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05.09.2011

22:08 Uhr

Ziele angehoben

Evotec entwickelt Alzheimer-Präparat

Das Biotechunternehmen Evotec hat zusammen mit Roche ein Alzheimer-Präparat entwickelt. Jetzt winken über 800 Millionen Dollar an erfolgsabhängigen Zahlungen, die Umsatzprognose wurde bereits angehoben.

Großer Fortschritt bei Evotec. picture-alliance

Großer Fortschritt bei Evotec.

FrankfurtGroßer Erfolg für das Biotechunternehmen Evotec: Die Hamburger Firma bündelt ihre Kräfte mit dem Pharmariesen Roche , um ein Medikament zur Behandlung von Alzheimer zu entwickeln. Für die Unterzeichnung des Kooperationsvertrags überweisen die Schweizer zehn Millionen Dollar, insgesamt darf Evotec auf erfolgabhängige Zahlungen bis zu 820 Millionen Dollar hoffen. „Das ist einer der größten Deals in der Biotechbranche in Europa in diesem Jahr“, sagte Evotec-Chef Werner Lanthaler am Montagabend zu Reuters.

Roche erhält im Rahmen der Allianz die Rechte am Wirkstoff EVT 302, dessen Sicherheit Evotec bereits in drei Phase-I-Studien überprüft hat. Im kommenden Jahr will der Konzern aus Basel mit einer Phase-II-Studie beginnen. Präparate müssen vor einem Zulassungsantrag drei Phasen der klinischen Erprobung am Menschen durchlaufen. Es sei möglich, dass das Mittel relativ rasch auf den Markt komme, sagte Evotec-Chef Lanthaler.

Da Roche seit langem an Alzheimer-Präparaten arbeitet, ist der Konzern in Lanthalers Augen ein „Traumpartner“ zur Weiterentwicklung des Wirkstoffs, die sich die Biotechfirma auf eigene Rechnung nicht leisten kann. „Durch die Kooperation sind wir in einem Milliarden-Markt dabei, ohne selber ins Risiko zu gehen.“ Sollte das Medikament auf den Markt kommen, erhält Evotec eine Umsatzbeteiligung im zweistelligen Prozentbereich - für die Hamburger wäre das angesichts des Milliardenmarktes Alzheimer ein riesiger Schritt. Weltweit leiden rund 35 Millionen Menschen an Alzheimer, einer Krankheit, für die es bisher keine gut wirksamen Medikamente gibt.

Dank der ersten Zahlung von Roche hob Evotec die Umsatzprognose für 2011 um sieben Millionen auf 77 bis 79 Millionen Euro an. Ende des Jahres will Lanthaler dabei mindestes 60 Millionen Euro liquide Mittel in der Kasse haben statt wie zuletzt angepeilt 55 Millionen Euro.

Der Österreicher erklärte die Kooperation mit Pharmakonzernen nach der Übernahme des Chefsessels im März 2009 zum Kerngeschäft von Evotec und hat die riskante Entwicklung eigener Medikamente drastisch heruntergefahren. Damals stoppte Lanthaler auch die Erforschung des Wirkstoffs EVT 302. Das Präparat hatte Evotec 2006 von Roche erworben und wollte damit zunächst ein Mittel entwickeln, dass Rauchern beim Aufhören helfen sollte. Die Daten waren jedoch durchwachsen und neue Studien zu teuer. In den vergangenen Jahren entwickelte Evotec das Präparat deshalb für den Einsatz gegen Alzheimer weiter.

Die neue Kooperation von Evotec mit Roche ist auch deshalb bemerkenswert, da beide Unternehmen erst im Mai die Entwicklung eines hoffnungsvollen Antidepressivums einstapfen mussten. Paradoxerweise sei die Zusammenarbeit mit Roche nach dem Scheitern besser denn je zuvor, sagte Lanthaler. „Wir haben damals gezeigt, dass man mit uns auch fair scheitern kann und wir bei Misserfolgen nicht die Schuld beim Partner suchen.

Von

rtr

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