ziegler mit seinen rund 1000 Beschäftigten gehe für 55 Millionen Euro an den Nutzfahrzeug- und Logistikkonzern CIMC mit Sitz in Shenzhen. Alle Arbeitsplätze und Standorte von Ziegler bleiben demnach erhalten.

Ziegler hatte im Sommer 2011 Insolvenz anmelden müssen – nach „jahrelangem Missmanagement“, wie Kübler erklärte. Hintergrund der Pleite sei aber auch eine Beteiligung des Herstellers an einem Kartell vom Feuerwehrausrüstern gewesen. Das Verfahren gegen das Kartell endete mit einer millionenschweren Bußgeldzahlung.

In den Monaten nach der Insolvenz seien Aufträge insbesondere von Kommunen weggebrochen, erklärte Kübler. In monatelangen Verhandlungen sei es dann aber gelungen, Vorbehalte gegen Ziegler auszuräumen. Zudem habe Ziegler zahlreiche neue Fahrzeuge entwickelt, darunter ein Tunnelrettungsfahrzeug und das kleinste dreiachsige Tanklöschauto der Welt.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Der neue Besitzer CIMC sei „der perfekte Partner“ für Ziegler, erklärte der Insolvenzverwalter. Er biete dem schwäbischen Mittelständler die „ideale Basis“ für den Ausbau seiner internationalen Geschäfte.

CIMC hat laut Kübler 63.000 Mitarbeiter weltweit und machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro. In Deutschland gehören dem Konzern bereits zwei Firmen: die TGE Gas Engineering in Bonn und der Trailer-Hersteller CIMC Silvergreen in Neu-Ulm.

Chinesische Unternehmen hatten zuletzt immer wieder deutsche Firmen und ihre Technologien aufgekauft, unter anderem den Betonpumpenspezialisten Putzmeister. Beim Gabelstaplerhersteller Kion war eine chinesische Firma eingestiegen.

Kommentare (1)

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uno-rotax

08.11.2013, 15:16 Uhr

CIMC ist in Europa auch noch anders engagiert.
Hätten Sie vielleicht erwähnen sollen.

http://www.ziemann.com/de/unternehmen/wer-sind-wir-heute

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